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Die Taufe Wittekinds im Jahre 785. Vierter von fünf Kartons für die Fresken im Kaisersaal des Rathauses zu Aachen

Ident. Nr.: A I 47

ObjID: obj:2025518

Details (expert)

Creator/Entity
Alfred Rethel (1816 - 1859),
Maler*in
Date(s)
um 1849/1850
Provenance
Nachlass/Vermächtnis: Marie Rethel (Witwe des Künstlers),
1868
Dimensions
Höhe x Breite: 280 x 399 cm (Spitzbogenfeld)
Acquisition
1868 erworben von Marie Rethel, der Witwe des Künstlers, aus dessen Nachlaß

Object Description

1840 gewann Alfred Rethel den Wettbewerb des Düsseldorfer Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen zur Ausschmückung des Aachener Rathaussaales mit einem Freskenzyklus zum Leben Karls des Großen »in historischer und symbolischer Auffassung« mit Bezug auf die »allgemeine geschichtliche Bedeutung als auch auf die Stadt Aachen als dessen Lieblingsaufenthalt« (Alfred Rethel, Die Karlsfresken, Ausst.-Kat., Aachen 1987, S. 9). Friedrich Wilhelm IV. befürwortete die vorgelegten Entwürfe. Akademiedirektor Wilhelm Schadow erhob aus Neapel vergeblich Einspruch, er hielt Rethel, der bereits an der Ausmalung des Frankfurter Römers mitgewirkt hatte, für überschätzt und den Auftrag für zu rasch vergeben. Nach langer Diskussion und baulichen Veränderungen am Saal einigte man sich 1846 über acht Kompositionen, 1847 bereits begann Rethel mit der Ausführung der Fresken, 1853 mußte er die Arbeit wegen einer psychischen Erkrankung abbrechen. Nur vier der Fresken wurden von Rethel selbst vollendet, die übrigen wurden von Josef Kehren (1817–1880) nach Rethels Kartons ausgeführt. Die ursprünglich fünf Kartons wurden 1868 aus dem Nachlaß des Künstlers für die Nationalgalerie erworben; der erste und der letzte Karton des Zyklus, »Zerstörung der Irmensäule bei Paderborn im Jahre 772« (ehemals Inv.-Nr. A I 44) und »Kaiser Otto III. in Karls des Großen Gruft im Jahre 1000« (ehemals Inv.-Nr. A I 48), zählen zu den Kriegsverlusten.
Der zweite Karton (Inv.-Nr. A I 45) zeigt den Einzug Karls des Großen in Pavia im Jahre 774: Nach dem Sieg über den Langobardenkönig Desiderius (774 n. Chr.) zieht Karl der Große mit der eisernen Krone der Langobarden in der Hand durch das Stadttor ein. Auf dem Pferd rechts weist Bischof Turpin mitleidheischend auf das gefangene Königspaar vorne rechts, der alte Krieger hinter ihm deutet mit ausgestrecktem Arm auf die zerstörte Stadt. Hinter den zerborstenen Stadtmauern sieht man einzelne Krieger mit dem Bergen der Toten und mit Löscharbeiten beschäftigt, die Stadt verlassende Bürger und einziehende Sieger. – Für den Karton suchte sich Rethel seine Modelle in Dresden, wo er seit dem Winter 1848/49 wohnte, und zeichnete dort in der königlichen Rüstkammer und im Marstall.
Den dritten Karton »Sarazenenschlacht bei Cordoba im Jahre 778« (Inv.-Nr. A I 46) entwickelte Rethel nach Friedrich Schlegels Rolandromanze über den spanischen Feldzug Karls des Großen im Jahre 778. Das bewegte Kampfgetümmel bindet Rethel hier in eine dynamische Diagonalkomposition. Das Heer stürmt auf den Betrachter zu: In der Mitte reitet Karl der Große, er hat von dem feindlichen, von Stieren gezogenen Wagen die Fahne heruntergerissen. Links sieht man den kreuztragenden Bischof Turpin. Den Pferden hat man die Augen verbunden, damit sie vor den Sarazenen nicht scheuen. Rechts bäumt sich der tödlich getroffene Kalif in seinem Streitwagen noch einmal auf.
Der vierte Karton zeigt die Taufe Wittekinds im Jahre 785 (Inv.-Nr. A I 47) und die dadurch besiegelte Unterwerfung der Sachsen. Im Zentrum der Darstellung wird der kniende Sachsenherzog von Bischof Turpin getauft (785 n. Chr.), links sind die weltlichen, rechts die geistlichen Würdenträger zu sehen. Die Sachsen an der Freitreppe haben zum Zeichen ihrer Unterwerfung die Fahne gesenkt. »Diese von inneren Bewegungen erfüllten Szenen an der Seite der Freitreppe stehen im wirksamen Gegensatz zu der zu einem feierlichen Staatsakt erhobenen Taufe auf der Plattform, die durch den Bischof eine besondere Weihe erhält« (H. Schmidt, Alfred Rethel, Neuß 1959, S. 116). Eine Ölstudie der Szene von 1853 befindet sich im Museum Kunstpalast Düsseldorf. – Rethel unterschied die verschiedenen Vorstufen der Arbeit genau, wie er dem Bruder Otto 1844 auseinandersetzte: Studien, den Karton, die Farbenskizze und die Untermalung. Und es gilt, sich »eine geistige Frische und Neuheit des Gegenstandes« möglichst lange zu erhalten und »das Werk rasch bis zu einem gewissen Punkte zu bringen, bei der Übermalung fehlen in der Regel jene beiden Hülfen« (J. Ponten, Alfred Rethels Briefe, Berlin 1912, S. 78). Das Fresko wurde nach Rethels Entwürfen von Josef Kehren ausgeführt (1944 zerstört). | Angelika Wesenberg

Last updated: 28.08.2026

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Alte Nationalgalerie

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Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen

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Das lebensgroße marmorne Standbild der Kronprinzessin Luise (1776-1810) mit ihrer Schwester, Prinzessin Friederike (1778-1841) von Preußen, gehört zu den Hauptwerken des europäischen Klassizismus (vgl. auch die Angaben zum Gipsmodell, Inv.-Nr. B I 76). Hinsichtlich des Typus schuf Schadow mit dieser zweifigurigen Gruppe etwas ganz Neues, denn es ist nicht ein Denkmal für Männer von besonderem Verdienst, nicht eine explizit dynastische Selbstdarstellung der Hohenzollern, sondern primär ein Hymnus auf die Jugend, die Anmut und die Schönheit. Die aufrecht stehende, fernhin blickende Luise kontrastiert in reizvoller, hintergründiger Weise mit ihrer jüngeren, etwas koketteren Schwester Friederike; das beide Figuren verbindende Moment liegt aber nicht nur in dem Umgreifen des Armes von Luise und im vertraulichen Berührungsmotiv der Hände, sondern auch im Aneinanderlehnen, in der pyramidalen Gesamtform und in der vereinheitlichenden Behandlung der antikisierenden Gewänder. Das Gipsmodell (B I 76) der Gruppe diente zur Übertragung in Marmor, die weitgehend Schadows Gehilfe Claude Goussaut ausführte, während der Meister selbst sich die Vollendung der Gesichter und der Arme vorbehielt. Auf der Grundlage des Modells wurden auch kleinformatige Ausformungen in Biskuitporzellan hergestellt. Ursprünglich sollte die Gruppe nur in diesem Material in verkleinertem Maßstab verwirklicht werden. Erst nachdem der Kurator der Akademie der Künste, Friedrich Anton Freiherr von Heinitz, sich nachdrücklich beim preußischen König für eine lebensgroße Übertragung in das edle, zeitlose und freilich auch teurere Material des weißen Marmors verwendet hatte, kam diese zustande. Dies war sicherlich auch ein Ausdruck dafür, daß sich Schadow und sein Protektor Heinitz mit den seit Winckelmann gefeierten Skulpturen der Antike messen wollten, die bekanntlich in Marmorkopien überliefert waren und als künstlerische Normen verstanden wurden. So wurde das Werk auch zu einem Sinnbild der preußischen Kunstpflege – schon die Widmungsinschrift an der Plinthe macht das deutlich (zu deutsch: Im elften Jahr der Regierung Friedrich Wilhelms II.) – und des preußischen Anspruchs auf Erfüllung höchster künstlerischer Normen. Allerdings gehört es zur Ironie der Geschichte, daß lange Zeit (bis ins frühe 20. Jahrhundert) der Marmor magaziniert blieb, während das Modell sich bereits in der Nationalgalerie befand. Seit 1801/02 im Berliner Schloß, befand sich das Werk 1856 im "Boisierten Zimmer" in den sogenannten "Petit-Kammern", wo auch das "Liegende Mädchen" von Schadow aufgestellt war. Nach den starken Zerstörungen des Schlosses kam es 1949 in das Hauptgebäude der Nationalgalerie. | Bernhard Maaz

Die Welle

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Diese Darstellung einer mächtigen Woge in dem kurzen Moment vor dem Überschlag erwarb Hugo von Tschudi Ende 1904 bei dem Kunstschriftsteller und Kunsthändler Théodore Duret in Paris; erst 1906 wurde die Erwerbung vom Kaiser als Schenkung genehmigt. Anfang 1905 folgte Gustav Pauli in Bremen mit einem kleineren, aber gleich starken Exemplar. 1907 erwarb der Städelsche Museums-Verein in Frankfurt am Main auf Vorschlag des neuen Museumsleiters Georg Swarzenski ebenfalls ein Exemplar der »Welle«. Alle diese »Wellen«-Bilder, deren Besitz offensichtlich ein Ziel jeder modernen Galerie war, entstanden 1869 in Etretat, einige wurden 1870 in Paris vollendet. Courbet hatte durch ein großes Fenster in einem Atelier unmittelbar am Meer anbrandende Wogen studiert. Er suchte ihre Gewalt und ungestüme Kraft durch radikale Bildmittel zu erfassen. Die Farben sind geschichtet und gespachtelt und mit dem Palettmesser großflächig verstrichen – eine Technik, die diesen Darstellungen des flüssigen, bewegten Elements fast mauerhafte Festigkeit verleiht. Die einzelne Woge gibt den Ausschnitt einer Unendlichkeit sowie in dem kurzen Moment vor dem Überschlag einen flüchtigen Moment der Dauer. Die Verbindung von Flüchtigkeit und Dauer hatte bereits Charles Baudelaire in den Arbeiten Courbets erkannt. »Das Moderne in der heutigen Kunst ist das Vorübergehende, das Flüchtige, das Zufällige: die eine Hälfte der Kunst. Das Ewige und Unbewegliche macht die andere Hälfte aus« (Ch. Baudelaire, Œuvres complètes, Bd. 2, Paris 1976, S. 695).In vergleichbarer Weise, als einen Bildausschnitt, der für Unendlichkeit steht, haben die Japaner das Wellenmotiv verstanden. Die Kenntnis japanischer Farbholzschnitte, vor allem die der exemplarischen »Woge« von Hokusai, durfte beim Künstler wie beim Publikum vorausgesetzt werden. Die Wogen nehmen in der japanischen Kunst oft dekorative, ornamentale Züge an. Bei Hokusai wie bei Courbet sind sie zum Sinnbild verdichtet.Paul Cézanne bewunderte im Vergleich zu der »Welle« des Louvre Tschudis Erwerbung ausdrücklich. Wie 1810 Heinrich von Kleist für Caspar David Friedrichs »Mönch am Meer« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. NG 9/85) fand er für die Darstellung der »Welle« kongeniale Worte: »Die großen Wellen, die in Berlin ist wunderbar, eines der Wunder des Jahrhunderts, viel beweglicher, viel gespannter, mit einem giftigeren Grün, mit einem schmutzigeren Orange, als diese hier, mit der schaumigen Gischt der Flut, die aus der Tiefe der Ewigkeit kommt, dem zerfetzten Himmel und der fahlen Schärfe. Es ist, als käme sie gerade auf einen los, man schrickt zurück. Der ganze Saal riecht nach Wasserstaub« (J. Gasquet, Cézanne, Berlin 1930, S. 141). ›Schmutzige Farben‹ wurden Courbet in der Kritik von Anfang an vorgeworfen. Er aber suchte mit diesem Mittel glatte Idealität zu vermeiden. Auch für Cézanne bedeutete das ›schmutzigere Orange‹ eine Vertiefung des Wahrheitsgehalts und damit eine Steigerung der Schönheit. Die zeitgenössische französische Kritik las in den 1869 bis 1870 gemalten »Wellen«-Bildern auch eine politische Botschaft: republikanische Agitation, ein Bild der Kraft des Volkes. | Angelika Wesenberg

