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Verspottung des Vergil

Ident. Nr.: AE 558

ObjID: obj:2439880

Details (expert)

Date(s)
um 1550
Material / Technique
Glas, farblos; Schwarzlot, Silbergelb
Dimensions
Durchmesser: 23 cm

Object Description

Um die Biografie des berühmten römischen Dichters Vergil (70-19 v. Chr.) hatten sich im späten Mittelalter zahlreiche Legenden gebildet. In der um 1280 verfassten Weltchronik des Wieners Jans der Enkel wird berichtet, Vergil habe bei der Gartenarbeit eine Flasche mit Teufeln gefunden, die ihm ihre Kunst beibrachten. Er schuf eine weibliche Statue, welche unkeusche Gedanken vertrieb, begehrte aber selbst die tugendhafte Frau eines Mitbürgers. Diese entschloss sich daraufhin, ihn bloßzustellen. Sie bot ihm an, ihn in einem Korb des Nachts zu sich ins Gemach hochzuziehen, liess ihn aber auf halber Höhe hängen, wo Vergil am folgenden Tag zum Gespött der Mitbürger wurde.
Die bildliche Darstellung des "Vergil im Korbe" fand vor allem im 16. Jahrhundert Verbreitung, etwa in einem Kupferstich des Georg Pencz von 1541/42, dem die Rundscheibe in einzelnen Details verpflichtet ist. LL

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR