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Große Musikantengruppe

Ident. Nr.: HF 561

ObjID: obj:2021284

Details (expert)

Creator/Entity
zugeschrieben: Johann Georg Schumann,
Modelleur*in
Ausführung: Fuldaer Porzellanmanufaktur (1764-1790),
Porzellanmanufaktur
Date(s)
um 1775
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Fulda
Dimensions
Höhe: 38,8 cm

Object Description

Die „große musikalische Groupe mit 3 Figuren und Zierrathen“ (so die historische Modellbezeichnung) ist ein Paradebeispiel für die kulturgeschichtliche Aussagekraft der Porzellanplastik des Rokoko. Gefertigt in der Fuldaer Porzellanmanufaktur, reflektiert sie nicht nur die Modetendenzen der Hocharistokratie um 1770, sondern auch deren Musikgeschmack. Die Gruppe besteht aus einem stehenden galanten Herrn in der Mitte, der die Traversflöte spielt. Von ihm aus rechts sitzt eine vornehme Dame mit rosafarbenem „manteau“ und geblümtem Kleid, der „robe à la française“ – damals unerlässlicher Bestandteil aristokratischer Damenmode. Sie spielt die Mandoline, das damalige Modeinstrument, zu der in der Epoche zahlreiche Kompositionen entstanden. Dem Herrn zur Linken sitzt eine weitere Dame mit Hut (einem Strohhut „à la paysanne“), deren Instrument schon vor langer Zeit, bevor die Gruppe ins Museum kam, abhandengekommen ist: eine Knieharfe. Ein Vergleichsstück mit vorhandener Harfe befindet sich in den Beständen der mhk (Museumslandschaft Hessen Kassel), Hessisches Landesmuseum. Vor der Musikergruppe lagert ein junges Mädchen auf dem Boden, spielt mit einem Hündchen und lauscht der Musik. Die Szene spielt halb im Freien, halb im Inneren. Der Boden ist mit Blättern bedeckt, den Rahmen bildet aber eine laubenartige Pfeiler- und Rocaillenarchitektur, die auf einen Schlösserkontext hinweist. Die Fuldaer Manufaktur wurde 1764 durch Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra (reg. 1759–1788) auf Grundlage einer bereits vorhandenen Fayencefabrik gegründet, bestand jedoch nur bis 1789. // Claudia Kanowski

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa