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Küchenszene

Ident. Nr.: AE 557

ObjID: obj:2436872

Details (expert)

Date(s)
1540 - 1550
Dimensions
Höhe x Breite: 29,3 x 21,5 cm
Acquisition
Für die Abteilung der Bildwerke der christlichen Epochen erworben 1927 aus der Sammlung Dr. James Simon, Berlin.

Object Description

Inschrift in frühhumanistischer Kapitalis aus dem braunen Randstreifen radiert und mit Silbergelb hinterlegt: WIR• HEFFEN • GVT • WILDT(?)N • WILL • DE • WER • ESSE • GA • TOM • DISCK • DE • KOC • WILL • RICHTEN • AN • (Wer gutes Wild haben will, der wird essen gehen zum Tisch und der Koch wird anrichten). Der Dialekt ist nicht eindeutig, eine Mischung aus Nieder- und Hochdeutsch, mit vereinzelten Anklängen an ripuarische Mundart.
Die Scheibe wurde vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhundert rechteckig gefasst und im unteren und oberen Rand mit sechs Fragmenten barocker nicht zugehöriger Glasmalereien kompiliert. Der rote Rand höchstwahrscheinlich neu.
Hauptfigur der Szene ist der Koch, der in ausgeprägtem Kontrapost in der Bildachse steht. Den Kochlöffel in der Rechten, betrachtet er zufrieden die mit Wildbret gefüllte Schale auf dem Tisch, die eine junge Magd gerade aufnimmt, um sie zu servieren. Die Küche ist ein aus großen Steinen gemauerter Raum mit einem auf halber Höhe umlaufenden breiten Sims, das als Ablage für zwei Siebe und eine große runde Schale dient. Die linke Seite nimmt ein Rauchfang ein, unter dem über Holzscheiten zwei große drei- oder vierbeinige Kessel stehen. Eine ähnliche Szene mit einem Koch, der einen Hasen ausweidet, zeigt der Titelholzschnitt von Hans Burgkmair zu einer 1510 erschienenen Predigtsammlung des Johannes Geiler von Kaisersberg. Doch anders als dieses geistreich auf eine theologische Interpretation anspielende Motiv, scheint das Thema des Glasgemäldes schlicht, als versuche es mit den Figuren von Koch und Magd, der Küche und der zubereiteten Speise lediglich den Inhalt der Beischrift wörtlich ins Bild zu setzen. Indem es den Koch bei seiner Arbeit zeigt, reiht es sich in das im 16. Jahrhundert neu entstandene Genre der Berufsdarstellungen ein.
Umschrift, Tisch, Kochlöffel und Holzscheite sowie Details der Kleidung – Hose, Ärmel des Kochs, Mieder, Gürtel und Kragen der Magd – sind silbergelb getönt, Gesichter, Arme und Hände zart mit Eisenrot koloriert. Technik, Stil: Die Szene ist in eher flüchtigen Linien und großzügigen
Lasuren ohne sonderliche maltechnische Raffinesse ausgeführt und bietet kaum Anhaltspunkte für eine regionale Zuordnung, lässt sich allerdings aufgrund des Dialekts der Beischrift an den Niederrhein lokalisieren. Ungefähre Hinweise auf ihre zeitliche Entstehung bietet die Kleidung des Kochs, der wie der Koch auf Burgkmairs Holzschnitt von 1510 ein Wams mit breiten geschlitzten Puffärmeln, eng anliegende Hosen mit Knieschonern und breite, scherzhaft Kuh- oder Ochsenmäuler genannte Schuhe trägt. Das Hausgewand der Magd hingegen – Rock, langärmeliges geschnürtes Mieder mit Stehkragen, Hemd und Brusttuch – war fast das ganze Jahrhundert über aktuell. Unabhängig von den modischen Details möchte man die Ausführung der Scheibe vor allem aufgrund ihres volkstümlichen Stiles jedoch erst um 1540/50 ansetzen.
CVMA 98784

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

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Der achtkantige Zeremonialstab besteht aus einer Handhabe, zwei Schaftstücken und einer Bekrönung in der gerippten Form eines Streitkolbens mit acht Schlagblättern. Zwischen diesen Teilen befinden sich vier facettierte Knäufe. Schmale Zierreifen aus vergoldetem Silber verdecken die Stöße der einzelnen Jaspisteile. Dem Schaft sind zwei silbervergoldete Manschetten angelegt, um Bruchstellen im Stein zu sichern. Während eine Eichel den oberen Abschluss des Stabes bildet, ist am unteren Ende der Handhabe das Monogramm Karls des Großen (* 748, Reg. 768–814) eingraviert, das dem Werk seinen ehrwürdigen Namen eingebracht hat. Ein Achatstab im Kunsthistorischen Museum Wien ist dem Berliner Exemplar sehr eng verwandt, er zeigt jedoch keine Montierungen. Zeichnungen aus der Zeit um 1573 und gegen 1753 sowie stilkritische und materialanalytische Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass die Silberfassungen am Berliner Stab das Resultat von drei verschiedenen Bearbeitungsphasen sind. Erst mit der zweiten – im Zeitraum zwischen den beiden Zeichnungen erfolgten – Veränderung der Montierung erhielt er durch das Karlsmonogramm auf der erneuerten Kalotte der Handhabe sein Signum als angebliches Zepter Karls des Großen.Die früheste Erwähnung als Zepter Karls findet sich in den um 1600 entstanden Werdener Klosterannalen: „Karls Zepter, aus Jaspis gefertigt dessen sich die Äbte bei den fürstlichen Amtshandlungen und bei den Belehnungen der Großen bedienen. Dabei wird es bei der Eidesleistung zur größeren Bekräftigung des Treueversprechens mit der Hand berührt.“ Eine Zeichnung im Lehensbuch des Abtes Heinrich Duden (Abbatiat 1573–1601) zeigt am unteren Abschluss der Handhabe abweichend vom heutigen Zustand eine segmentierte Kalotte ohne Karlsmonogramm, die man als Werk des 16. Jahrhunderts ansprechen möchte. Es ist zweifelhaft, ob diese älteste Silbermontierung des Werkes auch seine ursprüngliche war oder ob sie womöglich selbst schon das Resultat einer ersten Umarbeitung des zunächst ohne eine zierende Metallfassung geschaffenen – dem Wiener Stab dann einst tatsächlich zwillingshaft ähnlichen – Werkes darstellt.Heinrich Duden beschreibt in einer wohl im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts entstandenen „Nota de usu sceptorum“ den Gebrauch des „sceptrum maius ex iaspide factum“, das dem Abt bei Prozessionen vom Marschall voran getragen und bei Belehnungen von Personen hohen Standes benutzt wurde. Vielleicht spiegelt sich in der sprachlichen Wandlung von dieser rein deskriptiven Bezeichnung des Werkes hin zur historisierenden Benennung als „Caroli sceptrum“ in den nur wenige Jahrzehnte jüngeren Klosterannalen eine Übertragung der auf dem angeblichen Gründungsprivileg beruhenden Werdener Karlstradition auf das Lehenszepter aus Jaspis, die schließlich zur Anbringung jener so nachdrücklich um Legitimationsstiftung bemühten Gravur des Karlsmonogramms geführt hat.In seiner Funktion als Lehenszepter, als Insignum weltlicher Macht, kann der Zeremonialstab den reichsunmittelbaren Werdener Fürstäbten nur vom Kaiser selbst verliehen worden sein. Die Hypothese in ihm ein Geschenk des kaiserlichen Lehensherren an die Abtei Werden anlässlich der Abtswahlen der Jahre 1520 oder 1540 zu sehen, erscheint nicht abwegig. Vielleicht war eine solche Insignienverleihung der Anlass für die Anbringung einer ersten Silbermontierung an dem älteren Jaspisstab. LL

Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR