Logo

Apothekengefäß mit gemaltem Schriftband und Inschrift

Ident. Nr.: 1913,124

ObjID: obj:1887631

Details (expert)

Date(s)
um 1480
Material / Technique
Dimensions
Höhe: 28,9 cm

Object Description

"Eiförmige Vase mit zylindrischem Hals und eingezogenem Fuß. Die Blaumalerei auf bläulicher Gasur stellt in der Hauptzone ein welliges, rundum laufendes Schriftband dar, aus dessen Windungen Blumen nach beiden Seiten hervorwachsen. Die gotische Inschrift lautet: 'tal pensa de regnare che in breve ora convene [?] onni cosa laqssare'. Darunter ein geometrisches Ornament zwischen Querbändern, ganz unten als Abschluß eine Reihe von kleinen hängenden Blättern. Am Hals die S. Bernhardino-Strahlen. - Das Innere ebenfalls galsiert.
Das Gefäß verdankt seine Form altüberlieferten Vorbildern aus dem Orient. Seine nicht leicht zu deutende Inschrfit mahnt mit einem Blick auf den Tod: Gedenke so zu regieren, daß du in kurzer Zeit alle Dinge in Ordnung (?) zurücklassen kannst. - Das Schmuckmotiv am Hals geht zurück auf S. Bernhardino da Siena (1380-1444). Dieser Franziskanermönch, einer der größten Prediger Italiens, warb in seinen Reden für die Verehrung des Namens Jesu. Am Schluß seiner Predigten reichte er den Zuhörern eine Tafel mit den Buchstaben IHS (Jesus Hominum Slavator) in einem von geschwungenen Linien durchzogenen Strahlenkranz zum Kusse dar und verdrängte durch dieses Signum die Embleme der Ghibellinen und der Guelfen. Sein Wahrzeichen ist auf einen bekannten, 1475 datierten Majolikatondo gemalt, der einst in die Wand eines Hauses in Faenza eingelassen war. Seit dieser Zeit verwendeten die Töpfer in Faenza und auch in anderen Städten die 'S. Bernahrdino-Strahlen' oft als Dekorationsmotiv ihrer Geschirre.
in: Tjark Hausmann: Majolika. Spanische und italienische Majolika vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, Berlin (Kunstgewerbemuseum) 1972, Kat. Nr. 105

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa