Logo

Große Platte mit orientalisierendem Dekor in der Art der Iznik-Keramik

Ident. Nr.: 1873,703

ObjID: obj:2471615

Details (expert)

Involved
Ausführung: Léon Parvillée (1830 - 1885),
Hersteller*in
Dating
um 1873
Geographical references
Material / Technique
Fayence mit Aufglasurmalerei
Dimensions
Durchmesser: 45 cm

Object Description

Tiefe glatte Form auf Standring. Reliefierte Aufglasurmalerei in Schwarz, Gelb, Beige, Türkis, Grün, Blau, Rosa und Weiß. Im Zentrum ein sternförmiges schwarzes Ornament, umgeben von einer großen sechsteiligen Blütenform, die mit kleinteiligem bunten Arabeskenwerk auf hellem Grund gefüllt ist. Die Fahne ziert eine Bordüre mit Steckwerk aus eckig gebrochenen Farbstreifen.
Léon Parvillée war Baukeramiker und Publizist in Paris. Er setzte sich intensiv mit islamischer Baukunst in Istanbul auseinander und erhielt 1863 von der osmanischen Regierung den Auftrag, islamische Bauten in Bursa zu restaurieren. Die Iznik-Fliesenkunst der dortigen Moscheen des 15. Jahrhunderts inspirierte ihn zu eigenen Arbeiten. Er publizierte sie 1874 in einem Buch mit dem Titel "Architecture et décoration turques au quinzième siècle". Der Dekor der Platte ähnelt einer Rosette aus der "Grünen" Moschee in Bursa, die er in seinem Buch publizierte, jedoch ohne diese zu kopieren. Aufgegriffen wird auch die an Emailkunst erinnernde keramische "cuerda seca"-Technik ("trockene Schnur") orientalischer Fliesendekore, bei der sog. tote Ränder aus einer fetthalten Substanz verhindern, dass die Schmelzfarben beim Einbrennen ineinanderlaufen.
Mit seinen orientalisierenden Baukeramiken und Ziergegenständen hatte Parvillée in Europa großen Erfolg. 1867 erhielt er von der türkischen Regierung den Auftrag, auf der Pariser Weltausstellung den Repräsentationsbau des Osmanischen Reichs in Gestalt einer Moschee zu errichten. Er führte eine Firma in Paris, die nach seinem Tod 1885 auf seine beiden Söhne Achille und Louis überging ("Parvillée Frères et Cie").
Die auf der Unterseite mit dem Schriftzug "LEON PARVILLEE" gemarkte Platte erwarb das Berliner Kunstgewerbemuseum 1873 auf der Weltausstellung in Wien.
Lit.: Barbara Mundt: Historismus. Kunsthandwerk und Industrie im Zeitalter der Weltausstellungen (=Kataloge des Kunstgewerbemuseums VII), Berlin 1973, Kat. Nr. 55.

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.