Logo

Ident. Nr.: N (74 F) 8/2025

ObjID: obj:3753527

Details (expert)

Date(s)
Fotografische Aufnahme: 1852/70
Geographical references
Material / Technique
Ambrotypie in Etui, Samt, Metall, Leder
Dimensions
Gewicht: 38 g
Höhe x Breite x Tiefe: 5,3 x 4,7 x 1,5 cm

Object Description

Hochformat, Unikat, Porträt in Etui. Das dunkelbraune Etui ist auf Vorder- und Rückseite mit geprägtem Muster verziert. An der linken Seite zwei Messingscharniere. Im aufgeklappten Zustand auf der linken Seite mit violettem Samt bezogen, in den Rocailles eingeschnitten sind. Auf der rechten Seite eingelegt die Ambrotypie mit einem goldenen, ovalen Passepartout, das mit floralen Elementen geschmückt ist. Die Ambrotypie zeigt das Halbfigurporträt einer Frau, die sitzend dargestellt ist. Sie trägt ein dunkles, langärmeliges Kleid. An den Ärmelausschnitten sowie am Halsausschnitt ist ein heller Kragen bzw. üppige Ärmel einer weißen Bluse zu erkennen. Um den Hals trägt sie eine Kette mit großem Anhänger. Die Haare sind mittig gescheitelt und fallen in kleinen Locken auf die Schultern. Die Frau schaut direkt in die Kamera. Ihre Hände sind im Schoß aufeinandergelegt, am Ringfinger der rechten Hand ist ein Ring zu erkennen. Der Hintergrund ist monochrom.

Die Ambrotypie stammt aus dem Besitz der Familie der Schenkerin und kommt somit vermutlich aus den USA (ev. Ostküste, Maine).
Über die dargestellte Person gibt es keinerlei Hinweise/weiteren Informationen. Das Porträt ist ein klassisches Porträt seiner Zeit: Häufig wurden diese in Fotostudios aufgenommen. Ein gemalter Hintergrund fehlt in diesem Fall.
Das fotografische Verfahren der Ambrotypie (von ambros, gr. „unsterblich“) wurde 1851, d.h. 12 Jahre nach der Erfindung der Fotografie in Großbritannien von Frederick Scott Archer erfunden. Hierfür wird auf eine Glasplatte als Untergrund eine brom- oder jodsilberhaltige Kollodiumschicht (Kollodiumwolle, Ether und Alkohol) aufgebracht. Die so behandelte Platte wird anschließend ohne Lichteinfall in eine Lösung mit Silbernitrat gelegt und noch feucht in die Kassette einer Kamera eingelegt. Die Belichtung erfolgt direkt und umgehend auf die feuchte Platte, weshalb man auch von einem Kollodium-Nassverfahren spricht. Dies bedeutete auch, dass die Handhabung insbesondere außerhalb von Fotostudios schwierig war. Nach der Belichtung wurde die Glasplatte erneut im Dunkeln mit einer Eisensulfatlösung behandelt, wodurch die belichteten Partien der Glasplatte weißlich/silbrige wurden. Anschließend wird noch auf der Kollodiumschicht befindliches Silberiodid bzw. Silberbromid mit einer Natriumthiosulfatlösung ausgewaschen. In der Realität helle Partien (z.B. helle Kleidung) zeichnet sich in der Ambrotypie auch hell ab. In der Realität dunkle Partien (z.B. dunkle Kleidung) erscheinen erst dann dunkel, wenn man die entwickelte Glasplatte mit einer Schicht aus schwarzem Samt oder Papier hinterlegt. Das Verfahren erzeugt Unikate. Abzüge sind nicht möglich. Man spricht dabei auch von einem Scheinpositiv-Verfahren, da das Glasnegativ durch die Unterlegung mit einem schwarzen Hintergrund als Positiv erscheint. Ambrotypien können als Vorreiter der Ferrotypien verstanden werden, deren Untergrund Eisenblech statt Glas ist. Um 1852 betrug die Belichtungszeit einer Ambrotypie circa 10 Sekunden.

Last updated: 31.08.2026

Contact

Institution:

Museum Europäischer Kulturen

Additional items from the collections