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"Moderne Dame" (Modellnr. 9690)

Ident. Nr.: WA Por 86

ObjID: obj:1867560

Details (expert)

Creator/Entity
Entwurf: Joseph Wackerle (1880 - 1959),
Bildhauer*in
Ausführung: Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) (gegründet 1763),
Hersteller*in
Date(s)
Entwurf: 1910
Ausführung: 1911
Geographical references
Entstehungsort: Berlin
Dimensions
Höhe: 37,5 cm

Object Description

Stehende weibliche Figur auf flacher, ovaler Bodenplatte. Die Bemalung ist in flächigen Unterglasurfarben gehalten. Der eng anliegende, dreiviertellange Tunikamantel in Grauviolett ist an den Säumen mit einer braunen Borte versehen. Im unteren Drittel erscheint ein plissiertes Kleid in Gelb-Braun-Tönen. Es hat eine kleine Schleppe, so dass die Füße der Dame verdeckt sind und zugleich die Standsicherheit der Figur gewährleistet ist. Am Hals ist das Untergewand hoch geschlossen. Mit der Linken fasst die Dame den Mantel zusammen, in der Rechten hält sie ein blaues Pompadour-Täschchen. In ihre voluminöse Hochsteckfrisur sind Haarbänder eingeflochten. Den Kopf mit dem schmalen Gesicht wendet sie kokett nach links. Mit seinen Modellen für Porzellanfiguren (KPM Berlin, Nymphenburg) griff Joseph Wackerle (1880-1959) auch aktuelle Modetendenzen auf. Die durch den Modellbucheintrag der KPM-Manufaktur auf 1910 zu datierende Modell schuf Wackerle während der Zeit, als er Lehrer an der Berliner Kunstgewerbeschule war. Damals waren die Schöpfungen des Pariser Couturiers Paul Poiret (1879-1944) hochaktuell. Dieser hatte es verstanden, reformerische Ansätze der Damenmode - Verzicht auf Korsett und Krinoline - mit einer eleganten Silhouette zu verbinden. Seine Idee der "mode simple" fand in der westlichen Modewelt großen Anklang und wurde salonfähig. Auch in der Sammlung des KGM Berlin sind Poirets Modelle vertreten. Lit.: Bettina Zöller-Stock: Traumwelten. Porzellanfiguren zwischen Jugendstil und Art Déco aus der Porzellansammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums, Berlin 1998, S.32 // ClKa

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa