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So genannte Hanseschüssel mit Personifikation von Lastern

Ident. Nr.: 1914,71

ObjID: obj:1963635

Details (expert)

Date(s)
12. Jahrhundert
Dimensions
Durchmesser: 27,7 cm
Höhe: 5,6 cm

Object Description

Mit dem Begriff "Hanseschüssel" wird traditionell eine Gruppe gravierter romanischer Handwaschschalen bezeichnet, deren Vorkommen einen Schwerpunkt im Gebiet der mittelalterlichen Hanse im nordwesteuropäischen und baltischen Raum besitzt. Unter den über einhundert bekannten Exemplaren mit der Darstellung von Tugenden und Lastern kommt der in der Oder bei Stettin gefundene Laster-Schale im Berliner Kunstgewerbemuseum wegen der Vollständigkeit ihrer Erhaltung und der künstlerischen Qualität ihrer Gravuren eine besondere Bedeutung zu.
Im Zentrum erscheint eine energisch ausschreitende gekrönte weibliche Figur, die durch ihre Umschrift als Personifikation der DISCORDIA (Zwietracht) ausgewiesen ist. Sechs Papyrusstaudenblüten umgeben diese Mittelfigur. Getrennt durch nur in ihren oberen Teilen zu erkennenden Säulen mit Kapitellen, über denen laufende Tiere erscheinen, sind am Schalenrand umlaufend sechs weitere weibliche Personifikationen von Lastern dargestellt, welche der DISCORDIA in ihrer grafischen Gestaltung sehr ähneln und diese nur in Einzelheiten variieren. Oben beginnend, erscheinen durch Umschriften bezeichnet im Uhrzeigersinn IDOLATRIA (Götzendienst), INVIDIA (Neid), IRA (Zorn), LVXVRIA (Wollust), LIBIDO (Begierde) und AVARITIA (Geiz). LL

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa