Logo

Flucht nach Ägypten

Ident. Nr.: 14-1894

ObjID: obj:2342078

Details (expert)

Involved
Ausführung: Hendrick Goudt (um 1585-1648),
Stecher*in
Adam Elsheimer (1578-1610),
Inventor*in
Dating
Herstellung: 1613
Material / Technique
Radierung und Kupferstich
Dimensions
Plattenrand: 34,7 x 40,6 cm unten leicht beschnitten

Object Description

Die Bildfläche von Goudts Graphik ist nur unwesentlich kleiner als das Münchener Gemälde Elsheimers, das die beste Version seiner Vorlage bildet. Goudt besaß eines dieser Bilder als Sandart ihn in Utrecht besuchte, und zeigte es seinem Gast, was diesem Anlaß gab festzustellen, wie Goudts Druck, der jeden anderen Druck überrage, neben Elsheimers Werk verblasse.
Elsheimers Verbindung intimer Stimmungen mit einer mächtigen Landschaft und der gefeierten Beleuchtung durch drei verschiedene und unterschiedliche Lichtquellen ist in der Geschichte der Malerei prägend geworden. Den größten Meistern, unter ihnen Rubens und Rembrandt, ist Elsheimers Komposition Ausgangspunkt für eigene Werke geworden. Dabei dürfte eine nicht geringe Rolle die hervorragende Wiedergabe Goudts gespielt haben. Diese wie auch seine übrigen Stiche sind ihrerseits prägend geworden für graphische Nachtdarstellungen in den Niederlanden, sogenannte »schwarze« Drucke, die schließlich in Rembrandts Graphik kulminieren.
Insgesamt sind nur sieben Kupferstiche Goudts bekannt, alles Reproduktionen von Elsheimer-Tafeln. Die ersten entstanden noch in Rom, wo beide einige Zeit im selben Haus wohnten, die übrigen nach der Rückkehr in die Heimat und nach des Malers Tod. Bei diesen letzten Drucken wird der Urheber der Vorlage allerdings verschwiegen.
Die Flucht nach Ägypten ist Goudts einziges Blatt, bei dem er starken Gebrauch von der Ätztechnik macht. Die Laubmassen der Bäume bestehen aus einem dichten Gitter radierter Linien, deren matter Ton ein tiefes samtartiges Schwarz erzeugt. Auch in der Partie des Himmels wird die Technik deutlich, wo lange parallele Linien stumpf enden, um den Papierton als das helle Licht eines Sternes freizugeben. Ebenso meisterhaft charakterisiert andererseits die »gestochene« Schärfe gravierter Linien jene Stellen, die von den drei Lichtquellen, dem Mond, der Lampe Josephs und dem Hirtenfeuer, hell hervorgehoben werden.
Neben den sieben Kupferstichen kennt man den in Rom als Henrico pittore belegten Goudt heute allein noch als Zeichner, wobei seine Blätter, von denen eine Anzahl im Berliner Kabinett bewahrt werden, lange Zeit für Werke seines großen deutschen Vorbildes gehalten wurden.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 194f., Kat. IV.37 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)