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Zylinderbureau mit Blumenbouquets

Ident. Nr.: W-1989,40

ObjID: obj:2288317

Details (expert)

Date(s)
um 1780/85
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 130 x 113 x 65 cm

Object Description

Das Zylinderbureau ist eine stilistische Weiterentwicklung des frühklassizistischen Modells (Inv. Nr. 1910,49), von dem es sich auf den ersten Blick durch seinen flachen Aufsatz, die florale Marketerie sowie eine weniger additive und ausgewogener proportionierte Architektur unterscheidet. Marketerie und vergoldete Bronzen sind zurückhaltend eingesetzt und verhelfen dem Möbel zu einer routiniert in Szene gesetzten Eleganz.
Seit seinem erfolgreichen Pariser Auftritt im Frühjahr 1779 trug David Roentgen den prestigevollen Titel eines „Mécanicien privilégié du Roi et de la Reine“. Schon im Frühsommer schickte er ein weitere „Parthie neuer Arbeit“ in die Stadt, richtete ein Warenlager ein und stellte ihm als Geschäftsführer seinen „comis“ Johann Gottlieb Frost voran. Obwohl David Roentgen im Verlauf des Jahres eine bedeutende Anzahl auch bestellter Stücke an den König und die Königin verkaufte und er mit dem österreichischen Gesandten Mercy d’Argenteau über sehr gute Kontakte verfügte, führten seine diplomatischen Bemühungen nicht zu dem erhofften Privileg, seine Möbel gegen den Widerstand der Pariser Ebenisten ohne „schwere Kosten“ nach Paris einführen und in der Stadt verkaufen zu können. Eine vorübergehende Lösung bot der Verkauf in Kommission bei dem Händler Brébant in der Rue St. Martin, einem der Luxuswarenhändler (Merchands-Merciers) der Stadt. Im Mai 1780 erwarb David Roentgen für nahezu 1.000 Livres (ca. 330 Gulden) das kostspielige Meisterrecht der Pariser Gilde der Ebenisten und konnte fortan seine Möbel unter eigenem Namen verkaufen. Wie eine Anzeige vom Januar 1781 und seine Visitenkarte belegen, führte er sein Geschäft in der Rue de Grenelle nahe der vornehmen St. Honoré und offerierte dort ein umfangreiches Sortiment: „Schreibtische verschiedener Formen, Kabinettsessel, Toilettentische, Geldschränke, Mechanismen, Klaviere, Quadrilletische, Tricktracktische und andere“. Die Stücke waren von „dernière perfection“, folgten dem neuen Geschmack und waren “aus Mahagoni sorgfältig ausgeführt und poliert wie Marmor.“ Im Dezember 1785 übergab David Roentgen das Geschäft an Gottlieb Frost, der es in die Rue Croix des Petits-Champs verlegte, dort eine Werkstatt mit zehn Arbeitern führte und bis zu seinem Konkurs im Sommer 1789 fortfuhr, „Möbel zu verkaufen, die wegen ihrer Form und ihrer Politur sehr gesucht“ waren.
Wie alle in Paris zugelassenen Ebenisten unterlag Roentgen damit den Kontrollbestimmungen der Pariser Gilde, die vorsahen, alle Waren ihrer Mitglieder durch möglichst untilgbare Namensstempel auszuweisen. Offenbar jedoch war diese seit spätestens 1751 gültige Regelung durch die Privilegien der Luxuswarenhändler nur schwer zu kontrollieren, denn trotz seiner über neun Jahre nachgewiesenen Tätigkeit in Paris ist für David Roentgen bisher nur ein einziges Möbel mit einem solchen Schlagstempel, nämlich das hier vorgestellte Zylinderbureau bekannt geworden.
ASt

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Fußschale mit eingeschmolzenen Glaskröseln

