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Die Kaufmannsfrau (Modellbezeichnung "Die Kaufmännin")

Ident. Nr.: HF 488

ObjID: obj:2457833

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Frankenthaler Porzellanmanufaktur (1755-1800),
Hersteller*in
Entwurf: Johann Friedrich Lück (1727 - 1797),
Porzellanmodelleur
Date(s)
um 1765
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Frankenthal
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 16,4 x 16 x 15 cm

Object Description

Dame mit Haube und blau geblümtem Kleid, an einem Tisch mit geschwungenen Beinen sitzend. Auf dem Tisch ein ovales Gefäß mit Schreibzeugutensilien, eine runde Schnupftabakdose, ein aufgeschlagenes Buch, in das sie mit der Rechten etwas hineinschreibt, sowie eine Liste. Auf der Liste sind Waren mit Preisen vermerkt, zum Beispiel "marcipan". In der linken Hand hält die Kaufmannsfrau auf den Knien ein weiteres aufgeschlagenes Haushaltsbuch. Die Schreibfeder in der Hand und in der Schale sind abgebrochen. Unter dem Tisch und auf dem Boden des rocaillegerahmten Grassockels sind Warenballen und Zuckerhüte verteilt. Zu ihrer Linken steht ein Korb mit sechs Flaschen, davor ein weiterer Warenballen. Die Staffierung ist in Blau, Violett, Grün, Eisenrot, Braun, Schwarz und Gold gehalten.
Marke: in Unterglasurblau "CT" mit Kurhut (Fabrikmarke), darunter "AB" ligiert (1762-70, Direktor Adam Bergdoll), sowie auf der Glasur: "F 20".
Vergleichsstücke mit jeweils differierenden Accessoires sind in verschiedenen Sammlungen erhalten, darunter im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum. In Mannheim steht noch ein Leuchter(-Fuß) auf dem Tisch. Außerdem ist die Frau dort dabei, einen Brief zu siegeln, wohingegen sie bei der Berliner Variante schreibt. Statt des Flaschenkorbes steht in Mannheim ein Fass neben der Frau auf dem Boden.
Die Kaufmannsfrau wiederholt ein Meißener Modell von Johann Joachim Kaendler, das um 1755 entstanden ist. Dieses basiert auf dem Stich "L'oeconome" (1754) von Jacques-Philippe Le Bas, der wiederum ein Gemälde von Jean Siméon Chardin wiedergibt. Hier ist ebenfalls ein Flaschenkorb dargestellt, wie auf der Berliner Ausformung des Frankenthaler Modells.
Im Preisverzeichnis der Frankenthaler Manunfaktur von 1777 ist das Modell als "Die Kaufmännin" bezeichnet.
Als Pendant hat die Frankenthaler Manufaktur auch einen "Kaufmann" hergestellt, von dem eine Ausformung ebenfalls im Kunstgewerbemuseum vorhanden ist (Inv. Nr. Lg 520). // Lit.: Barbara Beaucamp-Markowsky, Frankenthaler Porzellan. Band 1: Die Plastik, München 2008, S. 332, Kat. Nr. 172 (Mannheimer Vergleichsstück). // ClKa

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa