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Valentinianus I. und Valens

Ident. Nr.: 18200868

ObjID: obj:2353713

Details (expert)

Date(s)
ca. 364-375 n. Chr.
Geographical references
Fundort: Polen,
Land
Material / Technique
—
Dimensions
Gewicht: 242,49 g
Durchmesser: 84 mm

Object Description

Vorderseite: R-ES-IS - ROMA-NO-R-VM [RESIS statt REGES]. Zwei antithetische Kaiserbüsten, beide mit Diadem, der Herrscher l. die r. Hand ausstreckend, der Herrscher r. mit der l. Hand am Schwertgriff.

Rückseite: GLORIA ROMANOR-V-M // A-N. Kaiser mit Nimbus reitend nach r., vor ihm die Tyche von Antiochia mit Mauerkrone, in der l. Hand eine Fackel haltend. Im Abschnitt eine liegende weibliche Gestalt mit Füllhorn nach r.

Kommentar: Gehenkeltes Goldmedaillon, barbarische Nachahmung. Entspricht ungefähr 48 Solidi (218,40 g) ohne die Tülle, Dm 75 mm ohne Tülle, 84 mm mit. Laut Dressel geprägt, möglicherweise gepresst. Die Rückseite ist stempelgleich mit einem weiteren Barbarenmedaillon aus dem Fund von Szilágysomlyó, dort die Vorderseite mit Namen des Valens. Da Valens nur 364-367 n. Chr. bzw. sechs Tage im Jahre 375 zusammen mit Valentinianus I. bzw. Gratianus regierte, ist das Vorbild für dieses Medaillon wahrscheinlich 364-367 n. Chr. entstanden. - Flavius Valentinianus war 321 n. Chr. in Cibalae in Pannonien geboren und hatte als Militär gedient. Sein Vater Gratianus war ein anerkannter Kommandeur gewesen. Unter Iovianus war er zeitweise in Ungnade gefallen, aber von Iovianus wieder an den Hof geholt worden. Am 26.2.364 n. Chr. wurde Valentinianus I. in Nikaia zum Augustus erhoben und ernannte bereits am 28.3. diesen Jahres seinen Bruder Valens zum gleichrangigen Mitherrscher. Valentinianus I. starb am 17.11.375 n. Chr. bei Brigetio in Pannonien an einem Blutsturz in Folge eines Wutanfalles. - Flavius Valens (geb. um 328 n. Chr.) war der Bruder des Valentinianus I. und wie dieser ein Sohn des älteren Gratianus, eines angesehenen Kommandeurs. Am 28.3.364 n. Chr. wurde er von seinem Bruder zum Mitherrscher ernannt und war nun für den Osten des Reiches zuständig. Seit dem Tode des Valentinianus am 17.11.375 n. Chr. war Valens nun „Maximus Augustus“, neben dem Sohn des Valentinianus I., Gratianus, der seit 367 ebenfalls den Rang eines Augustus bekleidete. Valens fiel am 9.8.378 n. Chr. in der Schlacht bei Hadrianopolis (Edirne) gegen die Goten.

Literatur: K. Regling, Ein Goldmedaillon von 48 Solidi, Berliner Museen. Berichte aus den preussischen Kunstsammlungen 49, 1928, 67-70 mit Abb. (dieses Stück); H. Dressel, Die römischen Medaillone des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin (1973) 400 ff. Nr. 265 Taf. 29 (dieses Stück); A. Bursche, Later Roman-Barbarian contacts in central Europe. Numismatic evidence. Studien zu den Fundmünzen der Antike (SFMA) 11 (1996) 213 f. Nr. 231 (dieses Stück); A. Bursche, Złote medaliony rzymskie w Barbaricum (1998) 254 Nr. 33 Taf. J (dieses Stück); A. Bursche, Roman medallions in Barbaricum. Symbols of power and prestige of Germanic élite in Late antiquity in: B. Kluge - B. Weisser (Hrsg.), XII. Internationaler Kongress Berlin 1997. Akten II (2000) 758 ff. 764 f. Taf. 4 a (dieses Stück); B. Weisser, Das Goldmedaillon aus dem Schatzfund von Zagórzyn in: F. Reinert (Hrsg.), Moselgold. Der römische Schatz von Machtum. Katalog zur Ausstellung im Musée national d’histoire et d’art Luxembourg (2008) 87-90 mit Abb. (dieses Stück); K. Dahmen in: G. Köster - M. Puhle (Hrsg.), Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter (2012) 299 Nr. II.49 b mit Abb. (dieses Stück).

Weitere Informationen zum Objekt finden Sie hier: https://ikmk.smb.museum/object?id=18200868

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Münzkabinett

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Athen

Athen

Vorderseite: Kopf der Athena nach r. Die Göttin trägt Ohrschmuck und einen attischen Helm, der mit drei senkrecht stehenden Olivenblättern geschmückt ist.Rückseite: A-Θ-E. In Vorderansicht aufrecht stehende Eule mit abgespreizten Flügeln in einem vertieften Viereck (sog. quadratum incusum), im l. F. oben ein Olivenzweig mit zwei Blättern.Kommentar: Kleine Stempelverletzung über dem Auge der Athena auf der Vs. - Am Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. beschlossen die Tyrannen von Athen, ihre Münzen zu verändern. Die alten Münzen mit bis zu 12 verschiedenen Bildmotiven eigneten sich nicht mehr für die Bedürfnisse des Fernhandels. Es wurde eine neue Einheitsmünze geschaffen, die heute zu den bekanntesten antiken Münzen überhaupt zählt. Sie zeigt auf der Vorderseite den behelmten Kopf der Stadtgöttin Athena. Auf der Rückseite ist in einem vertieften Quadrat (sog. quadratum incusum) eine stehende Eule dargestellt. Sie hält den Körper in Dreiviertelansicht zur Seite gewandt. Ihr Kopf aber ist frontal auf den Betrachter gerichtet, den sie aus großen runden Augen anblickt. In der langen Reihe der gleichförmigen athenischen „Eulen“ findet sich nur ein einziger Typ, der aus dem Rahmen fällt. Diese besondere Münze ist eine Dekadrachme, eine Münze im Wert von 10 Drachmen. Üblich waren in Athen Tetradrachmen, Münzen im Wert von vier Drachmen. Das Dekadrachmon überragte alle anderen athenischen Münzen an Größe und Gewicht. Der zweite Unterschied liegt im Aussehen der Eule. Sie steht aufgerichtet in Frontalansicht mit weit ausgebreiteten Flügeln vor dem Betrachter. Dieses Bild ist so auffallend, dass ihm eine besondere inhaltliche Bedeutung beigemessen werden muß. In welcher historischen Situation wurde diese Münze geschaffen? Das Dekadrachmon läßt sich aufgrund von Schatzfunden in die Jahre kurz nach 467 v. Chr. datieren. Das Trauma der Zerstörung Athens und der Akropolis durch die Perser lag zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre zurück. Athen hatte in dem Delisch-Attischen Seebund ein Kampfbündnis gegründet, für das es mit vielen Inseln und Küstenstädten bilaterale Verträge geschlossen hatte. In den Jahren nach 480 v. Chr. drängten die Flotten unter athenischer Leitung die Perser immer weiter aus der Ägäis zurück. 467 war es den Athenern unter ihrem Admiral Kimon gelungen, die Perser an der Südküste der Türkei am Fluß Eurymedon (heute Köprü-Su bei Aspendos) vernichtend zu schlagen. Neue Städte traten dem Seebund bei, die unmittelbare Persergefahr schien gebannt. Athen gewann aus diesen Siegen Selbstbewußtsein und wuchs in die Führungsrolle hinein. Das Dekadrachmon, das für Großzahlungen im Fernhandel genutzt wurde, scheint nur vor dem Hintergrund dieser Siege verständlich. Die frontal stehende Eule mit den weit abgespreizten Flügeln, angriffsbereit und aggressiv, spiegelt den neuen Stolz der Athener infolge der Siege über die Perser. Für sich selbst und nach außen demonstrierten sie mit dem Münzbild ihre Bereitschaft zur Übernahme von Macht und Herrschaft. Es sind nur wenige Dekadrachmen überliefert, sie zählen heute zu den ganz großen numismatischen Raritäten. Diese Seltenheit zeigt, daß diese Münzen nicht in dem erwarteten Maße akzeptiert wurden, wohl nicht einmal bei der eigenen Bevölkerung. In Athen begann die Diskussion, wie man mit der aus dem Schutzbündnis entwachsenen neuen Weltlage umgehen sollte. Möglicherweise wurde wegen dieser Diskussionen das Dekadrachmon mit der „Kampfeule“ wieder abgeschafft. Als zu symbolträchtig mag man in einer bildarmen Zeit die Bildsprache auf den Münzen, dem einzigen Massenmedium der Antike, empfunden haben. In einer Zeit, in der der Delisch-Attische Seebund noch zu Bundesversammlungen zusammentrat, mochte aggressives Führungsstreben befremden. Wenige Jahre später wurde der Hegemonialanspruch Athens (gr. Arché) unverblümt erhoben. Die Bundeskasse wurde 454 v. Chr. von Delos nach Athen in den Parthenon verlagert, und Athen verlangte von den Bundespartnern, die eigenen Münzprägungen zugunsten der athenischen Eulen aufzugeben.Literatur: W. S. W. Vaux, Numismatic Chronicle 1853, 30 (dieses Stück); A. von Prokesch-Osten, Inedita meiner Sammlung autonomer altgriechischer Münzen (1854) 29 Taf. 2,76 (dieses Stück); F. Mainzer, Das Dekadrachmon von Athen, ZfN 36, 1926, 37-54; Ch. Seltman, Athens. Its history and coinage before the Persian invasion (1924) 211 Nr. 446 Stempel A301/P381 Taf. 20 (dieses Stück, ca. 486 v. Chr., löste eine rege Diskussion über die Datierung aus); A. von Sallet - K. Regling, Die antiken Münzen ³(1929) 11 mit Abb. (dieses Stück); P. R. Franke - M. Hirmer, Die Griechische Münze ²(1972) Nr. 357 Taf. 12 (dieses Stück); W. Fischer-Bossert, The Athenian Decadrachm. ANS Numismatic Notes and Monographs 168 (2008) 33 f. Nr. 1 Taf. 1, A; 9 (dieses Stück, mit Lit.). - Zur Erwerbungsgeschichte vgl. auch ebd. 81-83. - Zur Person Prokeschs s. D. Bertsch, Anton Prokesch von Osten (1795-1876). Ein Diplomat Österreichs in Athen und an der Hohen Pforte. Beiträge zur Wahrnehmung des Orients im Europa des 19. Jahrhunderts (2005).Weitere Informationen zum Objekt finden Sie hier: https://ikmk.smb.museum/object?id=18200870

Priscus Attalus

Priscus Attalus

Vorderseite: PRISCVS ATTA-LVS P F AVG. Drapierte Panzerbüste des Priscus Attalus mit Diadem in der Brustansicht nach r.Rückseite: INVICTA RO-MA AETERNA // RMPS. Thronende Roma in der Vorderansicht, die l. Hand auf einen Speer gestützt, in der r. Hand ein Globus, darauf der Roma zugewandte Victoria mit Kranz und Palmzweig.Kommentar: Dieses Multiplum entspricht ungefähr 1/4 des röm. Pfundes (eigentlich 81 g) und damit, bei einem Verhältnis von Gold zu Silber von 1:18, einem Solidus (s. RIC X S. 14; Ph. Grierson - M. Mays, Catalogue of Late Roman coins in the Dumbarton Oaks Collection and in the Whittemore Collection (1992) 223. - Priscus Attalus war eng mit dem Senat in Rom verbunden, für den er als Botschafter bei Verhandlungen mit den Westgoten 408 n. Chr. tätig war. Er selbst hatte senatorischen Rang inne, war griechischer Abstammung und gehörte als Nicht-Christ zum Umkreis des Symmachus (er hatte selbst literarisches Talent). Priscus Attalus wurde im Januar 409 zum comes sacrarum largitionum und im selben Jahr auch zum Präfekten der Stadt Rom ernannt. In Absprache mit dem Westgoten König Alarich ernannte er sich angesichts der erwiesenen Unfähigkeit des Honorius im Herbst 409 n. Chr. zum Kaiser. Auch ließ er sich durch einen gotischen (damit arianischen) Bischof taufen. Es gelang den beiden Verbündeten nicht, Honorius aus Ravenna zu vertreiben und bald darauf wurde Priscus Attalus im Juni 410 n. Chr. in Rimini enthront, von den Goten inhaftiert und zugleich von Honorius begnadigt. Er verblieb in gotischer Haft, wurde nach Gallien verbracht und von dem neuen Westgotischen König Athaulf im 415 n. Chr. zum zweiten Mal zum Kaiser ausgerufen. Völlig abhängig von den Westgoten wurde er durch Constantius III. im Mai oder Juni 416 n. Chr. gefangen genommen. Honorius ließ ihm Zeigefinger und Daumen abschneiden (eine Strafe, die Priscus Attalus dem Honorius zugedacht hatte) und auf der Insel Lipari inhaftieren. Dort starb Priscus Attalus nach 417 n. Chr.Literatur: H. Dressel, Die römischen Medaillone des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin (1973) 414 ff. Nr. 282 Taf. 31 (dieses Stück); RIC X Nr. 1408 (dieses Stück); A. von Sallet - K. Regling, Die antiken Münzen ³(1929) 140 mit Abb. (dieses Stück).Weitere Informationen zum Objekt finden Sie hier: https://ikmk.smb.museum/object?id=18200872