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Streikbrecher

Ident. Nr.: SZ Kollwitz 40

ObjID: obj:2231646

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: 1909 - 1910
Geographical references
Berlin,
Stadt
Provenance
Erich Mielke (1907-2000),
bis 1989/90 (?)
Bundesministerium des Innern,
bis 16.3.1990
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Dimensions
Blattmaß: 65,7 x 47,2 cm
Acquisition
1990 Aus dem Besitz des ehemaligen Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, überwiesen vom Bundesministerium des Innern an die Sammlung der Zeichnungen (Nationalgalerie, Berlin Ost), 1992 Überweisung an das Kupferstichkabinett

Object Description

Auf dasselbe Ereignis [der Zeichnung im Kupferstichkabinett] beziehen sich zwei verwandte große Kohlezeichnungen [...], die unter dem Titel "Kohlenstreik" bekannt sind. Eine davon [...] ist die Entwurfsskizze zu unserem Blatt. Sie enthält bereits den wesentlichen Grundgedanken der Komposition, auch wenn die Personen im Hintergrund dort nur schemenhaft und äußerst vage vorgemerkt sind. Die Berliner Zeichnung stützt sich auf diese Skizze und gibt ihr eine bildmäßige Durchführung. Das allen drei Arbeiten zugrundeliegende Ereignis scheint eine Tagebucheintragung der Künstlerin vom 29. September 1910 festzuhalten: "In Moabit sind seit drei Nächten Krawalle. In den Kohlenlagern von Kupfer [& Co] streikten 50 Mann (forderten eine Erhöhung, von 43 Pf. die Stunde auf 50 Pf.). Daran schließen sich Tumultszenen, die von Janhagel [norddt. für "Pöbel"] ausgehen sollen. Doch scheint die Arbeiterschaft sehr mit ihnen zu sympathisieren. Am 2. oder 3. Tage war ich nach der Beusselstraße gefahren. Es war kurz vor Fabrikschluß. Die Straße war voll von Arbeitern, meist jungen Frauen, die mit allen Kindern vor der Türe standen, Fabrikmädchen. Die Fenster besetzt. Die Läden schlossen früh. Die Stimmung war sehr gespannt, vor allem wie die Schutzmannschaft vermehrt wurde. Vor der Kirche postierte sich eine Schutzmannkette zu Pferde. Wie ich fortging begann gerade die Säuberung der Straße. Ein großes Aufgebot von Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde. [-] Jetzt endlich scheinen die Tumultuanten Ruhe zu geben. [-] Die Kohlenwagen von Kupfer fahren nur unter polizeilicher Bedeckung aus und erregen viel Aufsehn und böses Blut" (Kollwitz 1989/2012, S. 87, Anm. S. 774).
Auf den Zeichnungen werden Streikbrecher, die dichtgedrängt auf einem Kohlenwagen sitzen und ausfahren wollen, durch zwei berittene Polizisten vor der protestierenden Volksmenge geschützt. Erst die monumentale Version des Berliner Kupferstichkabinetts
zeigt die Männer im Hintergrund als mauerartig geschlossenen Block, gegen den das
Volk von vorne Sturm läuft und definiert sie damit eindeutig als Streikbrecher. Eine Graphik ist nach der Zeichnung nicht entstanden, so daß es sich um eine der relativ wenigen autonomen Arbeiten der Künstlerin handelt. 

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 121, Kat.-Nr. 147)

2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.

Last updated: 04.08.2026

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

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