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Die genaue Entstehungszeit dieses monumentalen Gemäldes ist nicht bekannt; 1869 wurde es aus dem Nachlaß des 1853 verstorbenen Carl Wilhelm Kolbe für die Nationalgalerie erworben. Die an Pathos reiche, theatralisch inszenierte Komposition ist dem dritten Kreuzzug gewidmet, der unter Führung des berühmten Stauferkönigs Friedrich Barbarossa 1189 aufbrach, um das von Sultan Saladin besetzte Jerusalem zu befreien. Das Heer hatte bereits den Süden der heutigen Türkei erreicht, als am 10. Juni 1190 Friedrich Barbarossa im Fluß Saleph ertrank. Kolbes Bild zeigt jenen Moment, als der Kreuzzug dennoch fortgesetzt und die Leiche des Herrschers im kaiserlichen Gewand mit Krone und Schwert, von Reitern und Fußvolk mit Fahnen umgeben, dem Heer voran auf einer Bahre getragen wird, im Hintergrund sind Höhenzüge mit der umkämpften Stadt Antiochia zu erkennen. An der Spitze des Zuges schreitet ein Bischof mit erhobenem Kreuzstab, begleitet von Posaunen blasenden Mönchen und Knaben mit Rauchfässern; vor der Bahre links ein Mönch mit Kreuz, dessen Körperproportionen dem Künstler nicht sonderlich gelungen sind. Während Kolbes kleinformatige Gemälde »nach dem Vorbild der älteren deutschen Kunst mit einer fast peinlichen Charakteristik selbst der Details und mit lichtvoller Klarheit in der Färbung ausgeführt« seien, schrieb Lionel von Donop über den Künstler, würden seine »umfangreichen Historienbilder fast trübe und schwer im Ton, bei ersichtlichem Streben und dramatischer Kraftäußerung ein für die Aufgabe kaum zureichendes Maß des künstlerischen Vermögens erkennen lassen« (Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 16, Leipzig 1882, S. 463).Kolbe zeigte 1848 auf der Berliner Kunstausstellung unter dem Titel »Schlacht bei Antiochia, Farbenskizze zu einem größeren Bilde« die Vorstudie zu dieser Komposition (Kat.-Nr. 480); 1858 war sie als Leihgabe aus Privatbesitz auf der Münchner allgemeinen deutschen und historischen Kunstausstellung zu sehen (vgl. F. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Bd. 1/2, Dresden 1895, S. 764). | Birgit Verwiebe

