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Deckelbüchse aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 39

ObjID: obj:1839323

Details (expert)

Date(s)
14. Jahrhundert (?)
Geographical references
Entstehungsort stilistisch: Deutschland
Material / Technique
Ahornholz
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 7,5 x 10,9 cm

Object Description

Das Unterteil und der passgenau gearbeitete Deckel der gedrechselten Büchse bilden zusammengesetzt eine sehr geschlossen wirkende, annähernd zylindrische Grundform. Die Kontur des Behältnisses wird zur Standfläche sowie zur Oberseite hin jeweils durch dünne Profilstäbe und schmale Fasen elegant verbreitert. Deckel und Wandung sind außen durch rhythmisch angeordnete Drechselrillen gegliedert. Die sorgfältig bearbeitete Oberfläche ist holzsichtig, Spuren einer früheren farbigen Fassung sind nicht vorhanden.
Das Werk selbst gibt keinen Aufschluss darüber, ob es für eine profane oder kirchliche Nutzung angefertigt wurde. Im sakralen Zusammenhang dienten hölzerne Deckelbüchsen häufig zur Aufbewahrung von unkonsekrierten Hostien; auch ihre Verwendung als Behältnis für Reliquien ist belegt. Die in der Ahornpyxis aus dem Welfenschatz enthaltenen Reliquien, darunter auffallend zahlreiche der 11.000 Jungfrauen, befanden sich 1482 allerdings noch in einem anderen Reliquiar des Kirchenschatzes von St. Blasius in Braunschweig, einem heute verschollenen, mit Vögeln bemalten Elfenbeinkasten.
Ähnliche spätmittelalterliche Deckelbüchsen, meist jedoch farbig gefasst, sind in verschiedenen Kirchenschätzen erhalten, so im Dionysiusschatz aus Herford (Berlin, Kunstgewerbemuseum, Inv. Nr. 1888,653), im Schatz von St. Servatius in Quedlinburg, im Halberstädter Domschatz und aus dem Clarissenkloster in Ribnitz (Schwerin, Staatliches Museum, Inv. Nr. MK 49). Ebenfalls ungefasst und sowohl in den Proportionen wie in der ornamentalen Anordnung der Drechselrillen dem Exemplar aus dem Welfenschatz besonders eng verwandt ist eine Reliquien-Pyxis im Staatlichen Museum Schwerin (Inv. Nr. MK 47). Diese stammt aus der Mensa des Hochaltars im Dom zu Güstrow und ist durch das Siegel der darin enthaltenen Weiheurkunde in die Zeit um 1335 datiert. Mit Blick auf dieses Vergleichsbeispiel wird hier die Entstehung der Deckelbüchse aus dem Welfenschatz ebenfalls im 14. Jahrhundert vermutet. LL

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa