Logo

Ritualgefäß, Typ jue

Ident. Nr.: 1996-18

ObjID: obj:1904162

Erworben mit Unterstützung der Ernst von Siemens-Kunststiftung

Details (expert)

Date(s)
Späte Shang-Zeit
frühe Zhou-Dynastie (Westliche)
11. Jh. v. u. Z.
Geographical references
China,
Land
Material / Technique
Bronze, gelb-grün patiniert
Dimensions
Objektmaß: 21,8 x 17,5 x 10 cm (Tiefe ca.)
Gewicht: 0,85 kg
Acquisition
Kauf 1996

Object Description

Auf drei ausgestellten, spitz zulaufenden Beinen sitzt ein eiförmiger Gefäßkörper, der sich nach oben hin zu einer weit vorragenden Ausgusstülle und einem spitz zulaufenden hinteren Mündungsrand öffnet. Zwei pfostenartige Aufsätze mit Wirbelkreismotiven auf den pilzförmigen Bekrönungen setzen auf der Lippe auf. Wie bei diesem Gefäßtyp üblich, sind die Pfostensäulen an den Außenseiten flach und an den Innenseiten gerundet. Den Seitenhenkel schmückt über dem oberen Ansatz ein Tierkopf, der plastisch ausgeformt auch die gegenüberliegende, henkellose Seite ziert. Während sich ein dichtes, im wesentlichen auf eingetieften Spiralmustern gründendes Dekorsystem über dem Gefäßkörper ausbreitet, bleiben die Beine, der gewölbte Boden und der Mündungsrand unverziert. Zu beiden Seiten des Henkels und unterhalb des plastischen Tierkopfes auf der Gegenseite stehen große taotie mit stark verkürzten Körperelementen. Die Dekorzonen darunter nehmen weitere, verkürzte taotie sowie Monoculi ein, wobei wie bei den großen taotie keine strenge Symmetrie eingehalten ist. So sind beispielsweise die beiden Ohren der großen taotie unterschiedlich als Spiralen bzw. plastisch durchgeformt gestaltet. Die Tüllenwandung schließlich zeigt als weiteres Hauptdekormotiv Schlangendrachen mit Pilzhörnern. Die ungewöhnliche Form des Gießgefäßes vom Typ jue verfügt über eine weit zurückreichende Ahnenreihe. Die frühesten Beispiele stammen aus der 1. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. und kamen 1975 in Erlitou, Kreis Yanshi, Provinz Henan, zutage . Sie sind zugleich die ältesten bezeugten chinesischen Bronzegefäße überhaupt. [SM8HF]

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Museum für Asiatische Kunst

Additional items from the collections

Schreibkasten (suzuribako)

Schreibkasten (suzuribako)

Der Schreibkasten mit dem flachen Überfalldeckel ist annähernd quadratisch. Seine vier Ecken sowie die Deckeloberseiten sind abgerundet. Der Deckel ist kaum merklich gewölbt und am Rand dünn abgesetzt. Die Ränder des Kastens und des Deckels sind mit Silber eingefasst. Die Form des Schreibkastens ebenso wie seine Inneneinteilung gehen auf klassische Vorbilder des 15. und 16. Jahrhunderts zurück. Die Innenausstattung ist vollständig: Das mittlere Brett nimmt den Tuschereibstein (suzuri) und den Wassertropfer (mizuire) in Form eines fliegenden Reihers vor Wolken auf. Die linken und rechten Fächer beinhalten zwei Pinsel und den Tuschehalter sowie Papiermesser und Ahle zum Lochen des Papiers. Die Metallbeschläge der drei letzteren sind mit Kirschblüten und Ahornblättern dekoriert. Zur besseren Fixierung der Schreibutensilien sind die Stegleisten der Ablage ausgeschnitten. Den Deckel verziert eine stilisierte 16blättrige Goldlack-Chrysantheme, das kaiserliche Emblem, auf dichtem rötlichem "Birnenschalen-Grund" (nashiji). Im Deckel ist auf dicht gestreutem, gelblichem nashiji eine Teilansicht des kaiserlichen Schlosses in Tôkyô mit Wall, Wassergraben, zwei Brücken und Bäumen zu erkennen. Ähnlich wie bei dem Landschafts-Dekor des zugehörigen größeren Papierkastens verbindet sich in der Ansicht des Kaiserpalastes sorgfältigste Detailausarbeitung in verschiedenen Goldtönen, Silber- und Schwarzlack mit einem reichhaltigen Wechsel der klassischen Streulacktechniken wie nashiji, togidashi-makie (poliertes Streubild), hira- und taka-makie (flaches und erhabenes Streubild), okibirame (regelmäßig eingesetzte rechteckige Goldplättchen), harigaki (mit der Nadel eingeritzte Zeichnung) und tsukegaki (plastischer Liniendekor). Der rechteckige Papierkasten mit flachem Stülpdeckel, der zur Aufbewahrung von Dokumenten genutzt wurde, entspricht in seinem Dekor dem Schreibkasten. In der Deckelinnenseite wird eine herbstlich anmutende, waldige Flusslandschaft mit aufgetürmten Bergkulissen und einem Wasserfall durch einen Pavillon unter einer mächtigen Zypresse akzentuiert. Den Hintergrund beherrscht der schneebedeckte Fuji-Berg. In den beiden flächig-malerisch aufgefassten Landschaften vermittelt eine fein differenzierte Farbgebung atmosphärische Tiefe. Die exakte und dichte, fast empirische Wiedergabe der dargestellten Landschaften vermischt sich mit einem der Tradition verhafteten gestaffelten Bildaufbau. Diese reizvolle kompositorische Mischung ist kennzeichnend für die späte Edo- und Meij-Zeit und schöpft aus westlich beeinflussten Maltendenzen des späten 18. und des 19. Jahrhunderts. Dies klingt auch in der deutlich sichtbaren Verwendung von Perspektive - vor allem bei der Schlossansicht - an. Der Einsatz der aufgesetzten Blattgoldquadrate für den Effekt von Lichtreflexen und die abgestufte Streuung des nashiji-Grundes zur Schaffung von Übergängen sind dabei ganz traditionelle Mittel, um atmosphärische Dichte entstehen zu lassen. Dies gilt auch für den Einsatz von fleckig gestreuten, feinsten Goldpartikeln, die Dunst über Bergen und Berghängen suggerieren. Die nach einer Zeit des Niedergangs um künstlerische Erneuerung bedachte Lackkunst der Meiji-Zeit erhielt einen bedeutenden Rückhalt durch den Kaiser Meiji (reg. 1868 bis 1912). Er war der größte und wichtigste Auftraggeber der Zeit. Die beiden vorliegenden Kästen waren ein Geschenk des Kaisers an den deutschen Arzt Erwin von Bälz, der von 1876 bis 1905 als Professor für Medizin in Tôkyô lehrte und zum persönlichen Arzt des Kaisers avancierte. Erwin von Bälz brachte von seinem langjährigen Japanaufenthalt eine recht große Sammlung zahlreicher japanischer Bilder, aber auch Gegenstände des Kunstgewerbes zurück nach Deutschland, die er teils als Geschenke, teils im Handel erworben hatte. Neben seinen guten Verbindungen zum Kaiserhaus und fürstlichen Familien, pflegte Bälz ebenso den Kontakt zu japanischen Sammlern und Connaisseuren, die sein Verständnis der japanischen Kunst durch wertvolle Hinweise vertieften. Die beiden vorliegenden Kästen spiegeln in ihrer Form und im Dekor den Meiji-zeitlichen höfischen Geschmack wider, der sich durch technische Perfektion sowie die Verwenund puderfeinen Goldpulvers kennzeichnet.