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Reliquiarkreuz, Hälfte (Enkolpion)

Ident. Nr.: 2498

ObjID: obj:2346276

Details (expert)

Involved
Dr. phil. Wilhelm von Bode (1845-1929),
Vorbesitzer*in; Archive
Dating
Datierung: 8./12.Jahrhundert
Material / Technique
Kupferlegierung
Dimensions
Höhe: ohne Ösen 7,2 cm
Breite: 4,5 cm

Object Description

Das Reliquiarkreuz besteht aus zwei aufeinanderpassenden, oben durch ein Scharnier verbundenen Hälften. Mittels Ösen und eines Stiftes konnte es am unteren Ende verschlossen werden. Zwei der oberen Ösen sind abgebrochen. Der rechte Kreuzarm jeder Hälfte ist durch Fehlstellen beschädigt. Der Schmuck ist graviert. Auf der einen Seite steht frontal Maria, bekleidet mit knöchellangem Gewand und darüber einem Schultertuch. Den Kopf umhüllt eine Haube. Ihre Hände sind betend erhoben. Vor ihrem Körper, scheinbar schwebend, ist das ebenfalls frontal gegebene Christuskind sichtbar, gekleidet in langes Gewand und Kapuzenmantel. Maria wird über ihrem Kopf in griechischer Schrift als ΠΑΝΑΓΗΑ, also Allheilige bezeichnet. Auf der anderen Seite steht ein Heiliger, ebenfalls frontal und mit betend erhobenen Händen. Von seiner linken hängt ein stark stilisiertes Räuchergefäß herab, in seiner rechten hält er ein Kreuz oder Stock mit T-förmiger Krücke. Er scheint einen vorn in der Mitte offenen, reich mit Schmuckborten besetzten wadenlangen Mantel zu tragen und ornamentierte Strümpfe oder Stiefel. Über sdeinem Kopf wölbt sich eine Kreislinie. Dabei kann es sich entweder um eine dichte Haarkalotte, eine eng anliegende Kopfbedeckung oder erinen Nimbus handeln. Über dem Kopf wird der Dargestellte in einer auf zwei Zeilen verteilten Inschrift als Ο ΑΓΗΟΣ ΣTEΦΑΝΟΣ, also als heiliger Stephanos benannt.
Reliquiarkreuze wurden um den Hals getragen. Sie konnten in dem von den beiden Kreuzhälften umschlossenen Zwischenraum Reliquien oder Eulogien von Heiligen enthalten, um dessen oder deren Schutz auf den Träger zu übertragen.
Das Reliquiarkreuz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.

Last updated: 24.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)