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Skiläuferin (Modellnummer 266)

Ident. Nr.: WA Por 8

ObjID: obj:2440396

Details (expert)

Creator/Entity
Entwurf: Joseph Wackerle (1880 - 1959),
Bildhauer*in
Ausführung: Nymphenburger Porzellanmanufaktur (1747-),
Hersteller*in
Ausführung: Ludwig Carl Frenzel (1857 - 1933),
Porzellanmaler
Date(s)
Ausführung: 1909
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Nymphenburg
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 35,5 x 20 x 31 cm

Object Description

Auf rechteckiger Plinthe, mit Schnee bedeckt, steht die Dame auf Skiern in schwungvoller Bewegung. Bekleidet ist sie sportlich in flatterndem Rock, Wollpullover, fliegendem Schal und Mütze, die sie mit einer Hand festhält.

Das figürliche Porzellan der Jugendstilepoche öffnete sich zeitgenössischen Themen und knüpfte damit, wenn auch unter gänzlich veränderten gesellschaftlichen Voraussetzungen und stilistischen Prämissen, an die Rokoko-Zeit an, als Johann Joachim Kaendler in Meißen das Genre der Kabinettstücke geschaffen und hier die typischen Moden und Beschäftigungen der Aristokratie zum Thema gemacht hatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es die Themen Sport, Mode und Tanz, die der Porzellanplastik eine moderne Ausrichtung verliehen. Die dabei verwendete Unterglasur-Farbpalette griff die skandinavischen Impulse auf, die seit 1889/90 für einen neuen Porzellanstil gesorgt hatten. Die emanzipierte, dynamisch-kokette Frau wurde zum beliebten Sujet der großen deutschen Manufakturen wie Berlin, Nymphenburg, Meißen und Rosenthal. Besonders schwungvoll ist die Darstellung einer jungen, freihändig skifahrenden Frau des Bildhauers Joseph Wackerle.
"Die beiden Bereiche Mode und Sport waren um die Jahrhundertwende tiefgreifenden Reformen ausgesetzt. Zwei Ereignisse kennzeichnen diese Wandlungen: Im Jahr 1900 durften sich erstmals weibliche Sportlerinnen an den Olympischen Spielen beteiligen, und der Pariser Modeschöpfer Paul Poiret setzte ab 1908 die Abschaffung des Korsetts zugunsten einer modischen Abwandlung des Reformkleides durch.....Während die frühen Sportfiguren in Porzellan vor allem die schwungvolle Linie und die Dynamik der Bewegung bannten, was Wackerle in seiner Skiläuferin am überzeugensten gelang, wurde später wieder mehr Wert auf die Darstellung der modischen Sportkleidung gelegt." (Bettina Zöller-Stock, Traumwelten. Porzellanfiguren zwischen Jugendstil und Art Déco, aus der Porzellansammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums, Berlin 1988, S. 4)

Eine weitere Ausformung mit anderen Farben befindet sich im Berliner Bröhan-Museum, dort 1907 datiert.

Bezeichnung:
signiert auf der Bodenplatte Wackerle,
eingeritzt 266 (Modellnr.), Preßstempel Rautenschild


ClKa

Last updated: 16.09.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa