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Stele einer Orans mit zwei Figuren

Ident. Nr.: 9624

ObjID: obj:2014347

Details (expert)

Date(s)
5./6. Jahrhundert
Systematics/Type
Geographical references
Ägypten,
Land/Region
Material / Technique
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 50 x 41 x 11 cm
Acquisition
am 4.5.1931 durch Carl Schmidt vom Händler Nahman erworben

Object Description

Auf der Stele ist eine weibliche Person mit zum Gebet erhobenen Armen (Orantin) unter einer von einer Muschel bekrönten Nischenarchitektur dargestellt. Sie trägt eine Tunika und eine paenula, einen ponchoartigen Mantel, der den Oberkörper bedeckt und dessen Zipfel im Rücken bis in Höhe der Hüfte herabfallen. Den Kopf umgibt ein üppiger Kranz. Er gehört zu einem weiteren Mantel, welcher bis zum Saum der Tunika reicht. Solche mit Textilkränzen bzw. -wülsten ausgestatteten Manteltücher sind Bestandteil der zeittypischen Frauentracht und z. B. in Frauengräbern der Friedhöfe von Antinoopolis gefunden worden.
Zu Seiten der Betenden stehen zwei deutlich kleinere Gestalten vor wuchtigen Pfeilern mit Blattkapitellen. Auch sie tragen Tunika und Manteltuch und halten jeweils in der zur Stelenmitte herabhängenden Hand einen kleinen Koffer bzw. eine Tasche an einem Griff, in der erhobenen anderen Hand ein längliches, nicht näher bestimmbares Gerät, welches nur bei der linken Person erhalten ist. Mit den beiden Dargestellten könnte das heilige Ärztezwillingspaar Kosmas und Damian gemeint sein, die nach der Legende in der Regierungszeit des Kaisers Diokletian (reg. 284-305) das Martyrium erlitten. Vor allem in frühchristlich-byzantinischer Zeit werden sie oft mit Ärztetaschen und medizinischen Instrumenten (um ein solches könnte es sich bei dem länglichen Gegenstand in der Hand der linken Person handeln) abgebildet, wie zum Beispiel auf einer Wandmalerei aus einer Villa in der Nähe von Wadi Sarga (Mittelägypten), sie sich heute im British Museum in London befindet (Inv. Nr. EA73139).
Im koptischen Museum in Kairo gibt es ein im Stil sehr ähnliches Relief, welches ebenfalls zwei Gestalten mit Koffern, diesmal nebeneinander und mit Heiligenscheinen, zeigt. Eine weitere Person mit geneigtem Kopf und vorgestreckten Händen kommt von links auf sie zu (Koptisches Museum, Inv. Nr. 8705).
Grabstelen mit Oranten sind typisch für die Gegend des Faijum. Auch scheinen die Heiligen Kosmas und Damian in dieser Region besonders verehrt worden zu sein, weshalb eine dahin gehende Deutung der beiden Nebenfiguren möglich ist. Dass man Verstorbene im Schutz von Heiligen, die sie zu Lebzeiten besonders verehrten, oder Lokalheiligen abbildete, war durchaus üblich.

Cäcilia Fluck (2017)

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Liturgischer Teller (Patene)

Liturgischer Teller (Patene)

Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.

Weibliche Gestalt aus einem Behang mit dionysischen Motiven

Weibliche Gestalt aus einem Behang mit dionysischen Motiven

Die grazile Frauengestalt ist in Frontalansicht mit leicht nach links geneigtem Kopf und überkreuztem linken Bein wiedergegeben. Große, umrandete Augen, eine gerade Naseund ein schmaler roter Mund bestimmen ihr Gesicht. Das Haar ist in gleichmäßige Wellen gelegt und mit einem Kranz aus bunten Blüten geschmückt. Feine Löckchen fallen über ihr rechtes Ohr, am linken hängt ein Ring. Ein blauer Nimbus umgibt ihren Kopf. Die Frau ist mit einer violetten Tunika bekleidet, deren Faltenfall durch hellere, bräunlich-violette Schraffuren angedeutet ist. Die Tunika ist mit gelb-roten clavi und einer gleichfarbigen Halsborte mit Edelstein imitierendem Dekor verziert und unterhalb der Brust durch einen Gürtel mit blauer Schließe gerafft. Über der Tunika trägt die Dargestellte ein Manteltuch in fein nuancierten Grüntönen, das über ihre linke Schulter gelegt und um den bis zu den Knien erhaltenen Unterkörper drapiert ist. In leichter Bewegung hält sie in der rechten Hand vor sich eine Blattgirlande mit einer Blüte, die einer Margerite ähnelt. Die Figur entspricht in ihrer Größe und der Art ihrer kunsthandwerklichen Ausführung einer Tänzerin in der Abegg-Stiftung in Riggisberg (1158). Es ist sehr wahrscheinlich, dass beide Figuren aus demselben Gewebe eines Behanges ausgeschnitten wurden, der nach dem Vorbild des großen Riggisberger Dionysos-Behanges (siehe Abb.) hergestellt worden war. Die dortige zweite Gestalt von links zeigt auffallende Übereinstimmungen mit derBerliner Dame, die offensichtlich dieselbe Person darstellt. Sie wurde als eine in die Mysterien des Dionysos- Kultes einzuweisende Sterbliche gedeutet, doch sind Gewandung, Haltung und Attribute nicht spezifisch genug, um sie genauer bestimmen zu können. Im Kontext mit den Dionysos-Behängen bleibt sie vorerst die „Frau mit dem blauen Nimbus“. Parallelen weisen auf eine Herkunft aus einer Achmīmer Werkstatt.2019 wurde die gewirkte Frauengestalt von der New Yorker Künstlerin Gail Rothschild porträtiert. Das Gemälde war unter dem Titel "Renpet" vom 1. Juli 2022 bis zum 5. Februar 2023 in der Ausstellung "Think Big! Gail Rothschild porträtiert spätantike Textilfunde aus Ägypten" zu sehen.Literatur: C. Fluck / K. Mälck, Think Big! Gail Rothschild porträtiert spätantike Textilfunde aus Ägypten, Regensburg 2022, S. 72-74, Nr. 2a-b.

Kugelspiel mit Szenen eines Wagenrennens

Kugelspiel mit Szenen eines Wagenrennens

Das Kugelspiel wurde 1834 beim Hippodrom von Konstantinopel gefunden. Es war ein antikes Glücksspielgerät.Auf der Vorderseite verlaufen schräge Bahnen im Zickzack. An ihrem obersten Ende sind vier Startrillen zu erkennen, von denen aus Kugeln hinunterrollen konnten. Damit die Kugeln nicht seitlich von der Bahn hinunterfielen, waren diese ursprünglich durch niedrige Brüstungen aus Marmorplatten begrenzt. Um das Spiel interessanter zu gestalten, gab es Schikanen. An den Wendepunkten der Bahnabschnitte sitzen Löcher, von denen ein unterirdischer Gang zur Mitte der nächsten Bahn führt. Einige Kugeln rollten über diese Löcher hinweg. Andere Kugeln fielen in die Löcher und nahmen die Abkürzungen zur nächsten Bahnmitte. Das konnte ein Vorteil oder aber ein Nachteil sein, denn bei ihrem Weg durch den unterirdischen Gang verloren die Kugeln andererseits an Schwung. Am Schluss erreichten die Kugeln nacheinander das Ziel, nämlich einen weiteren verborgenen Gang, der zur Rückseite des Kugelspiels führte. Dort konnten die Kugeln dann aufgefangen werden.Rundherum ist der Marmorblock mit Reliefs geschmückt. Sie zeigen den Ablauf am Tag eines Wagenrennens. Rennen mit Pferdewagen wurden im sogenannten Hippodrom in Konstantinopel, heute Istanbul, abgehalten. Dazu passt, dass der Block ganz nahe beim Hippodrom von Konstantinopel gefunden wurde. Die Ereignisse beginnen auf der rechten Nebenseite. Von oben nach unten sind dargestellt: Pferdestatue – Flötenspieler – Aufziehen eines Banners oder Sonnensegels – Auslosen der Startplätze mit einer sogenannten Losmaschine – Beginn des Wagenrennens. Die schmale Bildfläche unten auf der Vorderseite zeigt die Verfolgungsjagd zweier Viergespanne. Auf der linken Nebenseite sind von unten nach oben zu sehen: Ankunft des siegreichen Gespannes – Überreichung einer Siegespalme durch einen Beamten – Ehrenrunde des Siegers – geöffnetes Fenster mit einem Zuschauer oder Schrein mit der Halbfigur einer Gottheit – Personal beim Einholen des Banners oder Sonnensegels. Die Rückseite zeigt ein großes Tor, vielleicht ist das Kathisma-Tor gemeint, und darüber das Amtslokal der Organisatoren des Rennens. Die runden Sockel mit den drei kegelförmigen Aufsätzen an allen vier Ecken des Marmorblocks stellen die Wendemarken (Metae) für die Rennwagen dar.Neben der Version aus Marmor gab es Ausführungen des Kugelspiels vor allem aus Holz. Das wissen wir, weil solche Spiele unter Einsatz von Geld in einem Gesetz des byzantinischen Kaisers Justinian I. aus dem Jahr 534 beschrieben und ausdrücklich verboten werden. Sie werden dort dort „xylinon hippikon“ (griechisch), also „Hölzerne Pferdchen“ genannt.  In einem erklärenden Kommentar heißt es zu den sog. equi lignei (griech. xylinon hippikon): »Die Wettparteien legten bei diesem Spiel auf den höchsten Punkt dieser Bahnen vier verschieden gefärbte Kugeln, die sie nach unten laufen ließen. Welche von denen durch die Löcher laufenden Kugeln aber zuerst aus dem letzten Loch herauskomme, diese Kugel verschaffe demjenigen, der auf sie gesetzt habe, den Sieg« (Übersetzung: Dieter Roderich Reinsch).Die Bezeichnung als „Hölzerne Pferdchen“, die Darstellungen aus dem Pferdewettrennen und der Fundort nahe der Pferderennbahn sprechen dafür, dass mit dem Spiel die wirklichen Pferderennen im Kleinen nachgeahmt wurden. Die Kugeln hatten wahrscheinlich die Farben der sogenannten Zirkusparteien – rot, grün, blau, weiß. Sie entsprachen in etwa den heutigen Rennställen der Formel 1, waren aber gleichzeitig auch politische Parteien. Spielbegeisterte konnten an solchen Spielautomaten in Wettlokalen auf die Zirkuspartei ihrer Wahl Geld verwetten, wenn gerade keine echten Pferderennen liefen. Die echten Pferderennen waren eine festartige Unterhaltung für das Volk – zumindest für die Männer. An ihr nahm auch der byzantinische Kaiser in einer besonderen Loge teil.Das Berliner Kugelspiel ist eine ›Luxusvariante‹ solcher Spielautomaten und wurde sicher im Hippodrom benutzt, um Wetten abzuschließen.