Logo

Fragment einer Figur (Verkündigungsengel?)

Ident. Nr.: 8763

ObjID: obj:1964565

Details (expert)

Date(s)
1220/30
Systematics/Type
Material / Technique
Sandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 32,5 x 26 x 21,5 cm
Acquisition
1921 vom Mannheimer Antiquitätenhändler Karl Nagel erworben.

Object Description

Das einige Zentimeter bis unterhalb der Knie reichende Fragment einer stehenden, wohl männlichen Figur zeigt eine deutliche Bewegung nach rechts, aus der eine starke Wendung der ganzen Skulptur in diese Richtung rekonstruiert werden kann. Die klar akzentuierte Aktion nach rechts und die sorgfältiger ausgearbeitete andere Seite geben Hinweise zur Identifizierung – am wahrscheinlichsten als Verkündigungsengel.
Steinerne Verkündigungsgruppen, Einzelfiguren oder Figurengruppen von dieser Größe könnten an verschiedenen Stellen am Außenbau einer Kirche, vor allem im Portalgewände, aber auch im Innern, am Lettner oder Eingang zu einer Kapelle gestanden haben.
Ohne das Wissen um die Erwerbungsumstände würde man für die Figur kaum eine Herkunft aus dem südwestdeutschen Raum annehmen. Das Figurenfragment wurde 1921 erworben; zu diesem Zeitpunkt bildete es den unteren Teil einer Marienfigur aus dem Umkreis Joseph Anton Feuchtmayers. Die um 1763/65 datierte Muttergottesfigur war ursprünglich Mittelpunkt einer umfangreicheren Marienkrönungsgruppe, aus der sie vielleicht schon wenige Jahrzehnte später herausgelöst wurde durch Hinzufügung der mittelalterlichen Fuß- und Unterschenkelpartie zu einer Verkündigungsmaria umgedeutet wurde.
Die lebendige Gestaltung des Fragments wäre in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts am ehesten im sächsischen Raum zu erwarten. Allenfalls ließen sich noch die um 1220/30 entstandenen Propheten von den Bamberger Dom-Chorschranken nennen. Einige Figuren vom dortigen Fürstenportal, der Posaune blasende Engel und Abraham im linken Gewände zeigen eine ähnliche Dynamik in den entsprechenden Partien.
Die sekundäre Montage des Berliner Fragments mit der Muttergottes aus dem Feuchtmayer-Umkreis zeigt aber, dass wir in dem zwar keineswegs beschränkten, aber – mit wenigen Ausnahmen – auf das Bodenseegebiet und die Diözese Konstanz einzugrenzenden Einzugsgebiet dieses Künstlers suchen müssten, wo jedoch keine vergleichbaren Werke erhalten sind. Verwandtschaften bestehen allerdings zur frühen Bauskulptur am Straßburger Münster.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Liturgischer Teller (Patene)

Liturgischer Teller (Patene)

Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.