Wilderers Ende

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Angeregt durch Wilhelm Leibl und Franz von Defregger erfreuten sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Genreszenen mit Motiven aus den Alpenregionen großer Beliebtheit. Bei Clemens mischt sich die Münchner »Novellenmalerei« (K. Scheffler, Die Nationalgalerie, ein kritischer Führer, Berlin 1912, S. 149) mit der ›Wilderer-Romantik‹ und dem ›Räuber-Genre‹, das in der Nationalgalerie unter anderem durch Theodor Hildebrandts »Räuber« (1829, Inv.-Nr. W.S. 91) exemplarisch vertreten ist. Der heute mehr als Stifter denn als Maler bekannte Clemens, der seine umfangreiche Sammlung von über 1.600 Gemälden, Plastiken und kunsthandwerklichen Objekten nach dem Ersten Weltkrieg der Stadt Köln vermachte, war selbst leidenschaftlicher Jäger. Den Schwerpunkt seiner Bilderzählung legte er auf die Trauer der jungen Witwe, die unter dem Kruzifix betend zusammengesunken ist. Der Jagdhund kauert zwischen der Trage und den blutigen Binden, und nur durch die offene Tür hindurch sieht man den verunglückten Wilderer und seine im Todeskrampf erstarrte Hand. Das Gemälde, so Ludwig Pietsch in einer zeitgenössischen Rezension, »hat in all’ seiner Schlichtheit und Pathoslosigkeit eine wahrhaft ergreifende Macht der stummen Beredsamkeit, trotzdem der Hauptsitz des Empfindungsausdruckes, das Antlitz der beiden dargestellten Personen, verborgen bleibt« (Illustrierter Katalog der Königlichen Akademie der Künste, Berlin 1886, S. 183). Das Gemälde wurde auf der Berliner Jubiläumsausstellung 1886 mit der Kleinen Goldmedaille ausgezeichnet. | Regina Freyberger

Porträt der Henriette Herz

Porträt der Henriette Herz

Henriette Herz (1764–1847), Tochter des portugiesischen Arztes Benjamin de Lemos, wuchs in der Berliner jüdischen Kolonie auf und wurde mit zwölf Jahren ihrer Kultur entsprechend mit einem von den Eltern ausgewählten Bräutigam verlobt; 1779 heiratete sie 15jährig den wesentlich älteren Arzt und Philosophen Dr. Marcus Herz (1747–1803). Die anregende Geselligkeit im Hause von Herz gab ihr die Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung. Das mythologische Porträt der Braut als Hebe – Mundschenkin der Götter und Personifikation der Jugendschönheit – zeigt sie in konventioneller Haltung und Rolle. Ein anonymes Hochzeitsgedicht, »Dem Herrn Doctor Marcus Herz und Mademoiselle Jette Lemos an ihrem Vermählungstag gewidmet«, nimmt auf dieses Bild Bezug (Henriette Herz in Erinnerungen, Briefen und Zeugnissen, Berlin 1984, S. 407 f.). Die Schriftstellerin Fanny Lewald, welche die Dargestellte um 1840 besuchte, beschreibt unser Bild als wichtigstes Kunstwerk in deren Wohnung (ebd., S. 429 f.). – Vgl. das Porträt »Henriette Herz« von Anton Graff aus dem Jahre 1792 (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 433) und die Büste von Johann Gottfried Schadow von 1783 (Nationalgalerie, Inv.-Nr. G 218). Therbusch schuf weitere mythologische Rollenporträts, etwa »Luise von Hertefeld als Bacchantin«, 1778 (E. Berckenhagen, Anna Dorothea Therbusch, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaften, Bd. 41, 1987, S. 142, Nr. 83; Verbleib unbekannt). | Angelika Wesenberg

Bildnis des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

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Das Bildnis zeigt den 21jährigen Dichter, Sprachforscher und Literaturhistoriker August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) als reisenden Studenten in der Kleidung eines Burschenschafters unter einer ›deutschen‹ Eiche, im Hintergrund das Panorama von Dresden. Hoffmann von Fallerslebens Autobiographie »Mein Leben« (1868–1870) erwähnt den Maler Schumacher nicht, ebenso war der Dichter war um 1819 nicht in Dresden. Ein wenig später entstandener Kupferstich nach einer Zeichnung von Ernst Fröhlich (vgl. P. O. Rave, Das Jahrhundert Goethes, Berlin 1949, Taf. 380) zeigt jedoch die gleichen Gesichtszüge, so daß die überlieferte Zuschreibung wohl richtig ist. Hoffmann von Fallersleben studierte zwischen 1816 und 1819 in Göttingen, danach in Bonn, war aber 1818 auch längere Zeit in Jena. Dort knüpfte er enge Beziehungen zu Lorenz Oken, veröffentlichte politische Epigramme in dessen Zeitschrift »Isis« und nahm an dem allgemeinen Burschentag 1818 in Jena teil. Bei dieser Gelegenheit könnte ihn der Student Carl Georg Christian Schumacher gezeichnet haben, um dann 1819 in Dresden aus aktuellem Anlaß sein Bildnis zu malen. Am 23. März 1819 wurde der Dichter August von Kotzebue durch den Jenaer Burschenschafter Karl Ludwig Sand ermordet. Dies wurde zum Auslöser der sogenannten Demagogenverfolgung. Schumanns Bildnis – in diesem Kontext entstanden – zeigt den ›Gegendichter‹ Hoffmann von Fallersleben, eine Identifikationsfigur der freien Burschenschaften. Als Bildnis eines Studenten, von einem Studenten gemalt, ist das Werk unerwartet groß und repräsentativ. | Angelika Wesenberg

Jeremias beim Fall Jerusalems

Jeremias beim Fall Jerusalems

Seit der Eröffnung ihres Gebäudes im Jahr 1876 bis Ende 1937 empfing die Nationalgalerie die Besucher im Treppenhaus mit etlichen großformatigen Historiengemälden. Die heutige Hängung, bestehend aus Anselm Feuerbachs »Gastmahl des Plato« (Inv.-Nr. A I 279), Carl Friedrich Lessings »Hussitenpredigt« (Inv.-Nr. A II 829) sowie Rudolf Hennebergs »Die Jagd nach dem Glück« (Inv.-Nr. A I 40), knüpft an diese Situation an. Doch bedeckten damals die Gemälde die Wandflächen vollständiger und erweckten in ihrer Fülle den Eindruck eines Programms.Eduard Bendemanns »Wegführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft«, angelehnt an den Bericht bei Jeremia 39, Vers 1–10, wurde schon 1866/67 von der Nationalgalerie beauftragt und 1872 erworben. Der nunmehrige Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie hatte sich durch seine Gemälde »Gefangene Juden in Babylon« (1832, Wallraf-Richartz-Museum, Köln) und »Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem« (1835, Kriegsverlust) für diesen Bereich der Geschichtsmalerei ausgewiesen. Sein Monumentalgemälde für die Nationalgalerie, farbiger und realistischer als die beiden elegischen Frühwerke, reagierte zugleich kritisch auf das Wandbild »Die Zerstörung Jerusalems« von 1865 von Wilhelm Kaulbach im Neuen Museum. Der darin implizierten Geschichtsdeutung aber entging auch sein Gemälde durch den von der Nationalgalerie mit dem Inventareintrag eingeführten Titel »Jeremias beim Fall Jerusalems« nicht. Das Bild zeigt in der oberen Hälfte den siegreichen König von Babylon, Nebukadnezar, im königlichen Ornat auf seinem Streitwagen, ihm voraus das beutebeladene Heer, hinter ihm der geblendete König Zedekias von Juda, umgeben von seinen Frauen und gefolgt von den Priestern mit der Bundeslade und dem Troß, im Hintergrunde links die rauchenden Trümmer des Salomonischen Tempels. Im Vordergrund, auf Ruinen sitzend, sieht man in sprachlosem Schmerz den Propheten Jeremia, der vor dem Bruch mit den Babyloniern gewarnt hatte. Rechts daneben kniet sein treuer Schüler Baruch. Sie sind den Verwünschungen der ins Exil geführten Juden ausgesetzt, welche ihnen eine Mitschuld an dem Elend geben. Rechts sieht man eine Gruppe verzweifelter Frauen mit ihren Kindern. | Angelika Wesenberg

Atelierwand

Atelierwand

Zur Vorbereitung des Nachtbildes »Friedrich und die Seinen bei Hochkirch« (1856, Nationalgalerie, verschollen), so ist durch Robert Warthmüller überliefert, habe Menzel »sich in seinem Atelier einen dunklen Verschlag gebaut, worin er Kerzen anzünde, um durch ein kleines Loch sodann den Effekt, den Lokalton, zu studieren« (zit. nach: K. Scheffler, Adolph Menzel, Berlin 1922, S. 174). Ebenso beleuchtete er von unten die an der Wand hängenden Gipsabgüsse, um, so Albert Hertel, »meine Hand und meinen großen, breiten Pinsel einzuexerzieren an großer pastoser Malerei, und an der eigentümlichen Beleuchtung von den Flammen ringsum« (zit. nach: Exzellenz lassen bitten, Leipzig 1992, S. 91). Diese Gipse, die er wie viele seiner Kollegen zu Rate zog, wenn das lebende Modell fehlte, und deren Zahl noch wachsen sollte, kennen wir auch durch spätere Fotografien. Darunter waren aber, im Unterschied zur üblichen Praxis, »nur wenige und bewährte Formen antiker Plastik […]; den meisten Platz nehmen die über die Natur gegossenen Formen und namentlich die verschiedenartigsten Totenmasken ein« (F. Eggers, Künstler und Werkstätten, in: Deutsches Kunstblatt, Bd. 5, 1854, S. 2). Auf einer späten Aufnahme (von Zander & Labisch) erkennt man ebenjene Muskelmann-Hand, die auf unserem Gemälde neben dem Totenschädel hängt; demnach begleitete sie Menzel ein Leben lang.Um dieselbe Zeit schrieb Edgar Allan Poe seine makabren Erzählungen. Dem dort beschriebenen Blick auf das todbringende Pendel ähnelt der auf die abgerissenen Armstümpfe, die ihre verlorenen Teile zu suchen scheinen, um sich wieder zu einem Ganzen zu fügen; auf die enthäutete Hand, die zwischen ihnen hängt wie ein Geschlecht, bedeutungsvoll dem Totenkopf benachbart. Fünfunddreißig Jahre alt war damals schon Mary Shelleys Roman »Frankenstein«,, dessen Held, ein Ingolstädter Student, Leichenteile zusammenfügt und ihnen mit faustischer Kraft Leben einhaucht. Daß die Malerei im künstlichen Licht, das dem Gips einen Schein gespenstischer Belebtheit leiht, etwas von dieser schauerlichen Macht ausüben kann, zeigt Menzels Komposition, die sich durch den Zusammenhang von Muskelhand und Palette als eine Allegorie der Kunst zu erkennen gibt. Doch die nur halb in das Bildfeld genommene Palette entgleitet dem Bezirk des Todes. Wie die zwanzig Jahre später gemalte, noch größere, reicher angeordnete Fassung (1872, Hamburger Kunsthalle), so darf schon die Berliner »Atelierwand« als die programmatische »Antwort eines Realisten auf die Frage nach der Vorbildlichkeit des akademisch beglaubigten Formenkanons« interpretiert werden, und zugleich als praktischer Triumph einer »Ästhetik des Bruchstücks« (Werner Hofmann, in: Menzel, der Beobachter, Ausst.-Kat., Hamburg 1982, S. 37), die dem Zusammenhanglosen und Fragmentarischen die Würde der Kunst zuspricht. | Claude Keisch