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Flache Schale aus Glas, das zwischen zwei farblosen Schichten eine Schicht opakblauer, opakroter und milchblauer Glaskrösel einschließt, der angeschmolzene Hohlfuß aus farblosem Glas, dessen Fußrand ist breit nach unten umgeschlagen, kräftiger Abriss, die Schalenfahne ist abgeflacht und der Mündungsrand verwärmt. Lediglich am Rand sind noch vereinzelt Reste einer ehemals vorhandenen Vergoldung erkennbar. Die Fußschale ist ein seltenes Beispiel der frühen Luxusglasproduktion in Brandenburg. Das Grüne Gewölbe in Dresden verwahrt einen Pokal aus der gleichen Glasmasse mit einer eingeschmolzenen Schicht aus farbigen Kröseln (Inv. Nr. IV 206; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 7, 8; Taf. 1.1+3). Er ist mit der Jahreszahl 1602 versehen und ermöglicht so eine präzise Datierung auch der Schale. Robert Schmidt erwähnt in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914: "Solche marmorierte Schalen haben sich nun in mehreren Exemplaren erhalten, und zwar ein unbemaltes im Berliner Kunstgewerbemuseum, und zwei bemalte, ebenda (Tafel 1 Mitte) und im Fürstlich Hohenzollernschen Museum zu Sigmaringen." Letztere gelangte später in die Sammlung des Museums für Kunsthandwerk in Frankfurt a. M. (Ohm, Europäisches und außereuropäisches Glas, 1989, Kat. 342, S. 152). Ein weiteres Pendant soll sich – so Schmidt – in der Sammlung Minutoli befunden haben und aus der Berliner Schlosskellerei stammen (ebenda, S. 8). Tatsächlich ist diese identisch mit der hier beschriebenen Schale. Das Kunstgewerbemuseum bekam sie 1873 überwiesen, nachdem sie das Königliche Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten 1869 erworben hatte. Schmidt bildete die bemalte Berliner Schale ab (Inv.-Nr. 1893,65; Kriegsverlust; ebenda 1914, S. 7, 8; Taf. 1.2). Im Zentrum trug sie das brandenburgische Wappen mit preußischem Herzschild "in Gold und kalten Lackfarben", so der Begleittext. Gut erkennbar auf der Schwarz-Weiß-Abbildung ist der Randfries aus "Ovalfeldern mit goldenen Blüten auf abwechselnd rotem und grünem Grund". Da die hier beschriebene Schale eine abweichende Anordnung der Krösel aufweist, muss sie die von Schmidt als "unbemaltes" Exemplar bezeichnete sein. Da die zarten Spuren der Vergoldung am Schalenrand lediglich bei genauem Hinsehen erkennbar sind, hat er sie übersehen. Bereits der Inventareintrag der Minutoli-Schale erwähnt keine Veredelung – deren Verlust datiert demnach bereits vor 1869. Das Verfahren der eingeschmolzenen Krösel, das zu der attraktiven Marmorierung führt, wurde von Muraneser Glashütten entwickelt. Ebenfalls die Schalenform ist mit und ohne Kaltbemalung und Vergoldung seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für venezianische Gläser dokumentiert (Theuerkauff-Liederwald, Venezianisches Glas, 1994, Kat. 42–45, 52, 62). Verantwortlich für diese raffinierten Techniken in Grimnitz waren Glasmacher aus dem böhmischen Kreibitz unter der Leitung von Martin Friedrich (Mock, Glashütten Grimnitz, 2021; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 1–8). Ein Verzeichnis der Glashütte vom 5. Juni 1602 listet unter zahlreichen anderen exklusiven Waren "27 gemarmoliertte schalenn" (Schmidt, S. 5). [Manuela Krüger/Verena Wasmuth]MAKR

Achtkantige Deckelvase mit Vogel- und Blütendekor in gerahmten Reserven (Vasenpaar)

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Es handelt sich um ein Vasenpaar (vgl. Inv. Nr. Hz 1072 a,b). "Achtseitige Balusterform mit abgesetzter Schulter, über der Fußplatte spindelförmig eng eingezogen. Der geschwungene Deckel mit profiliertem Knauf. Auf dem gesamten Körper, ausgespart aus blauem Grund, dichtes Blüten- und Blattwerk getrennt durch gliedernde horizontale Behänge. Auf den Seiten, in langgezogenen Reserven, ostasiatische Sumpflandschaft mit Blüten, Schilf und Vögeln. Der Lochfelsen hat sich zu einer Blattpalmette mit korbgeflechtähnlicher Füllung gewandelt. Auf der Schulter acht, auf dem Deckel vier kleine Vierpaßreserven mit Mittelblüte. Auf dem Fuß eine Borte aus Doppelspirale und geripptem breiten Blatt." (Christiane Keisch, in: Kat. Berlin 2001: "Herrliche Künste und Manufacturen", Kat. Nr. 104)Wie die Autorin weiter ausführt, wiederholt der Dekor Motiv und Schema der Tischplatte (KGM Inv. Nr. 1913,37), das geradezu als künstlerisches Firmenschild der späten Funcke-Produktion um 1725 gelten kann. Charakteristika sind die Reservenmalerei mit verschiedenen Vogelmotiven. Dass der von chinesisch-delfter Vorbildern abgeleitete Lochfelsen hier zu einem Korbmotiv mutiert, lässt die freiere Malerei der Funcke-Werkstatt (im Vergleich etwa zur Wolbeer'schen) erkennen.Keine Marke.Lit.: Keisch, Christiane, Netzer, Susanne, 'Herrliche Künste und Manufacturen'. Fayence, Glas und Tapisserien aus der Frühzeit Brandenburg-Preußens 1680-1720 (Ausstellungskatalog Kunstgewerbemuseum SMB 6.5.-5.8.2001), Berlin 2001, Kat.nr. 104ClKa

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Großer Pokal aus farblosem Glas, Abriss matt ausgeschliffen, breiter Tellerfuß mit hochgeschnittenem, mattiertem Akanthusblattfries, der niedrige Massivschaft ist aus einem gestauchten Baluster und Nodus sowie drei Trommelscheiben komponiert, der Baluster mit versenktem Spitzblattdekor und Linsen, der Nodus mit Akanthusblattdekor und die Scheiben mit einem spitz zulaufenden Ornament, das sie wie geflochten anmuten lässt. Der Akanthusblattfries wiederholt sich am Ansatz und Mündungsrand der becherförmigen Kuppa. Das mittlere Register der Wandung ist von einem umlaufenden Ornamentband mit vier Medaillons verziert, dessen Zwischenräume von Arabesken, Feldern mit Netzwerkdekor, Blumenvasen und Jakobsmuscheln gefüllt werden, auf denen Adler mit ausgebreiteten Schwingen sitzen und an denen kleine Medaillons mit Dreiviertel- und Profilbildnissen von Damen hängen. Die Medaillons sind mit allegorischen Darstellungen der Vier Jahreszeiten dekoriert, jeweils auf einem würfelförmigen Hocker sitzend: ein Amorknabe mit Füllhorn voller Blumen steht für den Frühling, ein Krieger mit Ährenbündeln für den Sommer, ein Bacchant mit Rebenkrone und Füllhorn für den Herbst und ein alter Mann für den Winter. Das Glas ist krank. Dieser Pokal gelangte gemeinsam mit einem Deckel in den Bestand, dessen Glasmasse viel reiner und schwerer ist und dessen Akanthusblattdekor in zahlreichen Details abweicht. Der Deckel ist nicht zugehörig und dürfte ins 20. Jahrhundert datieren. Bei dem Pokal hingegen handelt es sich um ein Glas vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Ein stilistisch eng verwandtes Beispiel von gleicher Hand im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe wurde vermutlich anlässlich der Hochzeit König Friedrichs I. (1657–1713) mit seiner dritten Gemahlin Sophie Luise (1685–1735) im Jahr 1708 angefertigt (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 48, S. 115, 116; Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Abb. 46, S. 94; Saldern, Glas, 1995, Kat 83 mit weiterführender Literatur; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 27.2). Die Vier Jahreszeiten sind wie viele von der Glaskunst aufgegriffene Sujets ein Thema, das sich durch die gesamte abendländische Kunstgeschichte zieht. Die Qualität des Schnitts auf diesem Pokal spricht für einen namhaften Meister. [Verena Wasmuth]MAKR

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Stutzerpokal aus farblosem Glas, der ansteigende Fuß ist mit Rundfacetten dekoriert und akzentuiert vergoldet. Er geht in einen sehr kurzen Massivschaft über. Die hohe Kuppa ist am Ansatz stark verdickt und mit Ovalkugelungen zwischen scharfkantigen Rippen dekoriert, letztere sind ebenfalls vergoldet. Die Kuppa ziert ein mit der preußischen Bügelkrone bekröntes Medaillon mit dem Profilbildnis Friedrichs II. in Harnisch und mit Zopf, darunter Gitterwerkdekor mit dem Monogramm "FR II", für Fridericus Rex II. Das Medaillon wird auf beiden Seiten von Füllhörnern gerahmt, darüber die Inschrift: Salus Patriae (quasi: Auf das Wohl des Vaterlandes). Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Formal handelt es sich bei dem qualitativen Glas um einen sogenannten "Stutzerpokal", ein Produkt der Zechliner Glashütte aus der Zeit um 1750 und etwas früher (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 16, S. 60 und Abb. 48, S. 103). Ein Deckelpokal mit nahezu identischer Schaftform, sehr ähnlichem Dekor mit Verherrlichung Friedrichs II. (1712–1786) sowie der gleichen Inschrift wird von Robert Schmidt dem Glasschneider Elias Rosbach (um 1700–1765) zugeschrieben (ebenda, Taf. 32.2). Gut denkbar, dass auch dieser Pokal von seiner Hand ist. Sehr wahrscheinlich entstanden beide Gläser im Zusammenhang mit der Krönung Friedrichs am 31. Mai 1740. Wohl mangels einer aktuellen Vorlage orientiert sich sein Porträt noch an Profilbildnissen seines Vaters "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) auf anderen Gläsern, mit denselben stereotypischen Merkmalen: Der lange Perückenzopf, das eingedrehte Schulterstück der Rüstung und Ansätzen eines Doppelkinns (vgl. ebenda, Kat. 2 und 3, S. 17; Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 53 und 55, S. 120-122; Klesse, Glassammlung Krug, 1965, Kat. 265). Lediglich die Beischrift "FR II" kennzeichnet den Dargestellten als neuen König. Ein zuvor zugeordneter Deckel (Inv. Nr. O-1982,84 b) ist nicht zugehörig, er passt nicht. Sabine Baumgärtner datiert ein Pendant mit Darstellung Königin Sophie Dorotheas (1687–1757), der Mutter Friedrichs II., irrtümlich auf um 1730 (Baumgärtner, Bildnisgläser, 1981, Kat. 5). [Verena Wasmuth]MAKR