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Kindertunika

Ident. Nr.: 94/2015

ObjID: obj:2291532

Details (expert)

Involved
Georg Schweinfurth (29.12.1836 - 19.9.1925),
Ausgräber*in
Dating
Datierung: 7.-9. Jahrhundert
Dimensions
Höhe x Breite: 29,5 x 37 cm und 2 x 9 cm

Object Description

Die langärmelige Tunika aus ungefärbtem Leinen passte einem Baby bis zu etwa einem Jahr. Vom Rückenteil (auf der Abbildung oben liegend) sind heute nur noch die Seitenpartien entlang der Nähte und die Halsborte mit Resten des Grundgewebes erhalten. Beim Vorderteil fehlt die Brustpartie. Das Gewebe ist insgesamt fleckig und weist mehrere Löcher und Risse auf. Die kleine Tunika ist nicht restauriert worden, sondern zeigt vielmehr den Zustand, in dem der Ausgräber Georg Schweinfurth (1836-1925) sie vor mehr als 100 Jahren in Arsinoë, der Hauptstadt des Faijum fand.
Sie ist aus drei Teilen zusammengefügt worden. Vorder- und Rückenteil wurden zuvor in einem Stück zugeschnitten. Im Gegensatz zu den in Form gewebten Tuniken verläuft die Kette hier vertikal. Die Ärmel bestehen aus einem rechteckigen Gewebeteil, das mit einer Kappnaht an die Armöffnung des Vorder- und Rückenteils genäht wurde; dabei wurde das Gewebe am oberen Abschluss leicht gekräuselt. Danach faltete man das Gewebeteil in der Mitte und schloss anschließend Tunikaseiten und Ärmel in einem Arbeitsgang ebenfalls mit einer Kappnaht. Unter der Achsel blieb ein Bewegungsschlitz mit sorgfältig gesäumten Kanten offen. In das Vorder- und Rückenteil wurde eine Halsöffnung mit vorne halbrunder und hinten gerader Kante geschnitten. Auf Höhe einer der Schultern sind, wie links im Bild zu sehen, Verschlusskordeln angebracht. Die halbrunde vordere Kante des Halsausschnitts ist mit einer dunkelblauen Borte mit hellem Muster besetzt, die sich rechts horizontal auf der Schulter fortsetzt. Eine entsprechende Borte verläuft über die gerade Kante am Rückenteil und reicht ebenfalls bis weit auf die Schultern. Im getragenen Zustand lagen die Bortenenden auf dem Vorder- und Rückenteil im Schulterbereich also parallel zueinander. Die Ärmelsäume sind mit den gleichen Borten besetzt, bei deren Aufnähen das Grundgewebe der Ärmel leicht gefältelt wurde. Alle Borten sind mit wechselständigen, verschachtelten Dreiecken und Halbkreisen verziert. Die Halbkreise sind aus gegenständigen Sicheln und kleinen Dreiecken am Scheitelpunkt gebildet. In der Mitte liegt je ein kleines Dreieck.
Tuniken und Kleider aus Leinen mit sehr ähnlichen, durch Lancierschüsse gemusterte Borten sind in Arsinoë mehrfach gefunden worden. Etliche Beispiele befinden sich heute im Museum für Byzantinische Kunst in Berlin. Angenähte Ärmel sind ein Kennzeichen von zugeschnittenen Kleidern mit ausgestellten Seiten (z. B. MBK Inv. 9988). Für Tuniken mit geraden Seiten wie hier sind sie eher untypisch.

Literatur: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil. Spielzeug - Kleidung - Kinderbilder aus Ägypten in den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 2009, S. 16-18, Nr. 3

(Cäcilia Fluck 2017)

Last updated: 30.06.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler