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Die Übergabe des Pommerschen Kunstschranks

Ident. Nr.: P 183 a

ObjID: obj:1924060

Details (expert)

Creator/Entity
Herstellung: Anton Mozart (1573-1625),
Maler*in
Date(s)
1614/15
Dimensions
Höhe x Breite: 39,5 x 45,4 cm

Object Description

Das kleine Bild ist ein einzigartiges Zeugnis zur Geschichte des darauf abgebildeten Möbels. Im Mittelgrund steht das Kabinett auf einem Tisch, davor erscheint der Augsburger Kunsthändler Philipp Hainhofer (1578–1647), der es konzipiert und die Ausführung überwacht hat. Er wendet sich seinem Auftraggeber, Herzog Philipp II. von Pommern (reg. 1606–1618) zu. Von hohem kulturgeschichtlichem Interesse ist die Männergruppe rechts – alles Handwerker, die an der Fertigstellung des Schrankes mitgewirkt haben. Auf der Rückseite des stark verzogenen Holzbretts aus dem Pommerschen Kunstschrank ist eine flache rechteckige Vertiefung von 15,3 x 25,4 cm ausgespart und mit ursprünglich blauweißrotem Marmorpapier ausgeschlagen. Sie bietet der kupfernen Namenstafel (Inv. Nr. P 183 b) Platz, die mit zwei kleinen eisernen Vorreibern gehalten wird.Die fiktive Szene der Übergabe des Pommerschen Kunstschranks findet in einer weiten Halle statt, die sich in drei hohen Rundbögen auf eine Landschaft öffnet und am rechten Bildrand in andere Räumlichkeiten übergeht. Dort führt eine Treppe zu einer höher gelegenen Tür, deren Supraporte unter dem Titel „STETINUM“ eine kleine Ansicht dieser Stadt aus der Vogelperspektive zeigt. Die Stadt Augsburg dagegen sieht man in einem breiten Panorama durch die Bogenöffnungen.Im Raum rechts auf einem mit rotem Tuch bedeckten Untersatz ist der Pommersche Kunstschrank zu sehen. Ihm gegenüber sitzt auf Lehnstühlen das Herzogspaar von Pommern-Stettin, darüber flankieren ihre beiden Wappen einen dritten Schild mit dem pommerschen Greif. Damen und Herren des Hofs umdrängen sie im Schutz von Garden mit Hellebarden. Dem Herzog gegenüber stehend, präsentiert Philipp Hainhofer seinem Auftraggeber eine Schublade aus dem Schrank, drei Herren aus der Entourage des Herzogs beugen sich darüber. In den beiden links stehenden sind der Oberhofmarschall Nikolaus von Brockhusen und der Leibarzt Dr. med. Constantin Oesler vermutet worden, daneben steht der Pommersche Kanzler Chemnitzius und rechts von Hainhofer der Stettiner Hofgerichtsverwalter Mathias von Carnitz. Die rechte Seite des Raums wird von der gewundenen Reihe der Handwerker eingenommen, von denen einige ihr Werkzeug, andere eines ihrer Werke zeigen. Ganz links im Bild in rotem Festkleid eine Frau, vom Rücken her gesehen, rechts von ihr mit seinem Pudelhund beschäftigt ein blondes Bübchen mit steifer Halskrause: Philipp Hainhofer junior (1612-1617). Rechts im offenen Durchgang oberhalb der Treppe Hans Link, Hainhofers Faktotum, mit Humpen.Monogrammiert links unten auf der Kanne AM (M eingestellt unter den Querbalken des A)Lit.: Julius Lessing / Adolf Brüning: Der Pommersche Kunstschrank im Königlichen Kunstgewerbe-Museum, Berlin 1905, S. 50, Nr. P 183 a.Barbara Mundt: Der Pommersche Kunstschrank des Augsburger Unternehmers Philipp Hainhofer für den gelehrten Herzog Philipp II. von Pommern, München 2009, S. 159–161, Nr. P 183 a.

Last updated: 25.11.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa