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Fragment eines Baumsarkophag-Kastens

Ident. Nr.: 12/93

ObjID: obj:2019939

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 360-370
Geographical references
Material / Technique
Marmor
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 53 x 98 x 11 cm
Gewicht: 135 kg (vermutlich mit Sockel)
Acquisition
1993 im Kunsthandel erworben.

Object Description

Die gesamte Sarkophagfront war einst durch Bäume in fünf Nischen gegliedert, deren mittlere ein Triumphkreuz einnahm, das von einem Lorbeerkranz bekrönt wurde, an dem links eine Taube pickt. Im Lorbeerkranz ein Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben X und P. Unter dem Kreuz sitzt links ein emporblickender Soldat mit Helm, Brustpanzer, Schild und Lanze. Sein Gegenüber war gewöhnlich ein schlafender Soldat. In der linken Außennische sitzt Gott auf einem Felsen. Seine Linke hält eine Schriftrolle, während er seine verlorene Rechte wohl im Redegestus erhob. Kain und Abel treten heran, um ihre Gaben – Ährenbündel und Lamm - zu überreichen (Genesis 4,3-7). Die rechts folgende Baumnische schildert die Gefangennahme Petri. Der in der Mitte stehende Petrus verschränkt seine Hände vor dem Schoß. Von rechts eilt ein Soldat hinzu, der den Apostel am Mantelzipfel ergreift. Er trägt ein Schwert, das in der Scheide steckt. Links nähert sich ein weiterer Soldat mit gezogenem Schwert dem Rücken des Apostels. Beide Soldaten fehlt die sonst übliche pannonische Pelzmütze. In den Baumkronen befinden sich ein Vogelnest mit drei Küken, denen ein Elternteil Nahrung bringt, ein aus den Zweigen herausblickender Vogel, eine rosettenartige Blüte, sowie ein weiterer, aufgeschreckt mit den Flügeln schlagender Vogel. Auf dem Baumstamm zwischen beiden Szenen huscht eine Eidechse empor. Unterhalb der Astgabelung war die Darstellung einer Schnecke beabsichtigt. Auffällig ist, dass das Relief unfertig blieb: Der Reliefgrund ist ungleichmäßig bis in die Tiefe abgearbeitet, einige Figuren stehen noch in der Bosse, verschiedene Werkzeugspuren lassen sich studieren. Dennoch kann kein Zweifel daran bestehen, dass dieser Baumsarkophag ebenso wie andere unfertige Stücke verkauft und benutzt wurde.
(Theun-Mathias Schmidt)

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Bei der lebensgroßen Standfigur handelt sich um den zweiten König der Anbetung nach dem sogenannten französischen Schauspieltyp. Bei diesem kniet der ältere, hier nicht erhaltene König vor Maria, hat den Hut bzw. die Krone neben sich abgelegt und bietet dem Kind sein Geschenk dar, während sich der zweite im mittleren Alter zu dem außen stehenden jungen zurückwendet und erläuternd auf den Stern weist, der den Ort der Geburt Christi bezeichnet. Dabei befinden sich alle drei Könige auf einer Seite, in der Regel links von Maria. Diese szenische Darstellungsweise hatte sich spätestens im 13. Jahrhunderts möglicherweise als Reflex auf den dramaturgischen Ablauf des Dreikönigsspiels entwickelt, wie er sich in Frankreich seit dem 11. Jahrhundert nachweisen lässt. Für die monumentalen Gruppen des 14. Jahrhunderts scheint sie kanonisch gewesen zu sein.In dem von kräftig gelocktem, fast wildem Bart- und Haupthaar gerahmten Gesicht zeigt sich eine innere Aufgewühltheit, die Brauen treten deutlich hervor, die Lippen sind zur Rede geöffnet, die er an den dritten König wendet. Er spricht die Worte „Hoc signum magni regis“ („Dies ist das Zeichen des großen Königs“), wie es für die mittelalterlichen Spiele überliefert ist. Sind die bisher beschriebenen Gesten und die Mimik auf das Erkennen des Sterns von Bethlehem ausgerichtet, darf die Art, wie die rechte Hand nicht direkt, sondern ehrerbietig unter dem Mantel das Gefäß hält, als Vorbereitung auf die Darbietung des Weihrauchs angesehen werden. Im nächsten Moment wird sich der zweite König vom Stern weg zum Kind im Schoß der Muttergottes wenden, um niederzuknien und ihm das Geschenk zu überreichen.Wahrscheinlich stand die Figur als Teil einer mehrfigurigen Anbetung der Könige an bzw. über den Pfeilern im Langhaus oder im Chor bzw. in einer Kapelle, wo im Abstand von jeweils einem Joch bzw. einer Fensterachse Skulpturen vor die Gewölbedienste gestellt werden konnten. Beide Varianten können für die Oberzeller Klosterkirche nicht ausgeschlossen werden. Dort ist ein Dreikönigszyklus mit Marienfigur im Chor durchaus vorstellbar, der Hochaltar war Maria und Michael geweiht, die Muttergottes Schutzpatronin des Prämonstratenserordens. Historische Gründe lassen die vage Vermutung zu, dass um die Mitte des 14. Jahrhunderts, also in der Zeit, als die Dreikönigsgruppe entstand, der Chor erweitert wurde. Zieht man nun die mit großer Wahrscheinlichkeit zugehörige Maria im Mainfränkischen Museum Würzburg hinzu, so verdichten sich die Argumente für eine Aufstellung im Chor. Die Figur stimmt in den Maßen (H. 177,5 cm), Bewegungen und stilistisch sehr genau mit den Königen überein. Sie wurde 1904 bei der Wiedererrichtung der gefunden. Ihre majestätische Würde markiert ein kultisches Zentrum der Gruppe, auf das sich die emotionalisierte Reaktion der Könige als narratives Element bezieht und es ist gut vorstellbar, dass die Marienfigur in Nähe des Hochaltars an der östlichen Chorwand gestanden hat, die Könige an der Nordwand.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)