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Bukan und der Tiger

Ident. Nr.: 1981-3

ObjID: obj:1851332

Restauriert mit Mitteln der / Restored with generous support of The Sumitomo Foundation, Tokyo

Details (expert)

Creator/Entity
Kano Tan'yū 狩野探幽 (1602 - 1674),
Maler*in
Date(s)
Edo (Tokugawa)-Zeit
datiert 1662
Systematics/Type
Geographical references
Japan,
Land
Dimensions
Bildmaß: 104,6 x 54,5 cm
Objektmaß: 214,3 x 76,7 cm (Montierung)
Acquisition
Kauf 1981

Object Description

Angelehnt an sein Begleittier, einen Tiger, sitzt der Chan- (j. Zen-)Meister Fenggan (j. Bukan) im Zentrum des Triptychons. Umflankt werden sie zu beiden Seiten von Drachen, die dynamisch aus schweren Wolken hervorschießen. Fenggan war ein für seine Exzentrik bekannter Mönch der Tang-Zeit (618–907), der im Guojing-Tempel auf dem Berge Tiantai in der Provinz Zhejiang im Südosten Chinas lebte. Dort lernte er auch den verkannten Dichter Hanshan und den Laufburschen des Tempels, Shide (j. Kanzan und Jittoku), kennen. Anekdoten identifizieren die „Drei vom Berge Tiantai“ mit einem Buddha und seinen begleitenden Bodhisattvas. Aufgrund ihrer unkonventionellen, freiheitsliebenden Geisteshaltung wurde das ungleiche Ensemble in buddhistischen Kreisen hoch geschätzt. Als „Vier Schläfer“ bekannte Darstellungen der Drei mit Fenggans Tiger, die sie aneinandergelehnt schlummernd zeigen, sind ein verbreitetes Bild für eine friedvoll-harmonische Existenz.
Aus der Signaturaufschrift geht hervor, dass Tan’yū, der prominenteste Vertreter der Kano-Familie, die vom 17.-19. Jahrhundert als Maler für die Shogune aus dem Hause Tokugawa tätig war, die Bilder in seinem nach japanischer Zählung 61. Lebensjahr, also 1662 geschaffen hat.
In dieser Komposition kombiniert er zwei traditionelle Bildthemen – “Drache und Tiger” sowie “Vier Schläfer” - zu einer neuartigen Interpretation. Sie inszeniert eine Idealgestalt, die in Einklang mit dem Kosmos lebt und gleichermaßen Raubtiere wie mythologische Fabelwesen beherrscht. Insbesondere die Drachen, die in China traditionell als Zeichen guter Herrschaft und Ausdruck kaiserlicher Macht galten, legen nahe, dass es sich um eine Herrschaftsallegorie handelt, welche die Betrachter sicherlich auf den Besitzer der Bilder bezogen. Ein Auktionskatalog aus dem Jahre 1918 belegt denn auch zweifelsfrei die Herkunft des Triptychons aus dem Besitz der in Mito ansässigen Zweigfamilie der Tokugawa und somit dessen Nähe zum Machtzentrum der Feudalzeit.
[SM8HF]

Last updated: 05.03.2026

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Institution:

Museum für Asiatische Kunst

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Schreibkasten (suzuribako)

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Der Schreibkasten mit dem flachen Überfalldeckel ist annähernd quadratisch. Seine vier Ecken sowie die Deckeloberseiten sind abgerundet. Der Deckel ist kaum merklich gewölbt und am Rand dünn abgesetzt. Die Ränder des Kastens und des Deckels sind mit Silber eingefasst. Die Form des Schreibkastens ebenso wie seine Inneneinteilung gehen auf klassische Vorbilder des 15. und 16. Jahrhunderts zurück. Die Innenausstattung ist vollständig: Das mittlere Brett nimmt den Tuschereibstein (suzuri) und den Wassertropfer (mizuire) in Form eines fliegenden Reihers vor Wolken auf. Die linken und rechten Fächer beinhalten zwei Pinsel und den Tuschehalter sowie Papiermesser und Ahle zum Lochen des Papiers. Die Metallbeschläge der drei letzteren sind mit Kirschblüten und Ahornblättern dekoriert. Zur besseren Fixierung der Schreibutensilien sind die Stegleisten der Ablage ausgeschnitten. Den Deckel verziert eine stilisierte 16blättrige Goldlack-Chrysantheme, das kaiserliche Emblem, auf dichtem rötlichem "Birnenschalen-Grund" (nashiji). Im Deckel ist auf dicht gestreutem, gelblichem nashiji eine Teilansicht des kaiserlichen Schlosses in Tôkyô mit Wall, Wassergraben, zwei Brücken und Bäumen zu erkennen. Ähnlich wie bei dem Landschafts-Dekor des zugehörigen größeren Papierkastens verbindet sich in der Ansicht des Kaiserpalastes sorgfältigste Detailausarbeitung in verschiedenen Goldtönen, Silber- und Schwarzlack mit einem reichhaltigen Wechsel der klassischen Streulacktechniken wie nashiji, togidashi-makie (poliertes Streubild), hira- und taka-makie (flaches und erhabenes Streubild), okibirame (regelmäßig eingesetzte rechteckige Goldplättchen), harigaki (mit der Nadel eingeritzte Zeichnung) und tsukegaki (plastischer Liniendekor). Der rechteckige Papierkasten mit flachem Stülpdeckel, der zur Aufbewahrung von Dokumenten genutzt wurde, entspricht in seinem Dekor dem Schreibkasten. In der Deckelinnenseite wird eine herbstlich anmutende, waldige Flusslandschaft mit aufgetürmten Bergkulissen und einem Wasserfall durch einen Pavillon unter einer mächtigen Zypresse akzentuiert. Den Hintergrund beherrscht der schneebedeckte Fuji-Berg. In den beiden flächig-malerisch aufgefassten Landschaften vermittelt eine fein differenzierte Farbgebung atmosphärische Tiefe. Die exakte und dichte, fast empirische Wiedergabe der dargestellten Landschaften vermischt sich mit einem der Tradition verhafteten gestaffelten Bildaufbau. Diese reizvolle kompositorische Mischung ist kennzeichnend für die späte Edo- und Meij-Zeit und schöpft aus westlich beeinflussten Maltendenzen des späten 18. und des 19. Jahrhunderts. Dies klingt auch in der deutlich sichtbaren Verwendung von Perspektive - vor allem bei der Schlossansicht - an. Der Einsatz der aufgesetzten Blattgoldquadrate für den Effekt von Lichtreflexen und die abgestufte Streuung des nashiji-Grundes zur Schaffung von Übergängen sind dabei ganz traditionelle Mittel, um atmosphärische Dichte entstehen zu lassen. Dies gilt auch für den Einsatz von fleckig gestreuten, feinsten Goldpartikeln, die Dunst über Bergen und Berghängen suggerieren. Die nach einer Zeit des Niedergangs um künstlerische Erneuerung bedachte Lackkunst der Meiji-Zeit erhielt einen bedeutenden Rückhalt durch den Kaiser Meiji (reg. 1868 bis 1912). Er war der größte und wichtigste Auftraggeber der Zeit. Die beiden vorliegenden Kästen waren ein Geschenk des Kaisers an den deutschen Arzt Erwin von Bälz, der von 1876 bis 1905 als Professor für Medizin in Tôkyô lehrte und zum persönlichen Arzt des Kaisers avancierte. Erwin von Bälz brachte von seinem langjährigen Japanaufenthalt eine recht große Sammlung zahlreicher japanischer Bilder, aber auch Gegenstände des Kunstgewerbes zurück nach Deutschland, die er teils als Geschenke, teils im Handel erworben hatte. Neben seinen guten Verbindungen zum Kaiserhaus und fürstlichen Familien, pflegte Bälz ebenso den Kontakt zu japanischen Sammlern und Connaisseuren, die sein Verständnis der japanischen Kunst durch wertvolle Hinweise vertieften. Die beiden vorliegenden Kästen spiegeln in ihrer Form und im Dekor den Meiji-zeitlichen höfischen Geschmack wider, der sich durch technische Perfektion sowie die Verwenund puderfeinen Goldpulvers kennzeichnet.