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Korporalien-Kasten aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford

Ident. Nr.: 1888,651

ObjID: obj:1872331

Details (expert)

Date(s)
Anfang 15. Jahrhundert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 4,6 x 22,1 x 22,2 cm

Object Description

Das aus dem Kirchenschatz des 1414 von Enger nach Herford übergesiedelten Dionysius-Stifts stammende Korporalienkästchen ist innen mit besonders feinem gebleichten Leinen ausgekleidet, an den Außenseiten zeigt es zwei verschiedene geometrische Ornamente in mehrfarbiger Seidenstickerei, die an Musterrapporte von gewebten Borten erinnern. Stilistisch zählt das Werk zu einer in Westfalen und im südlichen Niedersachsen lokalisierten Gruppe von Stickereien, die um 1400 entstanden sind.
Das ursprüngliche Verschlussband an der Vorderseite des Kästchens ist bis auf geringe Reste verlorenen. Am Deckel befinden sich fünf geperlte Knäufe, vergleichbar den an textilen Korporalientaschen üblichen Quasten. Nach der Erwerbung des Werkes durch das Berliner Kunstgewerbemuseum wurden diese silbernen Zierrate als Füße missverstanden und das Herforder Korporalienkästchen ist daher über Jahrzehnte falsch herum präsentiert und abgebildet worden. LL

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa