Logo

Die Frau auf der Straße (La femme sur la route)

Ident. Nr.: 15-1929

ObjID: obj:2343555

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Camille Pissarro (1830 - 1903),
Stecher*in
Date(s)
Herstellung: 1879
Additional titles
Collection title: Die Frau auf der Straße (La femme sur la route)
La femme sur la route
Dimensions
Blattmaß: 27,4 x 36,3 cm
Plattenrand: 15,3 x 21 cm

Object Description

Pissarro hinterließ von allen französischen Impressionisten das vielseitigste und umfangreichste graphische Œuvre. Sein schöpferischer, experimentierfreudiger Umgang mit den verschiedenen Techniken findet in dieser Zeit allein bei Degas (Kat. VII.54) eine Parallele. Als der Erfahrenere beeinflußte letzterer Pissarros druckgraphische Entwicklung ganz wesentlich, indem beide Künstler in einer entscheidenden Umbruchphase eng auf diesem Gebiet zusammenarbeiteten. Durch Degas wurde Pissarro, der bis dahin noch keinen eigenen Radierstil gefunden hatte, um 1879 zu experimentellen Versuchen mit den Ätzverfahren, vor allem der Aquatinta, angeregt, in technischen Dingen beraten und beim Drucken unterstützt. Pissarros Entwicklung eines spezifisch impressionistischen Stils beginnt in dieser Experimentierphase mit Landschaftsdarstellungen. Während Degas auch im druckgraphischen Bereich, von Ausnahmen abgesehen, bei der Figurenzeichnung blieb, lag eine der Hauptstärken Pissarros in der Gestaltung von Landschaften. Diese sind als sein wichtigster und originellster Beitrag zur französischen Graphikbewegung anzusehen.
Als Beispiel für Pissarros spontanen malerischen Umgang mit dem Medium zeigen wir hier »La femme sur la route«, das wohl erstaunlichste Werk aus der Frühphase. Obwohl nicht vor dem Motiv, sondern in einem langwierigen Arbeitsprozeß im Atelier entstanden, wirkt es wie eine flüchtige Momentaufnahme. Durch die Verwendung verschiedener Aquatinta-Körnungen, von Stufenätzung und Abdeckverfahren erzeugt der Künstler breite, die Komposition gliedernde Tonflächen unterschiedlicher Farbwirkung, die im Bereich der Landschaft sowie auf dem Weg mit der Radiernadel grob strukturiert werden. Ein besonderer Reiz dieser Darstellung besteht in dem Kontrast zwischen der relativ ruhig gehaltenen unteren Bildhälfte und den mit dem Pinsel lavierten bewegten Wolkenmassen im oberen Teil.
Unter den wenigen bekannten alten Drucken der Platte ist das Berliner Exemplar vom 2. Zustand eine besondere Rarität.

Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 402f., Kat. VII.53 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 24.08.2026

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Das Kolosseum in Rom, von der Seite des Palatin gesehen

Das Kolosseum in Rom, von der Seite des Palatin gesehen

Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72