Logo

Seidengewebe mit Jahreszeiten-Fächern

Ident. Nr.: 1887,19

ObjID: obj:2390209

Details (expert)

Date(s)
1896
Dimensions
Höhe x Breite: 112 x 69 cm

Object Description

Dieses prachtvolle Seidengewebe illustriert die Vollkommenheit der japanischen Seidenweber. Vor silbergrauem Fond stehen in freier, asymmetrischer Verteilung neun goldgerahmte Fächer mit unterschiedlich weit geöffneten Blättern. Jeder Fächer ist mit lilafarbenen Glücksknoten geschmückt, deren lange, lose Bänder algenartig hin- und herschwingen. Sie überkreuzen sich in lockerem Verlauf mit goldfarbenen Wellenbändern, deren aufsteigende s-förmige Schwünge eine sich kräuselnde Wasseroberfläche simulieren. Die Darstellungen auf den Fächern geben den Verlauf der Jahreszeiten wieder, von der Kirschblüte des Frühjahrs über die Schneeballblüten, die Hahn und Henne im Frühsommer begleiten, zu hochsommerlichen Schmetterlingen und über die rot-gold gefärbten Ahornblätter des Herbstes hin zur winterlichen Darstellung einer Ente auf eisigem Wasser unter von Raureif bedeckten Zweigen.
Die Schönheit des Gewebes wird durch den feinfühligen Einsatz der Farben, durch die Wahl der Garne sowie durch wechselnde Bindungseffekte bestimmt. So finden sich alle kräftigen Töne in den Fächern, ausgeführt in ungezwirntem Garn, das auf der Vorderseite flottiert und dadurch besonders plastisch wirkt. Ein Bindungswechsel, Satinbindung für den Grund außerhalb der Fächer und Ripsbindung innerhalb der Fächer, führt zu unterschiedlichen Grautönen, denen jedoch dasselbe silbergraue Garn zugrunde liegt.
Das Gewebe entstand als Musterprobe in den Werkstätten von Kawashima Jinbei, eines noch heute führenden japanischen Seidenherstellers. 1886 besuchte Kawashima Jinbei II (1853–1910) Berlin, zusammen mit Graf Yajiro Shinagawa (1843–1890), der von März bis Dezember 1886 als Kaiserlicher Gesandter in Berlin akkreditiert war. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Graf die Gewebeprobe dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1831–1888, reg. 1888), der sie 1887 dem Kunstgewerbemuseum übergab. CW

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa