Logo

Die Carmagnole (Probedruck, 1. Zustand)

Ident. Nr.: 220-1912

ObjID: obj:1863404

Details (expert)

Involved
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Radierer*in
Dating
Herstellung: 1901
Geographical references
Berlin,
Stadt
Provenance
Ein Ungenannter,
bis 6.5.1912
Dimensions
Bedruckte Bildfläche: ca. 35 x 34,7 cm
Blattmaß: 55,8 x 34,0 cm (bzw. 37,7 cm)

Object Description

Sehr wahrscheinlich wurde die Darstellung von einer Szene aus Charles Dickens’ Roman "Eine Geschichte zweier Städte" (A Tale of Two Cities, 1859, dtsch. 1860) angeregt, der die Zeit der Französischen Revolution in London und Paris beschreibt. "Dansons la Carmagnole! Vive le son du canon!" so lautet der titelgebende Refrain eines 1792 bei der Einnahme von Carmagnola aufgekommenen Sturmliedes. Die Radierung vergegenwärtigt das revolutionäre Potential sozial unterdrückter, niederer Volksschichten. Mit ihrem ekstatischen Tanz um die Guillotine und aggressiven, beschwörenden Gesten fordern die ausgemergelten, zerlumpten Gestalten (überwiegend Frauen!) eine gewaltsame Veränderung ihrer Situation.
Als eines der Hauptwerke von Käthe Kollwitz wurde "Die Carmagnole" besonders gründlich vorbereitet und bearbeitet. Während die Künstlerin bei ihren Studien von den Figuren ausging, wurde die Radierung von den Fachwerkhäusern des Hintergrundes her entwickelt. Die Architektur soll dem Gängeviertel der Neustadt von Hamburg entstammen, das die Künstlerin 1901 besuchte [...]. Erst in einem späteren Arbeitsgang (im zweiten Zustand) kam die Tanzszene um die Guillotine im Vordergrund hinzu. Bei unserem Probedruck ist dieser ganze Teil von Hand eingezeichnet. Das Dresdner Kupferstich-Kabinett besitzt ein unkorrigiertes Exemplar des ersten Zustands.

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 49-50, Kat.-Nr. 44)

Last updated: 17.02.2026

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Der große Liebesgarten

Der große Liebesgarten

Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)