Logo

L'Implorante

Ident. Nr.: NG 2/24

ObjID: obj:3566458

Erworben mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung

Details (expert)

Creator/Entity
Camille Claudel (1864 - 1943),
Bildhauer*in
Date(s)
Datierung: um 1898 (Entwurf), um 1905 (Guss)
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: L'Implorante
Flehende
la Jeunesse
L'imploration
Jeune Fille agenouillée
la Suppliante
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 28,3 x 25,5 x 16 cm (mit Plinthe)
Acquisition
2024 Ankauf Bowman Sculpture Gallery, London

Object Description

Die französische Bildhauerin Camille Claudel (1864-1943) nimmt unter den zahlreich dokumentierten Schüler*innen und Mitarbeiter*innen Auguste Rodins (1840-1917) heute wohl den bekanntesten Platz ein. Neben ihrer tragischen Liaison mit Rodin, die bislang primär für ihre Bekanntheit sorgte, hat nicht zuletzt die jüngste Künstlerinnenforschung den Blick auf ihr plastisches Werk geschärft.
In der kaum drei Jahrzehnte währenden Schaffenszeit der Bildhauerin, nimmt die Figur der Implorante (Flehende) eine herausgehobene Stellung ein. Als herausgelöster Teil der 1899 erstmals im Salon der Société Nationale des Beaux-Arts ausgestellten Komposition L’Âge mûr (Das reife Alter,) wurde die Figur in verschiedenen Größen vertrieben und in dieser Form erstmals 1905 in der Pariser Galerie von Eugène Blot präsentiert. „Als ich von meinem Freund G. Geffroy zu der großen Künstlerin Camille Claudel geführt wurde, die, wie Mirbeau sagte, für Rodin das ist, was Berthe Morisot für Manet ist, kaufte ich ihr zunächst die Figur Imploration in ihrer Originalgröße […] ab. Diese kniende Figur ist Teil einer Gruppe von drei Figuren, die sie […] La Jeunesse de l'Âge mûr nennt [...]. In der Originalgröße, die als Nr. 1 bezeichnet wurde, beschränkte ich die Auflage auf 10 Abzüge. Ich fertigte sofort eine Verkleinerung Nr. 2 an, die ich auf 100 Abzüge begrenzte.“ (Paris, Archives National, 368 AP 3). Der große Erfolg der kleinen Knienden, von der Blot bis 1937 ganze 59 Exemplare gießen konnte, ist einerseits in der kaufmännisch klugen Entscheidung begründet, eine gut verkäufliche Statuetten-Größe anzubieten, anderseits in der inhaltlichen Offenheit der Figur, deren jugendliche Darstellung und emotionaler Pathos zu positiven öffentlichen Besprechungen anregte: „Die Imploration, eine schmerzhafte, kniende Kreatur, die mit ihrem ganzen Blick, ihren gespannten Lippen, der Darbietung ihres Oberkörpers und ihren zitternden Händen um Hilfe bittet, was will sie? Das Geheimnis ihrer Geste legt der Seele verschiedene Interpretationen nahe. Vielleicht ist sie einfach das Elend, das am Wegesrand weint.“ (Louis Vauxcelles, Camille Claudel, in: Exposition d'OEuvres de Camille Claudel et de Bernard Hoetger Ausst. Kat. Paris 1905, o. S.) | Yvette Deseyve

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Alte Nationalgalerie

Email:

n/a

Additional items from the collections

Im Etappenquartier vor Paris

Im Etappenquartier vor Paris

Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg

Dorflandschaft,
Verso: Blumenvase

Dorflandschaft, Verso: Blumenvase

Den Blick auf Worpswede mit der Kirche auf dem Weyerberg im Hintergrund zeigt auch eine zeitgleich ausgeführte, kleinere Ausführung des Motivs, die über den Kunsthandel veräußert wurde - nach Angaben des Otto-Modersohn-Museums, Fischerhude. Beiden Arbeiten liegt die Abkehr von der impressionistisch-symbolistischen Malweise der ersten Jahre Modersohns in der Künstlerkolonie Worpswede und ein verändertes Bemühen um Realität zugrunde. „Das ist mein uraltes Ideal. Schon meine Kompositionen beschäftigen sich mit der Konzeption und Intimität. Im Atelier entstanden auf Grund meiner Studien und Zeichnungen meine besten Bilder. […] dekorative Konzeption, – intimes Leben. – Man muß das Erlebnis fühlen das man hatte“, notierte Modersohn (Tagebucheintrag, 29.11.1933, zit. nach Otto Modersohn, 1865–1943, Otto-Modersohn-Nachlaß-Museum Fischerhude, Hamburg 1981, S. 150). Diese Bilder wollen nicht Abbild der Wirklichkeit sein, sondern Ausdruck individuellen Gefühls für das Geschaute: Hier sieht man die an und auf dem Berg stehenden Häuser und die Kirche schräg gegeneinandergesetzt, mit Auf- und Untersichten und Figuren auf jeder Höhe des geschwungenen Weges. Farbflächen, das Rot der Dächer, das Grün der Bäume und Wiesen, die Helle des Weges, stehen deutlich nebeneinander, überwölbt wird die Szene von einem Sommerhimmel. Leicht kann solch eine Komposition den Anschein bewusster Naivität erzeugen. Die Rückseite der Leinwand zeigt einen Pfingstrosenstrauß in einer weiß-blau gemusterten Vase, die auch auf weiteren Stillleben Modersohns zu sehen ist. Blumensträuße, gern bei Kunstlicht gemalt, gehören fest zum Spätwerk des Malers. | Angelika Wesenberg