Logo

Christus als Keltertreter

Ident. Nr.: 1886,165

ObjID: obj:1860874

Details (expert)

Date(s)
2. Drittel 15. Jahrhundert
Material / Technique
Ton, gebrannt
Dimensions
Höhe x Breite: 10,4 x 10,4 cm
Höhe x Breite: 8,5 x 8,5 cm (Darstellung)

Object Description

Derartige Tonmodel dienten vor allem der Herstellung von festtäglichem Backwerk, das zu kirchlichen Festen, Hochzeiten oder anderen besonderen Anlässen hergestellt wurde. Aber auch ihre Verwendung für die Anfertigung von Reliefs aus Papiermaché oder zur Glockenzier ist nachgewiesen, so findet sich diese in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstandene Darstellung von Christus als Keltertreter noch auf der 1520 entstandenen Glocke des Erfurter Glockengießers Heinrich Ciegeler I in der Kirche zu Dörnfeld bei Rudolstadt und auf der 1540 gegossenen Glocke in Bisperode bei Holzmiden. Ursprungsform für die oft in zahlreichen Exemplaren vervielfältigten Backmodel aus gebranntem Ton waren zumeist Patrizen aus Speckstein oder Solnhofener Kalkstein (sog. "Kuchensteine").
Das Model zeigt den Trauben tretenden Christs unter der drückenden Last des Kelterbaums. Neben ihm kniet Maria, die allein ihm im Leiden beisteht. Das den Kreuzestod Christi prophezeihende Bildmotiv gründet auf Jes 63,3 und deutet Christus gleichermaßen als die in der Kelter ausgepresste Traube wie auch als Keltertreter, der seine Passion aktiv erträgt.
Die Originalform für dieses Model mit der Darstellung von Christus als Keltertreter kann wohl dem gleichen Formschneider zugeschrieben werden wie die Darstellung der Dornenkrönung Christi am Backmodel Inv. Nr. 1876,202 und die des Christus am Ölberg am Backmodel Inv. Nr. 1876,203. Der Text auf den Inschriftbändern lautet bei Christus: "allein han ich die kelter getrede[n] un[d] waz neman der [hülfe]", bei Maria: "myn liebe ist glancz und rot" und bei den beiden, wohl Propheten darstellenden Köpfen am oberen Rand: "der get schone" und "der komet von eben". LL

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa