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Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: l. o.: Maṇimekhalā und Rāmāsura (ohne Text), Teil 2; Mi.: Bahala-Gaṅgā, Ummagga-Gaṅgā, Vijjhanatiracchāna-Fels; l. u.: Maṇḍūka-Pakaraṇam (als Bild und Text); r. o.: Ulūka-Jātaka (J. 270) (als Bild und Text); Laṭukika-Jātaka (J. 357) (als Bild und Text), Teil 1; r. u.: Phandana-Jātaka (J. 475) (als Bild und Text)

Ident. Nr.: II 650 047v-048v

ObjID: obj:3831848

Details (expert)

Creator/Entity
König Tāk Sin (17.4.1734–6.4.1782),
Auftraggeber*in; Inschrift
Luang Phetchawakam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Nam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunsa (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Rueang (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunchan (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Chet (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Son (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Thongkham (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Chao Phraya Si Thammathirat (1776),
Papierherstellung; Inschrift
Somdet Phra Sangkharat (1776); Inschrift
Adolf Bastian (26.6.1826 - 3.2.1905),
Sammler*in; Archive
Gerini (1895),
Veräußerung; Archive
Kempermann (1882); Archive
Date(s)
Datierung: Dienstag, 24. September 1776
Additional titles
Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: l. o.: Maṇimekhalā und Rāmāsura (ohne Text), Teil 2; Mi.: Bahala-Gaṅgā, Ummagga-Gaṅgā, Vijjhanatiracchāna-Fels; l. u.: Maṇḍūka-Pakaraṇam (als Bild und Text); r. o.: Ulūka-Jātaka (J. 270) (als Bild und Text); Laṭukika-Jātaka (J. 357) (als Bild und Text), Teil 1; r. u.: Phandana-Jātaka (J. 475) (als Bild und Text)
Translation: Illuminated cosmological manuscript Traiphum (“Three Worlds”); Jambudīpa: top left: Maṇimekhalā and Rāmāsura (without text), part 2; centre: Bahala-Gaṅgā, Ummagga-Gaṅgā, Vijjhanatiracchāna rock; bottom left: Maṇḍūka-Pakaraṇam (image and text); top right: Ulūka-Jātaka (J. 270) (image and text); Laṭukika-Jātaka (J. 357) (image and text), part 1; bottom right: Phandana-Jātaka (J. 475) (image and text)
Geographical references
Dimensions
Blattmaß: 24,5 x 50,0 cm (Maße einer Faltseite; Höhe x Breite; Breite parallel zur Faltkante)
Länge: 33,3 m (Gesamtlänge des vollständig entfalteten Manuskripts; recto und verso jeweils 33,3 m; 136 Faltsegmente)
Höhe: 8 cm (Gesamthöhe des zusammengefalteten Manuskripts einschließlich der Einbanddeckel)
Gewicht: 5,6 kg
Acquisition
Erwerbung von Gerolamo Emilio Gerini 1895

Object Description

Dämon Ramasura, Göttin Manimekhala und die Kristallkugel (fols. 046v-047v oben)
Die schöne und tugendhafte Göttin Manimekhala und der grobschlächtige Dämon Ramasura erlernen beim selben spirituellen Lehrer besondere Fähigkeiten. Doch am Ende wird nur Manimekhala mit einer Kristallkugel ausgezeichnet, die Blitze schleudern kann. Dämon Ramasura ist eifersüchtig. Er verfolgt Manimekhala und möchte ihr die Kristallkugel rauben. Doch Manimekhala blendet ihn mit einem Blitz aus der Kugel. Ramasuras Waffen verfehlen sie. Blitz und Donner gelten als Ausdruck dieses Kampfes.

Jataka Nr. 270: Die Eule und die Krähe (fols. 047v-048v oben)
Am Anfang der Zeiten wählten verschiedene Tierarten ihre Anführer. Auch die Vögel wollten einen Vogelkönig. Zunächst wurde die Eule als Oberhaupt vorgeschlagen. Doch eine Krähe protestierte: Die Eule sei für dieses Amt zu hässlich. Wütend ging die Eule auf die Krähe los. Eule und Krähe behackten sich in der Luft. Als die Vogelschar das sah, wollte sie keinen von beiden mehr als Oberhaupt. Die Vögel wählten lieber die vornehme Gans zu ihrem König. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte!

Jataka Nr. 475: Raubtier, Baum und Zimmermann (fol. 048v unten)
Einst ruhte ein schwarzes Raubtier unter einem Baum, als plötzlich ein Ast auf es herabfiel. Das Tier fauchte den Baum und den im Geäst wohnenden Baumgeist gereizt an. Da kam ein Zimmermann des Wegs, auf der Suche nach gutem Holz für ein Wagenrad. Das Tier schlug ihm vor, just diesen Baum zu fällen. Der Baumgeist jedoch empfahl dem Zimmermann die Haut des Raubtiers als Radbespannung. Der Zimmermann folgte beiden Vorschlägen. Die Moral: Wer intrigiert, wird auch sich selbst schaden.

Jataka Nr. 357: Der böse Elefant und die Wachtelmutter (fols. 048v-049v oben)
Eine Wachtel sinnt auf Rache: Ein böser Elefant hat alle ihre frisch geschlüpften Jungen mutwillig zertreten. Sie bittet ihre Freund*innen – eine Krähe, eine Fliege und einen Frosch – um Hilfe. Die Krähe hackt dem Elefanten ein Auge aus, die Fliege legt Maden in die Wunde. Fast blind sehnt sich der Elefant nach Wasser. Das Quaken des Frosches lockt ihn einen Berg hinauf. Dort gelangt er aber nicht zu einem Teich, sondern an den Rand eines Abgrunds, von dem der Elefant schließlich in den Tod stürzt. 

Der südliche Strom, Teil 4 & 5: Bahala- und Ummagga-Ganga
Nun fließt der südliche Strom zweimal hintereinander am Fuße eines Berges in dessen Fels hinein und strömt unterirdisch weiter. Er kommt dann auf der anderen Seite wieder aus dem Berg heraus.: Erst taucht er unter den Bahala-Berg (Felsen links) und heißt dann Bahala-Ganga. Dann fließt er als Umagga-Ganga weiter, bis er unter dem Berg Vijjhanatirachana (Felsformation rechts) hindurchtaucht.

Jambudipa, der Rosenapfelkontinent, und der mythische Himavanta-Wald
Im 31-stufigen Kosmos des Buddhismus gibt es vier Kontinente. Jambudipa ist der Ort, wo Menschen wie wir leben und wo buddhistische Geschichten spielen. Hoch oben in den Bergen des Rosenapfelkontinents, weit von jeder menschlichen Zivilisation entfernt, liegt die mythische Welt des Himavanta. In seinen idyllischen und besonders reinen Naturwelten überschneiden sich göttliche und irdische Sphären. Der mythische Himavanta-Wald ist vom echten Himalaya inspiriert. 

547 Vorleben des Buddha  – Inspiration für gutes Verhalten
In diesem Teil der Handschrift sind Bilder vom Rosenapfelkontinent zu sehen, vor allem vom mythischen Himavanta-Wald. Doch blühen dort nicht nur viele schöne Pflanzen, weiden glückliche Tiere, tanzen göttliche Wesen. Hier spielen auch Szenen aus den zahlreichen Vorleben des Buddha. Denn bevor der Meister zur Erleuchtung gelangte, musste er erst viele Wiedergeburten durchleben. Diese Vorgeburtsgeschichten (Jatakas) führen den Gläubigen gutes und schlechtes Verhalten anschaulich vor.



Lesung und Übersetzung Thai: Peera Panarut, veröffentlicht als: Panarut, Peera, trans. 2026. Reading of the Berlin Traiphum (II 650, Museum für Asiatische Kunst, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Berlin. https://doi.org/10.58159/20260927-000
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/

Literatur zu diesen Folios:
Stoye & Panarut 2025: S. 42–44, 50–56; Abb. 11, 12

Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).

Last updated: 05.11.2026

Contact

Institution:

Museum für Asiatische Kunst

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