Logo

The Pleasures of Education (Die Freuden der Erziehung)

Ident. Nr.: 478-1895

ObjID: obj:1858856

Details (expert)

Involved
Ausführung: Louis-Marin Bonnet (1736 - 1793),
Stecher*in
Dating
Herstellung: 1777
Geographical references
Material / Technique
Farbdruck in Pastellmanier
Dimensions
Blattmaß: 32,1 x 24,7 cm

Object Description

Eine junge Frau bringt ihrem Schoßhund bei, Männchen zu machen und dabei ein Stöckchen in den Vorderpfoten zu balancieren. Als Belohnung für seine Gelehrigkeit bekommt das Tier kleine Stücke von gimblettes, einem ringförmigen süßen Gebäck. Damit spielt Bonnet auf ein äußerst beliebtes Sujet an, wie es beispielsweise Fragonard in den 1760er Jahren in mehreren Versionen malte: Eine nackte Frau liegt auf dem Rücken in einem Bett und hebt mit den Füßen ein Hündchen in die Höhe, während sie ihm eine gimblette reicht. Ein ähnlich amourös-erotischer Unterton schwingt auch in Bonnets Darstellung mit, wie der Bildtitel und der Rahmenschmuck mit Blumengirlanden, von Pfeilen durchbohrten Herzen und schnäbelnden Tauben andeuten. In diesem Zusammenhang ist auch ein anderes Blatt zu sehen, auf dem eine junge Frau ihr Hündchen zärtlich an die Brust bzw. ihr weit ausgeschnittenes Dekolleté gedrückt hält (Abb. S. 4, Kat. 76). Bemerkenswert ist die Technik der Blätter, die im Medium der Druckgraphik die pudrige Textur und die zarten, nuancenreichen Farbübergänge von Pastellzeichnungen täuschend echt nachahmen und denen die mit Gold gedruckten Relief- Rahmen eine besondere Präsenz verleihen.

Text: Dagmar Korbacher in: Wir kommen auf den Hund. Werke aus fünf Jahrhunderten von Dürer bis Dieter Roth. Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Lydia Rosía Dorn, Berlin/Petersberg 2015, S. 90.

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Der große Liebesgarten

Der große Liebesgarten

Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)