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Fragment eines Behanges mit Daniel in der Löwengrube

Ident. Nr.: 9659

ObjID: obj:1965177

Details (expert)

Dating
verbale Datierung: 5.-6. Jahrhundert
Material / Technique
Dimensions
Höhe: 160 cm
Breite: 197,5 cm

Object Description

Das Fragment gehört mit einem weiteren Textil aus dem Museum für Byzantinische Kunst (Inv. 9658) zu einer Gruppe von Behängen aus leichten Leinengeweben, deren Muster und Motive durch die sogenannte Reservetechnik entstanden. Dazu wurde das Gewebe zunächst auf einen Rahmen gespannt und dann mit einer Paste aus Harz und Wachs bemalt. Das so präparierte Tuch wurde in ein rotes Färbebad getaucht; die Paste bewirkte, dass die bemalten Partien keine Farbe annahmen, also "reserviert" blieben. Die Darstellungen erscheinen dadurch hell auf rotem Grund.
Das Fragment ist in drei Zonen unterteilt. Im breiten Bildfeld ist Daniel in der Löwengrube nach dem alttestamentlichen Buch Daniel (Dan 14,31-42) dargestellt. Daniel, gekleidet in persische Tracht mit Hosen und Mütze, steht mit betend erhobenen Armen zwischen zwei Löwen, die zu seinen Füßen kauern. Von links nähert sich der Prophet Habakuk. Er hält ein Tablett vor sich, auf dem ein Kelch und Brote liegen. Die Köpfe beider Personen sind von einem Nimbus (Heiligenschein) umgeben. Außen rechts ist noch eine dritte menschliche Gestalt in einem langärmeligen Gewand mit reicher Verzierung zu erkennen. Sie ist nur in Teilen erhalten. Ein Zusammenhang zur vorausgehenden Darstellung ist nicht ersichtlich; möglicherweise gehörte sie bereits zu einer folgenden Szene.
In den Randzonen ober- und unterhalb des zentralen Bildfeldes sind einzelne Gebäude zwischen Bäumen wiedergegeben. Solche rahmenden Friese sind auch von mehreren spätantiken Mosaiken bekannt. In diesem Falle handelt es sich um Kirchen, die durch die Beischriften namentlich benannt sind.

(Cäcilia Fluck, 2016)

Last updated: 30.06.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)