Logo

Au Café des Ambassadeurs

Ident. Nr.: 171-1920

ObjID: obj:1898130

Details (expert)

Involved
Ausführung: Edgar Degas (1834 - 1917),
Stecher*in
Dating
Herstellung: 1879 - 1880
Dimensions
Plattenrand: 26,5 x 29,7 cm
Blattmaß: 31,4 x 34,4 cm

Object Description

Während der zweiten Hälfte der 70er Jahre thematisierte Degas häufig die in den Konzertcafes der Zeit gebotenen nächtlichen Varietedarbietungen. Das Agieren der Chansonetten und Diseusen im Rampenlicht der Bühne faszinierte ihn offenbar ebenso wie viele Jahre später Toulouse-Lautrec (Kat. VII.69), der in dieser Hinsicht manche Anregung von seinem Vorläufer empfing. Auf verschiedenen Pastellen und vor allem Lithographien Degas' ist das an den Champs-Elysees gelegene »Aux Ambassadeurs«, eine Pavillonarchitektur im Grünen, festgehalten. Am bekanntesten wurde die Lithographie »Mlle Bécat aux Ambassadeurs« (D.49, 1877/78), von der das Kabinett einen seltenen Abdruck besitzt.
Vorliegende Radierung (es handelt sich um die formatmäßig größte von Degas je geschaffene) hebt sich durch ihre Technik, die Kühnheit der Perspektive, die scharfen Überschneidungen sowie die gelegentlich fast abstrakt wirkenden, schwer lesbaren Formen gegenüber den weicheren Lithographien und Monotypien gleicher Thematik ab. Zur Unterstützung der in diesen zum Ausdruck gebrachten malerischen Flächenwirkungen überarbeitete Degas eine Reihe der entsprechenden Monotypien zusätzlich mit Pastell. Auch eines der vom 3. Zustand der Radierung bekannt gewordenen Exemplare hat er später (1885) auf diese Weise abgewandelt.
Die verschiedenen Zustände von »Aux Ambassadeurs« unterscheiden sich stark voneinander, so daß jeder für sich eigenständig ist und eine neue Variante darstellt. Erst die Endfassung weist die durch die Architektur und den Baum verspannte klare Raumdisposition aus verschiedenen Richtungsperspektiven auf. An die Stelle des sich vorher verbreitenden diffusen Lichtes tritt hier nachtschwarze Dunkelheit, welche die Figuren mit ihren graziösen Bewegungen stärker hervortreten läßt.
Von den vorausgehenden vier Zuständen sind insgesamt nur sechs Exemplare bekannt. Wahrscheinlich beschränkt sich auch die Zahl der von der fertigen Platte abgezogenen Drucke auf wenige Stücke.

Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 403f., Kat. VII.54 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)