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Grabstele des Kosmas

Ident. Nr.: 9691

ObjID: obj:1928403

Details (expert)

Dating
Datierung: 8./9. Jahrhundert
Material / Technique
Marmor
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 81 x 52 x 4 cm

Object Description

Die Inschriftentafel gehört zur Gruppe der spätantiken Grabdenkmäler aus Ägypten mit Totenklagen. Sie stammt aus Qaw in der Nähe von Assiut und ist sehr sorgfältig in Marmor anstelle des in dieser Region üblichen Kalkstein gemeißelt. Die Inschrift umfasst 43 Zeilen und ist sahidisch, einem koptischen Dialekt, verfasst. Der Inhalt lautet übersetzt (nach Maria Cramer 1949):

"Oh Tiefe der unergründlichen Weisheit des gütigen Gottes, wie er seit Urbeginn in seiner großen Weisheit schuf! Er nahm Erde von Erde, er formte einen Menschen nach seinem Gleichnis und Bilde, und er stellte ihn in das Paradies der Lust. Als der Teufel die große Ehre sah, die Gott dem Menschen antat, beneidete er ihn, und er warf ihn hinaus aus seinem Ruhm in diese Welt, voll von Leid, und er raubte ihm den vollen guten Genuss. Er kam in die Fremde, nämlich dieses Leben, voll von Schaden, Kummer, Tränen und Seufzen. Schlimmer aber als alles dies ist folgendes: Als Gott sah, dass er (der Mensch) ungehorsam war, da verhängte er über ihn eine bittere Strafe, den Tod, den er über ihn und seinen Samen bis in Ewigkeit zum Herrn setzte durch die Worte: 'Adam, du bist Erde, und du wirst dich wieder zur Erde wenden'. Das vollzog sich nun an mir, mir dem Elenden, Unglücklichen. Bis zu dem Tage kannte ich mich (selbst) nicht in meinem Hause, da ich (dort stets) war, frisch, als kräftiger Baum. Meine Frau und meine Kinder waren um meinen Tisch, ich freute mich mit ihnen, und sie freuten sich mit mir zugleich. Mein Haus war fruchtbar im Genusse dieser Welt. Ich war das Abbild meines ersten Vaters, Adam, als er (noch) im Paradiese war, bevor das Urteil Gottes über ihn kam. Als die Heimsuchung Gottes mich plötzlich ergriff, ohne mein Wissen, wie geschrieben steht: 'Der Tag des Herrn kommt, wie der Dieb', da wusste ich nicht, noch bedachte ich (es), dass sie (die Heimsuchung) mich in diesen Tagen erfassen würde, mich, den Elenden. Als nun der Zeitpunkt sich erfüllte, da fällte man mich wie einen Baum, den man niederhaut. Ich geriet in große Not, inmitten aller, die mich kannten. Alle meine Knochen wurden zerrieben, und mein ganzer Körper war in Gefahr infolge der großen seuchenartigen Krankheit, die bis an meine Kehle mich plötzlich überfiel. Sie (die Kehle) wurde durch die große, schwere Krankheit ergriffen, so dass niemals wieder Nahrung durch sie hindurchging. Oh große Not, oh furchtbare Stunde, oh welch Verderben und welche Vernichtung des Menschen! Oh, das große Herzeleid (wegen) meiner Kinder, die in der Fremde waren, während ich mich nach ihnen sehnte. Es ward mir keine Frist gegeben, bis sie kamen, auf dass ich sie noch einmal sähe und mein Wort an sie richtete, bevor ich starb, ich der elende Kosmas. Der Tag, an dem der selige Kosmas starb (war) der 9. Mesore (im Jahre) 515 nach Diokletian (und) m Jahre 189 der Sarazenen."

 

Das Jahr 515 nach Diokletian entspricht dem Jahr 799 unserer Zeitrechnung, das Jahr 189 der Sarazenen allerdings dem Jahr 805. Die Angaben stimmen also nicht überein. Eine befriedigende Erklärung dafür gibt es bisher nicht, möglicherweise liegt lediglich ein Schreibfehler zugrunde. Der Wortlaut des Textes entspricht bis auf kleine Abweichungen den anderen Grabinschriften mit Totenklagen aus der Umgebung von Assiut. Es hat offenbar eine standardisierte Vorlage gegeben.

 

Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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