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Erzengel Michael

Ident. Nr.: 5929

ObjID: obj:1957871

Details (expert)

Creator/Entity
Umkreis: Unbekannt
Hans von Judenburg (1384 - 1424)
Date(s)
um 1415
Systematics/Type
Material / Technique
Lindenholz
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 83,3 x 33 x 26,5 cm
Acquisition
Erworben 1911 von Julius Wilhelm Böhler (1883–1966), Sohn und Teilhaber der Antiquitätenhandlung von Julius Böhler (1860–1934) in München; frühere Provenienz unbekannt.

Object Description

Der Erzengel steht auf unregelmäßig oktogonaler Plinthe, deren rückseitige Abschrägungen der freien Aufstellung der Figur Rechnung trägt. Das linke Spielbein ist deutlich vorgesetzt in die Richtung, in der sich der Bildtradition gemäß die verdammten Seelen befinden und wohin auch der Blick Michaels und der Schlag gerichtet sind, zu dem der rechte Arm ausholt. Während dieser weit erhoben ist, sodass das (nicht originale) Schwert, dessen Klinge unweit der Parierstange abgebrochen ist, hinter dem Haupt liegt, ist die linke Hand gesenkt; sie hielt eine (verlorene) Waage. Weiterhin fehlen zwei Flügel, von deren ursprünglichen Existenz Befestigungslöcher in den Schulterblättern zeugen, deren Aussehen, Größe und Ausrichtung jedoch aus keinerlei Befund erschlossen werden kann.

Kontur und Haltung der etwas untersetzten Gestalt sind sehr klar, ebenso die eingefrorene Bewegung des Ausholens mit dem Schwert bei gleichzeitig ruhigem Halten der Seelenwaage – ein Topos der Michaelsdarstellungen, der hier eine ausgesprochen voluminöse und räumlich ausgewogene Bildgestalt erhielt. Der Engel wirkt somit gelassen und ruhig. Dazu passt der Ausdruck des rundlichen, jugendlich wirkenden Gesichts, das in keiner Weise die Gewalt seiner Haltung widerspiegelt, sondern vielmehr von Trauer und Mitleid erfüllt zu sein scheint für die Verdammten, denen der Blick aus weit geöffneten Augen gilt.

Der schön geschwungenen Gestalt steht eine etwas flüchtige Detailbearbeitung entgegen. Einfach und fast grob geschnitzt erscheint das stark gelockte, nach oben hin durch einen Reif glatt gedrückte Haar. Allerdings könnte der Schnitzer genau in diesen Partien mit ausgleichender Grundierung gerechnet haben. Das Gesicht ist oval, die Nase länglich, die Augen liegen eng zusammen, und die schmalen Lippen sind an den Rändern leicht gesenkt, wodurch der Eindruck von Trauer entsteht.

Die oktogonale Plinthe, die raumgreifende Komposition und Ausarbeitung der Rückseite, sogar im Kopfbereich, sprechen für die Allansichtigkeit der nicht allzu großen Figur und gegen eine hohe Aufstellung, zumal sie auch nicht auf Untersicht gearbeitet wurde. Ausgeschlossen werden kann daher ein umgebendes Altarretabel, keineswegs aber die Platzierung als Einzelfigur auf einem Altar. Möglich wäre auch eine Aufstellung am Lettner, in einem Sakramentshaus oder als Bekrönung eines Taufdeckels.

Eindeutig ist die Nähe der Figur zu Werken aus dem Umkreis des Hans von Judenburg, der in der Steiermark und ab 1421 für wenige Jahre in Südtirol (Bozen) gearbeitet hat, eindeutig. Dies gilt generell für die weich fließenden Konturen und die geschlossene Komposition, aber auch den Typus des jugendlichen Engels.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Last updated: 24.08.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Die vollständig erhaltene Kindertunika besteht aus einem einzigen Gewebestück aus ungefärbtem Leinen. Sie wurde, wie die meisten Tuniken aus dem spätantiken bis früh-islamzeitlichen Ägypten, quer gewebt, das heißt, der Weber oder die Weberin begann und endete mit den Ärmeln. Vorder- und Rückenteil mit den typischen parallelen Zierstreifen (clavi) lagen folglich bei der Herstellung horizontal auf dem Webstuhl, der Halsschlitz dagegen senkrecht. Für die Herstellung dieser Kindertunika war eine Webstuhlbreite von mindestens 131 cm erforderlich, was der doppelten Länge der Tunika entspricht. Alle Dekorelemente, die Ärmelstreifen, die beiden clavi sowie die Hals- und Nackenborte, sind direkt in das Grundgewebe eingewirkt worden. Die farbigen Wollfäden sind in den Ärmelstreifen völlig und in den übrigen Wirkereien zum Teil ausgefallen. Auch der Halsschlitz in der Mitte des Gewebes entstand bereits während des Webvorgangs. In diesem Bereich kehrten die Schussfäden beidseitig um, wodurch man einen geraden Spalt erhielt. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Nach der Abnahme vom Webstuhl musste sie um 90 Grad gedreht und in der Horizontalachse gefaltet werden. Die Seiten und Ärmel waren ursprünglich bis auf einen Bewegungsschlitz unter den Achseln geschlossen. Heute sind die Nähte gelöst, Spuren von Einstichlöchern und Nähgarnreste sind noch erkennbar. Die Ärmel wurden zum Handgelenk hin etwas schmaler. Dafür schlug man die Längsseiten schräg nach innen ein. Eine kleine Stopfstelle in der Mitte des Vorder- bzw. Rückenteils beweist, dass Kleidung mit großer Sorgfalt behandelt wurde, so dass sie lange getragen werden konnte.Die clavi und Ärmelstreifen sind mit jeweils einer Reihe herzförmiger roter Blätter in heller Umrandung auf grünem Grund verziert. Jede Reihe endet mit länglichen halben Ovalen. In den Zwickeln sind kleine rote Punkte zu erkennen. Die herzförmigen Blätter kehren im doppelten Zierstreifen an der Halsöffnung, diesmal jedoch liegend, wieder. Darunter setzt eine Bogenreihe an. Die Flächen zwischen den Säulen mit verdickten Enden als Basis sind mit roten, dunkelvioletten und gelben gestielten Blättern mit heller Binnenzeichnung gefüllt.Ein wellenförmiges Randmotiv, das gemeinhin als „laufender Hund“ bezeichnet wird, verläuft zu beiden Seiten der clavi und Ärmelstreifen sowie an der oberen Kante der Zierstreifen an der Halsöffnung. Diese Kante ist zusätzlich mit einer geflochtenen, rot-weißen Schnur eingefasst.Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 12-13, Nr. 1(Cäcilia Fluck 2017)

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