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Grabstein des Passauer Chorvikars Friedrich

Ident. Nr.: AE 251

ObjID: obj:2296836

Details (expert)

Dating
2. Viertel 14. Jahrhundert
Material / Technique
Knotenkalkstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 215 x 110 x 50 cm
Gewicht: 760 kg

Object Description

Umgeben von einer breiten Randleiste mit Umschrift zwischen Linien befindet sich das Relief eines Geistlichen unter einem in Ritzzeichnung ausgeführten Spitzbogen mit Maßwerkfüllung und Dreipässen in den oberen Zwickeln. Der in der Umschrift genannte Geistliche Friedrich trägt ein Messgewand (Kasel) über der Albe, sein unbedeckter Kopf ist tonsiert. Das sehr flache Relief vertieft sich merklich im Kopfbereich, wodurch den gekräuselten Haaren und der Kontur von Hals und Kinn Plastizität und ursprünglich wohl auch eine (durch spätere Abnutzung verloren gegangene) gewisse Individualität verliehen wurde, die der ansonsten standardisierten Darstellung fehlt.
Die nicht vollendete, fragmentarisch erhaltene Umschrift in gotischer Majuskel lautet: ANNO • D(OMI)NI • M • CCc • ‹---/---› FRIDR[ICVS (VICARIVS CHO?)]RI • PATAUIEN(SIS) • et • FVNDATOR • HUIUS • LOCI • O(BII)t („Im Jahre des Herrn 13-- starb Friedrich (Vikar in?) Passau und Stifter dieses Ortes“). Eine zweite Inschrift befindet sich auf einem wie ein Pallium vertikal von den gefalteten Händen abwärts und vom unteren Rand im spitzen Winkel nach recht laufenden Band: H(AEC) • REQ(UI)ES • MEA • I(N) S(E)C(U)L(U)M • S(E)C(U)LI • HI(C) • HABITAB[O // QUONIAM] ELEGI • EAM („Dies ist der Ort meiner Ruhe in Ewigkeit, hier werde ich wohnen, denn ich habe ihn erwählt“; Transkription, Ergänzung und Übersetzung nach Christine Steininger (Red.), Die deutschen Inschriften, Bd. 67 (Münchner Reihe, 10. Bd.): Die Inschriften der Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662, Wiesbaden).
Der Wortlaut der Inschrift lässt darauf schließen, dass die Platte für eine vom Dargestellten gestiftete Kirche oder Kapelle in oder außerhalb der Stadt Passau geschaffen wurde. Der abgetretene Zustand weist auf eine Platzierung im Fußboden, was auch ursprünglich der Fall gewesen sein könnte. Von einer sekundären Verwendung oder eher von einer Veränderung im Boden zeugt die regelmäßige v-förmige Abarbeitung im unteren Bereich. Nicht zuletzt deshalb ist es wahrscheinlich, dass die Platte bis zu ihrer Entfernung aus der Kirche, vielleicht erst im späten 19. Jahrhundert, stets gelegen hat.
Reduzierte Architekturrahmungen und Flachreliefs sind typisch für Passauer Geistlichengrabmäler des 14. Jahrhundert, wie insbesondere die zahlreichen erhaltenen Platten zeigen, die heute im ehemaligen Kreuzgang und in den Kapellen des Ostflügels des Passauer Doms aufgestellt sind. Das auffälligste Merkmal des Berliner Stücks ist der viel tiefer als die übrige Oberfläche ausgehauene Grund hinter dem Kopf. Solche unentschiedenen Vorgehensweisen zwischen Ritzzeichnung und partiell tieferer Gestaltung lassen sich im 14. Jahrhundert häufig beobachten. Damals waren die geistlichen Stifter einerseits zur bescheidenen Variante verpflichtet, hatten aber zugleich die immer aufwendigeren und plastischer ausgeführten Adels- und Rittergrabmäler – zum Teil in der eigenen Kirche – vor Augen. Dass die Platte eher in der ersten Hälfte des durch das vorgemeißelte MCCC gesicherten 14. Jahrhunderts, keinesfalls aber weit nach 1350 entstanden sein dürfte, zeigen die sehr verknappte Rahmenarchitektur, die stark reduzierten Falten und vielleicht auch die Frisur des Dargestellten.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 14.04.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

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