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Schüssel mit Blick in eine Straße

Ident. Nr.: 1909,215

ObjID: obj:1887625

Details (expert)

Dating
um 1520
Geographical references
Material / Technique
Majolika mit Inglasurmalerei
Dimensions
Durchmesser: 47,9 cm
Höhe: 6,1 cm

Object Description

"Eine streng nach den Prinzipien der Zentralperspektive konstruierte, menschenleere Straße bildet das Hauptmotiv der Schüssel. Den Rand zieren perspektivisch verkürzt dargestellte Instrumente, aus den Bereichen Musik (Laute, Gambe, die antikisierende Doppelflöte, Tamburin, Notenblätter), Wissenschaft (Globus, Armillarsphäre, Astrolab, Winkelmaß) und Kriegskunst (Trophäen aus Waffenrüstungen). Bei den unteren Randmotiven gehen Musik und Krieg sogar eine Verbindung ein (Beinschienen, Schilde und Militärtrommeln).
In dieser Motivwahl kommt ein Epochenmerkmal der Renaissance zum Ausdruck: der Drang nach Erkenntnis und Beherrschung der sichtbaren Welt auf der Grundlage der antiken Wissenschaften. Die Perspektive galt als Medium, um Ordnung in die Vielfalt der Dinge zu bringen. Im wahrsten Sinne des Wortes 'ermessen' wurden sie mittels der dargestellten Instrumente. Die Musik – das Beherrschen der Harmonie – spielte in der Renaissance eine ebenso wichtige Rolle wie die Kriegs'kunst'.
Damals hochaktuell war die militärische Auseinandersetzung Europas mit dem Osmanischen Reich. Höhepunkt der Türkenkriege war 1529 die Belagerung Wiens. Dass zu den dargestellten Kriegstrophäen auch türkische Säbel zählen, mag eine versteckte Anspielung auf die damalige Tagespolitik gewesen sein. Ob auch die auffällige türkisfarbene Glasur ('turchino') in diesem Zusammenhang stand oder nur allgemein eine orientalische Reminiszenz war, sei dahingestellt. Benannt wurde sie nach dem Edelstein Türkis, dessen Herkunft man in der Türkei vermutete. Die Rückseite der Schüssel ist mit kobaltblauen Rankenmotiven bemalt, die wiederum auf chinesische Blau-Weiß-Porzellane Bezug nehmen und bereits damals in Italien 'alla porcellana' genannt wurden. Gerade in Venedig, einem der wichtigsten Handelszentren für den Orienthandel im Mittelmeerraum, waren sowohl nah-, als auch fernöstliche Keramiken bekannt." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden/Berlin 2018, S. 81)

ClKa

Last updated: 07.04.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Terrine in Form eines Kohlkopfs

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"Die in Gelb, Manganviolett und Grün bemalte Fayenceterrine lässt erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie als solche wirklich verwendbar ist: Sie besteht aus zwei Teilen, einem Korpus und einem Deckel. In größtmöglichem Naturalismus wurde ein Weißkohlkopf nachgebildet. Die einzelnen Blätter und Adern sind plastisch geformt. Den Deckelknauf bildet eine Frucht, wohl eine Eichel. Terrinen in Kohlkopfform oder auch als Wildschweinköpfe gestaltet, Pastetendosen in Form von Rebhühnern, Fasanen oder Kaninchen und Butterdosen in Melonenform finden sich auf den gedeckten Tafeln der Barock- und Rokokozeit in großer Vielfalt. Immer sind sie detailreich modelliert und täuschend echt bemalt. Da das exklusive Porzellan im 18. Jahrhundert noch den fürstlichen Auftraggebern vorbehalten war, stellte Fayence eine beliebte Alternative für weitere Kreise der Aristokratie und des betuchten Bürgertums dar.In ganz Europa orientierte man sich bei der gedeckten Tafel am französischen Vorbild, dem 'service à la française'. In Versailles sah das höfische Zeremoniell seit Ludwig XIV. eine Trennung zwischen der Tafel der Hauptgerichte aus symmetrisch angeordneten Terrinen und Platten und der figürlich gestalteten Desserttafel vor. Zum 'premier service' gehörten Ragouts, Pasteten und die 'Pot à oille', ein Eintopf aus in der Brühe gegartem Fleisch und Gemüse. Auch die Kohlkopfterrinen fanden hier ihre Aufstellung. Zugleich spiegelt sich in den illusionistisch gestalteten, tierförmigen Gefäßen die aufs Mittelalter zurückgehende Tradition der Schaugerichte wider.Die 1763 gegründete schlesische Fayencemanufaktur in Proskau nahm sich in der Anfangszeit Modelle der Straßburger Fayencemanufaktur zum Vorbild, zu deren charakteristischen Produkten auch Kohlkopfterrinen zählten." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 139)Marke: P (Unterseite, in Mangan aufgemalt)ClKa

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."