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Pokal in Form eines Stiefels

Ident. Nr.: F 3157

ObjID: obj:3826474

Details (expert)

Involved
Zuschreibung unsicher: Christoph Straub (1602),
Goldschmied*in
Zuschreibung unsicher: Wolff Straub (1644),
Goldschmied*in
Dating
1. Hälfte 17. Jahrhundert
Geographical references
Material / Technique
Fadenglas, Silbermontierung, vergoldet
Dimensions
Höhe: 27 cm

Object Description

Pokal in Form eines Reiterstiefels, aus Laticinio-Glas, Basis und Mündung in vergoldetem Silber montiert von Christoff oder Wolff Straub zu Nürnberg. Die Wade mit gestricktem milchweißen Fadenglas verziert, an der rechten Seite vier wasserhelle Knöpfe, in Form von verschieden gestellten Löwenmasken, in Knöchelhöhe ein Sporn. Die Sohle von drei Wappen in Rollwerk-Cartouche durchbrochen: dem Reichsadler über den beiden heraldischen Emblemen der Stadt Nürnberg. Nürnberger Beschau: Rosenberg 1186 und Marke: Rosenberg 1248. Der Absatz unten granuliert, am Seitenmantel mit gravierten Voluten verziert. Vermutlich Gabe der Stadt an einen verdienten Reitersmann. Von derlei Trinkgefäßen stammt die Redensart: "Er trinkt einen guten Stiefel".
Text der Zettelkartei.

Das Trinkgefäß ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. Es konnte nur die Sohle aus vergoldetem Silber geborgen werden.
MAKR

Last updated: 25.11.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR