Logo

Figur eines jugendlichen Kriegers, wahrscheinlich ursprünglich Verzierung eines Gerätes oder Gefäßes

Ident. Nr.: 2517

ObjID: obj:2347770

Details (expert)

Involved
Dr. phil. Wilhelm von Bode (1845-1929),
Vorbesitzer*in; Archive
Dating
Datierung: 5./13. Jahrhundert
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe: 9 cm

Object Description

Die Figur ist durch ihre Bekleidung mit einem kurzen, gegürteten Waffenrock als Krieger zu identifizieren. Das Kleidungsstück ist mit einem ausladenden Kragen ausgestattet, von dem bandartige Streifen zum Gürtel hin und auf die Schultern ausgehen. Von den Beinen ist das linke ganz sowie der Fuß des rechten abgebrochen. Doch lässt sich noch erkennen, dass die Figur faltige, am Knie zusammengeschnürte Hosen und hohe Schaftstiefel trug. Die linke Hand liegt am Gürtel, von dem ein kurzes Band herabhängt und der zur linken Seite des Kriegers herabzieht. Wahrscheinlich hing dort ein nicht erhaltenes Schwert herunter. Die rechte Hand ist ausgestreckt. Sie umfasste ein verlorenes Objekt, wahrscheinlich eine Lanze oder die Stange eines Banners oder Heroldschildes. Die Haare breiten sich von einem Wirbel aus nach allen Seiten glatt aus, sie fallen gerade beschnitten in die Stirn und seitlich bis über die Ohren.
Analog zu Figuren ähnlicher Größe wird auch diese Figur eine Lampe oder ein Gefäß als Aufsatz verziert haben.
Die Figur wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.

Last updated: 24.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)