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Reliquiarkreuz (Enkolpion)

Ident. Nr.: 2490

ObjID: obj:2346219

Details (expert)

Involved
Dr. phil. Wilhelm von Bode (1845-1929),
Vorbesitzer*in; Archive
Dating
Datierung: 8./12.Jahrhundert
Material / Technique
Kupferlegierung
Dimensions
Höhe: ohne Ösen 4,7 cm
Breite: 3,4 cm

Object Description

Das Reliquiarkreuz besteht aus zwei aufeinanderpassenden, oben durch ein Scharnier verbundenen Hälften. Mittels Ösen und einem Stift konnte es am unteren Ende verschlossen werden. Der Schmuck ist gravier, aber stark verrieben. Auf einer Seite ist der Christus, bekleidet mit langem ärmellosen Gewand (Kolobion), an das Kreuz genagelt. Seine Füße stehen auf einem Querbrett, über ihm ist eine Inschrifttafel, allerdings ohne Inschrift, an dem Kreuz angebracht. Sein Haupt umgibt ein Kreuznimbus. Zuseiten seines Kopfes sind Reste der Inschrift IC XC NIKA, übersetzt Jesus Christus möge siegen, erhalten. Die andere Seite des Reliquiarkreuzes nimmt Maria ein. Sie trägt ein knöchellanges Gewand und darüber ein Schultertuch. Den Kopf umhüllt entweder eine Falte des Schultertuches oder eine eigenständige Haube. Ihre Hände sind betend erhoben. Über ihrem Kopf ist ein Kreuz eingraviert. Zuseiten Mariens stehen die griechischen Buchstaben ΘΕΟΤ[Ο]ΚΟY, was Gottesgebärerin bedeutet, ein Beiname, den Maria offiziell 431 auf dem Konzil zu Ephesos verliehen bekam.
Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen.
Das Reliquiarkreuz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.

Last updated: 24.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)