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Mutter mit Säugling im Arm

Ident. Nr.: SZ Kollwitz 38

ObjID: obj:2299324

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: 1910
Geographical references
Berlin,
Stadt
Provenance
Reinhold Puppel (1885-1956),
bis 25.11.1956
Sammlung Köhler,
927283
Kunst und Antiquitäten GmbH (1973-1990),
bis 14.5.1990
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Dimensions
Blattmaß: 59,1 x 46,0 cm

Object Description

Die Zeichnung geht [...] auf eine um 1909/10 datierbare Naturstudie mit dem authentischen Titel "Frau lullt Kind ein" [...] zurück, wobei jedes der drei Blätter bei nahezu gleichbleibender Gestik ein anderes Gefühlsmoment herausstellt. Während die Mutterfigur der Naturstudie ein von der körperlichen Nähe des Kindes genährtes, spontanes Glücksgefühl zum Ausdruck bringt, wirkt die Frau auf den beiden folgenden Bearbeitungen verhaltener und durch die geschlossenen Augen ganz nach innen gekehrt, so als mischten sich in ihre Zärtlichkeit gegenüber dem Säugling bereits Sorge und Angst vor seinem Verlust. Die den Ausschlag für die Datierung gebende andere Fassung wurde 1911 in der Zeitschrift "Kunst und Künstler" (Jg. 9, S. 172) veröffentlicht. Während die Mutter dort den Säugling mit ernsten Gesichtsausdruck fest drückt, vermittelt hier deren entspanntes, selig lächelndes Gesicht das Gefühl physischen und psychischen Wohlbehagens.
Im Zusammenhang mit der im Tagebuch der Künstlerin erwähnten Zeichnung einer Mutter, "die ihr Gesicht an ein ganz kleines Kind drückt" für den Mutterschutzbund in Leipzig (Kollwitz [28. September 1909] 1989, S. 55, Anm. S. 765) verweist Jutta Bohnke-Kollwitz ohne weiteren Kommentar auf die drei Fassungen von "Mutter mit Säugling
im Arm". Es ist daher möglich, daß die drei Blätter mit dem an gleicher Stelle genannten Gesuch des Leipziger Mutterschutzbundes in Verbindung stehen. Im September 1909 von diesem aufgefordert, "zu einem Werk eine Zeichnung zu geben", erfüllte die Künstlerin schon Anfang Oktober diese Bitte, indem sie "die Zeichnung Mutter mit Kind"
schickte (Kollwitz [6. Oktober 1909] 1989, S. 57). Der 1905 durch Helene Stöcker und andere gegründete Bund für Mutterschutz und Sexualreform trat für die Rechte unverheirateter Mütter ein, forderte die freie Verteilung empfängnisverhütender
Mittel und die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs.

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 101-102, Kat.-Nr. 119)

2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.

Last updated: 04.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72