Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Buddha-Vita: o.: das Gleichnis der dreisaitigen Laute (anikonisch); l.: Sujātā bringt Reisspeise als Gabe dar
Ident. Nr.: II 650 115r-116r
ObjID: obj:3831713
Details (expert)
- Creator/Entity
- Somdet Phra Sangkharat (1776); InschriftKempermann (1882); Archive
- Date(s)
- Datierung: Dienstag, 24. September 1776
- Systematics/Type
- Additional titles
- Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Buddha-Vita: o.: das Gleichnis der dreisaitigen Laute (anikonisch); l.: Sujātā bringt Reisspeise als Gabe darTranslation: Illuminated cosmological manuscript Traiphum (“Three Worlds”); Life of the Buddha: top: the simile of the three-stringed lute (aniconic); left: Sujātā presents milk rice as an offering
- Geographical references
- Material / Technique
- Khoi-Manuskript (samut khòi) im Leporello-Format; schwarze Tinte, Deckfarben und Goldtusche auf graubraunem (weißgrundigem) Khoi-Papier, dunkelbraun lackierter hölzerner Einbanddeckel
- Dimensions
- Blattmaß: 24,5 x 50,0 cm (Maße einer Faltseite; Höhe x Breite; Breite parallel zur Faltkante)Länge: 33,3 m (Gesamtlänge des vollständig entfalteten Manuskripts; recto und verso jeweils 33,3 m; 136 Faltsegmente)Höhe: 8 cm (Gesamthöhe des zusammengefalteten Manuskripts einschließlich der Einbanddeckel)Gewicht: 5,6 kg
- Acquisition
- Erwerbung von Gerolamo Emilio Gerini 1895
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/3831713
Object Description
3 Das Gleichnis von den drei Saiten (fol. 115r)
Die ersten Jahre übt sich der Buddha in extremer Askese. Er fastet, bis er fast stirbt. Da spielt Gott Indra (grünhäutig) für den im Sterben Liegenden (symbolisiert durch drei goldene Räder) auf einer Laute, die nur drei Saiten hat. Texte erzählen: Die erste Saite ist zu angespannt, sie reißt. Die zweite ist zu lose, sie erzeugt keinen klaren Ton. Der dritten, mittel angespannten Saite aber entlockt Indra herrliche Musik. Der Buddha versteht: Der Mittelweg ist richtig. Er beendet das Fasten.
Die ersten Jahre übt sich der Buddha in extremer Askese. Er fastet, bis er fast stirbt. Da spielt Gott Indra (grünhäutig) für den im Sterben Liegenden (symbolisiert durch drei goldene Räder) auf einer Laute, die nur drei Saiten hat. Texte erzählen: Die erste Saite ist zu angespannt, sie reißt. Die zweite ist zu lose, sie erzeugt keinen klaren Ton. Der dritten, mittel angespannten Saite aber entlockt Indra herrliche Musik. Der Buddha versteht: Der Mittelweg ist richtig. Er beendet das Fasten.
4 Dorfbewohnerin Sujata bringt dem Buddha Reisbrei (fol. 116r)
Der Buddha (symbolisiert durch einen Lotos mit goldenem Flammenaufsatz auf einem Fels links) hat sich unter einem Baum zur Meditation niedergelassen. Eine Dorfbewohnerin, die einen Fruchtbarkeitsgeist in diesem Baum vermutet und diesen täglich mit Gaben verehrt, bringt eine Reisspeise. Als sie den Buddha mit seiner schönen Ausstrahlung dort sitzen sieht, glaubt sie, der Fruchtbarkeitsgeist sei ihr erschienen. So erhält der Buddha die Reisspeise und kann wieder zu Kräften kommen.
Der Buddha (symbolisiert durch einen Lotos mit goldenem Flammenaufsatz auf einem Fels links) hat sich unter einem Baum zur Meditation niedergelassen. Eine Dorfbewohnerin, die einen Fruchtbarkeitsgeist in diesem Baum vermutet und diesen täglich mit Gaben verehrt, bringt eine Reisspeise. Als sie den Buddha mit seiner schönen Ausstrahlung dort sitzen sieht, glaubt sie, der Fruchtbarkeitsgeist sei ihr erschienen. So erhält der Buddha die Reisspeise und kann wieder zu Kräften kommen.
Acht Szenen aus dem Leben des Buddha
Im Traiphum-Manuskript finden sich acht Szenen aus dem Leben des Buddha. Dieses Thema ist sonst eher Teil von Wandmalereien in Tempeln und schmückte selten Manuskriptseiten. Eine Besonderheit in dieser Handschrift ist, dass der Buddha in Szenen, in denen er noch in ein weltliches Leben eingebunden ist (1, 2), in menschlicher Gestalt erscheint. In allen anderen Szenen, in denen er sich schon auf seinem spirituellen Weg befindet, ist er nur noch durch ein Symbol im Bild vertreten.
Im Traiphum-Manuskript finden sich acht Szenen aus dem Leben des Buddha. Dieses Thema ist sonst eher Teil von Wandmalereien in Tempeln und schmückte selten Manuskriptseiten. Eine Besonderheit in dieser Handschrift ist, dass der Buddha in Szenen, in denen er noch in ein weltliches Leben eingebunden ist (1, 2), in menschlicher Gestalt erscheint. In allen anderen Szenen, in denen er sich schon auf seinem spirituellen Weg befindet, ist er nur noch durch ein Symbol im Bild vertreten.
Die Szenen aus dem Leben des Buddha folgen in diesem Manuskript nicht überall der Reihenfolge der Episoden in thailändischen Texten. Die chronologisch korrekte Abfolge wäre (1), (2), (3), (4), (6), (8), (7), (5). Warum die Szenen hier durcheinandergewürfelt wurden, ist noch nicht geklärt. Eventuell hat man sich von der freieren räumlichen Anordnung von Buddhalebensszenen in den Wandmalereien der Tempel dazu inspirieren lassen.
Lesung und Übersetzung Thai: Peera Panarut, veröffentlicht als: Panarut, Peera, trans. 2026. Reading of the Berlin Traiphum (II 650, Museum für Asiatische Kunst, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Berlin. https://doi.org/10.58159/20260927-000
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/
Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/
Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).
Last updated: 03.11.2026
Contact
Institution:
Museum für Asiatische Kunst
Email:
aku@smb.spk-berlin.de