Logo

Frühlingsaktivitäten (Puppenfest, Kemari)

Ident. Nr.: 3595

ObjID: obj:1891228

Schenkung Marie Meyer und Ernst Grosse

Details (expert)

Creator/Entity
Yamada Dōsetsu 山田洞雪 (ca. 1. Hälfte 19. Jh.),
Künstler*in
Date(s)
Edo (Tokugawa)-Zeit
1. Hälfte 19. Jh.
Systematics/Type
Geographical references
Japan,
Land
Dimensions
Bildmaß: 60,1 x 93 cm
Objektmaß: 160 x 117 cm (Montierung)
Acquisition
Schenkung von Marie Meyer und Ernst Grosse 1919

Object Description

Im Innenhof einer Palastanlage, umgeben von blühenden Kirschbäumen, spielen vier in höfische Gewänder gekleidete Männer kemari, das am Kaiserhof beliebte „Trittballspiel“. Ihnen schaut eine Gruppe dreier Hofdamen zu, die sich hinter den heruntergelassenen Schilfblenden in dem langgezogenen Gebäude auf der rechten Seite verborgen halten. Eine der Damen hält an einer Leine zwei Katzen, die unter dem aufgewehten Vorhang hindurchschlüpfen und auf die Veranda rennen. Möglicherweise wird hier auf eine Episode aus dem höfischen Epos „Geschichte vom Prinzen Genji“ angespielt, in der die Gattin des Protagonisten ihrem entlaufenen Kätzchen folgt und einem kemari-Spieler begegnet, woraus sich eine Liebesaffäre entwickelt.
In typischer Manier der einheimischen Malerei (j. yamatoe) unterteilt der Künstler die Szene durch horizontale, stilisierte Wolkenbänder. In der linken oberen Ecke können durch die offenen Verandatüren drei weitere Hofdamen beim Aufstellen der Puppen für das am 3. Tag des 3. Monats gefeierte Puppenfest (j. hinamatsuri) beobachtet werden. Sowohl das kemari als auch das Puppenfest gehörten zu den besonderen Aktivitäten am Kaiserhof, die jeweils im Frühjahr zelebriert wurden.
Der Maler entstammte als ein Vasall des Yoshida-Clans der Schicht des niederen Schwertadels und war ein Schüler der Asakasu-Saruyamachi-Zweigfamilie der einflussreichen Malersippe der Kano.

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Museum für Asiatische Kunst

Additional items from the collections

Schreibkasten (suzuribako)

Schreibkasten (suzuribako)

Der Schreibkasten mit dem flachen Überfalldeckel ist annähernd quadratisch. Seine vier Ecken sowie die Deckeloberseiten sind abgerundet. Der Deckel ist kaum merklich gewölbt und am Rand dünn abgesetzt. Die Ränder des Kastens und des Deckels sind mit Silber eingefasst. Die Form des Schreibkastens ebenso wie seine Inneneinteilung gehen auf klassische Vorbilder des 15. und 16. Jahrhunderts zurück. Die Innenausstattung ist vollständig: Das mittlere Brett nimmt den Tuschereibstein (suzuri) und den Wassertropfer (mizuire) in Form eines fliegenden Reihers vor Wolken auf. Die linken und rechten Fächer beinhalten zwei Pinsel und den Tuschehalter sowie Papiermesser und Ahle zum Lochen des Papiers. Die Metallbeschläge der drei letzteren sind mit Kirschblüten und Ahornblättern dekoriert. Zur besseren Fixierung der Schreibutensilien sind die Stegleisten der Ablage ausgeschnitten. Den Deckel verziert eine stilisierte 16blättrige Goldlack-Chrysantheme, das kaiserliche Emblem, auf dichtem rötlichem "Birnenschalen-Grund" (nashiji). Im Deckel ist auf dicht gestreutem, gelblichem nashiji eine Teilansicht des kaiserlichen Schlosses in Tôkyô mit Wall, Wassergraben, zwei Brücken und Bäumen zu erkennen. Ähnlich wie bei dem Landschafts-Dekor des zugehörigen größeren Papierkastens verbindet sich in der Ansicht des Kaiserpalastes sorgfältigste Detailausarbeitung in verschiedenen Goldtönen, Silber- und Schwarzlack mit einem reichhaltigen Wechsel der klassischen Streulacktechniken wie nashiji, togidashi-makie (poliertes Streubild), hira- und taka-makie (flaches und erhabenes Streubild), okibirame (regelmäßig eingesetzte rechteckige Goldplättchen), harigaki (mit der Nadel eingeritzte Zeichnung) und tsukegaki (plastischer Liniendekor). Der rechteckige Papierkasten mit flachem Stülpdeckel, der zur Aufbewahrung von Dokumenten genutzt wurde, entspricht in seinem Dekor dem Schreibkasten. In der Deckelinnenseite wird eine herbstlich anmutende, waldige Flusslandschaft mit aufgetürmten Bergkulissen und einem Wasserfall durch einen Pavillon unter einer mächtigen Zypresse akzentuiert. Den Hintergrund beherrscht der schneebedeckte Fuji-Berg. In den beiden flächig-malerisch aufgefassten Landschaften vermittelt eine fein differenzierte Farbgebung atmosphärische Tiefe. Die exakte und dichte, fast empirische Wiedergabe der dargestellten Landschaften vermischt sich mit einem der Tradition verhafteten gestaffelten Bildaufbau. Diese reizvolle kompositorische Mischung ist kennzeichnend für die späte Edo- und Meij-Zeit und schöpft aus westlich beeinflussten Maltendenzen des späten 18. und des 19. Jahrhunderts. Dies klingt auch in der deutlich sichtbaren Verwendung von Perspektive - vor allem bei der Schlossansicht - an. Der Einsatz der aufgesetzten Blattgoldquadrate für den Effekt von Lichtreflexen und die abgestufte Streuung des nashiji-Grundes zur Schaffung von Übergängen sind dabei ganz traditionelle Mittel, um atmosphärische Dichte entstehen zu lassen. Dies gilt auch für den Einsatz von fleckig gestreuten, feinsten Goldpartikeln, die Dunst über Bergen und Berghängen suggerieren. Die nach einer Zeit des Niedergangs um künstlerische Erneuerung bedachte Lackkunst der Meiji-Zeit erhielt einen bedeutenden Rückhalt durch den Kaiser Meiji (reg. 1868 bis 1912). Er war der größte und wichtigste Auftraggeber der Zeit. Die beiden vorliegenden Kästen waren ein Geschenk des Kaisers an den deutschen Arzt Erwin von Bälz, der von 1876 bis 1905 als Professor für Medizin in Tôkyô lehrte und zum persönlichen Arzt des Kaisers avancierte. Erwin von Bälz brachte von seinem langjährigen Japanaufenthalt eine recht große Sammlung zahlreicher japanischer Bilder, aber auch Gegenstände des Kunstgewerbes zurück nach Deutschland, die er teils als Geschenke, teils im Handel erworben hatte. Neben seinen guten Verbindungen zum Kaiserhaus und fürstlichen Familien, pflegte Bälz ebenso den Kontakt zu japanischen Sammlern und Connaisseuren, die sein Verständnis der japanischen Kunst durch wertvolle Hinweise vertieften. Die beiden vorliegenden Kästen spiegeln in ihrer Form und im Dekor den Meiji-zeitlichen höfischen Geschmack wider, der sich durch technische Perfektion sowie die Verwenund puderfeinen Goldpulvers kennzeichnet.