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Küstenszene mit Figuren und Schiffen

Ident. Nr.: KdZ 15336

ObjID: obj:1902403

Details (expert)

Involved
Ausführung: Thomas Gainsborough (1727 - 1788),
Zeichner*in
Dating
Herstellung: um 1780
Provenance
William Esdaile (1758-1837),
317321
Dimensions
Blattmaß: 26,4 x 35,8 cm

Object Description

Gainsborough war einer der fruchtbarsten und experimentierfreudigsten Zeichner, die England je hervorgebracht hat. Innerhalb seines umfangreichen zeichnerischen Werkes stellen die Landschafts- und Porträtdarstellungen den bedeutendsten Teil dar. In den freizügigen Pinselarbeiten der 70er und vor allem 80er Jahre erreichen die Landschaften, die sich der herkömmlichen idealen Landschaftskomposition und gängigen englischen Vedutenpraxis widersetzen, ihren Höhepunkt. Mit ihren atmosphärischen Wirkungen und dramatischen Lichteffekten wurden sie für die großen englischen Landschaftsmaler des frühen 19. Jahrhunderts wie John Constable und William Turner (Inv. Nr. 14-1901,26) wegweisend.
Die mit breitem Pinsel gezeichnete, skizzenhafte »Küstenszene« aus der Spätphase gehört zu einer Gruppe von mehreren thematisch, stilistisch und technisch ähnlichen Zeichnungen Gainsboroughs (vgl. Hayes 1970, Nrn. 481, 483–492), die möglicherweise mit seinen verschiedenen für den Zeitraum zwischen 1779 und 1783 belegten Studienexkursionen an Englands Küsten zusammenhängen. Einige der Blätter wurden später als Studien für Gemälde benutzt, aber keine dieser Arbeiten läßt sich topographisch identifizieren. Unser Beispiel, das durch die effektvollen Weißhöhungen und die Umrandung eine in sich abgerundete Bildwirkung hat, scheint als eigenständiges Werk konzipiert zu sein. Wie bei den meisten der von Gainsborough erhaltenen Landschaftszeichnungen handelt es sich um keine unmittelbar vor Ort entstandene Naturaufnahme, sondern um eine von jenen vorwiegend in den Abendstunden im Atelier ausgeführten imaginären Kompositionen. Bei ihnen soll sich der Künstler gelegentlich künstlicher Hilfsmittel wie speziell von ihm aus Kork-, Glas-, Kohlestücken und Pflanzen zusammengebastelter Landschaftsmodelle bedient haben. Auch weiß man im Zusammenhang mit den Mondlandschaften der 80er Jahre von Kerzenlicht-Experimenten zum Studium von Lichtreflexen auf spiegelnden Wasserflächen. Wie Hayes herausgefunden hat, entstammt das prachtvolle rechte Segelschiff im Hintergrund weder der Zeit, noch der dargestellten Region. Es ist offenbar ein holländisches Handelsschiff aus dem 17. Jahrhundert, das durch entsprechende Darstellungen des zeitweise in England tätigen holländischen Schiffszeichners Willem van de Velde (1633–1707) angeregt worden sein kann und wird von Hayes als weiteres Indiz für Gainsboroughs synthetisches Vorgehen gewertet.

Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 335f., Kat. VI.36 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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