Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: l. o.: Laṭukika-Jātaka (J. 357), Teil 2 (als Bild und Text); l. u.: Vidhura-Paṇḍita-Jātaka (J. 545) (als Bild und Text); l. o.: Vijjhatiracchāna-Fels und Kālā-Giri (o./u.); Mi. und r.: fünf Ströme wie die Finger einer Hand
Ident. Nr.: II 650 049v-050v
ObjID: obj:3831849
Details (expert)
- Creator/Entity
- Somdet Phra Sangkharat (1776); InschriftKempermann (1882); Archive
- Date(s)
- Datierung: Dienstag, 24. September 1776
- Systematics/Type
- Additional titles
- Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: l. o.: Laṭukika-Jātaka (J. 357), Teil 2 (als Bild und Text); l. u.: Vidhura-Paṇḍita-Jātaka (J. 545) (als Bild und Text); l. o.: Vijjhatiracchāna-Fels und Kālā-Giri (o./u.); Mi. und r.: fünf Ströme wie die Finger einer HandTranslation: Illuminated cosmological manuscript Traiphum (“Three Worlds”); Jambudīpa: top left: Laṭukika-Jātaka (J. 357), part 2 (image and text); bottom left: Vidhura-Paṇḍita-Jātaka (J. 545) (image and text); top left: Vijjhatiracchāna rock and Kālā-Giri (top/bottom); centre and right: five rivers like the fingers of a hand
- Geographical references
- Material / Technique
- Khoi-Manuskript (samut khòi) im Leporello-Format; schwarze Tinte, Deckfarben und Goldtusche auf graubraunem (weißgrundigem) Khoi-Papier, dunkelbraun lackierter hölzerner Einbanddeckel
- Dimensions
- Blattmaß: 24,5 x 50,0 cm (Maße einer Faltseite; Höhe x Breite; Breite parallel zur Faltkante)Länge: 33,3 m (Gesamtlänge des vollständig entfalteten Manuskripts; recto und verso jeweils 33,3 m; 136 Faltsegmente)Höhe: 8 cm (Gesamthöhe des zusammengefalteten Manuskripts einschließlich der Einbanddeckel)Gewicht: 5,6 kg
- Acquisition
- Erwerbung von Gerolamo Emilio Gerini 1895
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/3831849
Object Description
Jataka Nr. 357: Der böse Elefant und die Wachtelmutter (fols. 048v-049v oben)
Eine Wachtel sinnt auf Rache: Ein böser Elefant hat alle ihre frisch geschlüpften Jungen mutwillig zertreten. Sie bittet ihre Freund*innen – eine Krähe, eine Fliege und einen Frosch – um Hilfe. Die Krähe hackt dem Elefanten ein Auge aus, die Fliege legt Maden in die Wunde. Fast blind sehnt sich der Elefant nach Wasser. Das Quaken des Frosches lockt ihn einen Berg hinauf. Dort gelangt er aber nicht zu einem Teich, sondern an den Rand eines Abgrunds, von dem der Elefant schließlich in den Tod stürzt.
Eine Wachtel sinnt auf Rache: Ein böser Elefant hat alle ihre frisch geschlüpften Jungen mutwillig zertreten. Sie bittet ihre Freund*innen – eine Krähe, eine Fliege und einen Frosch – um Hilfe. Die Krähe hackt dem Elefanten ein Auge aus, die Fliege legt Maden in die Wunde. Fast blind sehnt sich der Elefant nach Wasser. Das Quaken des Frosches lockt ihn einen Berg hinauf. Dort gelangt er aber nicht zu einem Teich, sondern an den Rand eines Abgrunds, von dem der Elefant schließlich in den Tod stürzt.
Jataka Nr. 545, Teil 1: Prinzessin Irandati gewinnt den Naturgeist Pannaka zum Mann, Teil 1 (unten)
Die schöne Irandati möchte einen Wunsch ihrer Mutter erfüllen, und dafür einen Ehemann mit besonderen Fähigkeiten gewinnen. In einem schönen Garten auf einem schwarzen Berg singt und tanzt sie, um so einen Mann anzulocken. Da kommt der Naturgeist Pannaka auf seinem Zauberpferd durch die Luft geritten. Er sieht Irandati, verliebt sich und willigt ein, sie zu heiraten. Doch vorher muss er die schwierige Aufgabe erfüllen, Irandatis Mutter das Herz eines berühmten Weisheitslehrers darzubringen.
Die schöne Irandati möchte einen Wunsch ihrer Mutter erfüllen, und dafür einen Ehemann mit besonderen Fähigkeiten gewinnen. In einem schönen Garten auf einem schwarzen Berg singt und tanzt sie, um so einen Mann anzulocken. Da kommt der Naturgeist Pannaka auf seinem Zauberpferd durch die Luft geritten. Er sieht Irandati, verliebt sich und willigt ein, sie zu heiraten. Doch vorher muss er die schwierige Aufgabe erfüllen, Irandatis Mutter das Herz eines berühmten Weisheitslehrers darzubringen.
Der südliche Strom, Teil 6: Auffächerung in fünf große Flüsse
In dem Moment, wo der südliche Strom aus dem Berg Vijjhanatirachana wieder hinausfließt, teilt er sich „wie die fünf Finger einer Hand“ in fünf Flüsse, deren Namen berühmten Flüssen Nordindiens entsprechen, nämlich (von oben nach unten) in den Ganges, die Yamuna, den Achiravati, den Sarabhu und den Mahanadi.
In dem Moment, wo der südliche Strom aus dem Berg Vijjhanatirachana wieder hinausfließt, teilt er sich „wie die fünf Finger einer Hand“ in fünf Flüsse, deren Namen berühmten Flüssen Nordindiens entsprechen, nämlich (von oben nach unten) in den Ganges, die Yamuna, den Achiravati, den Sarabhu und den Mahanadi.
Jambudipa, der Rosenapfelkontinent, und der mythische Himavanta-Wald
Im 31-stufigen Kosmos des Buddhismus gibt es vier Kontinente. Jambudipa ist der Ort, wo Menschen wie wir leben und wo buddhistische Geschichten spielen. Hoch oben in den Bergen des Rosenapfelkontinents, weit von jeder menschlichen Zivilisation entfernt, liegt die mythische Welt des Himavanta. In seinen idyllischen und besonders reinen Naturwelten überschneiden sich göttliche und irdische Sphären. Der mythische Himavanta-Wald ist vom echten Himalaya inspiriert.
Im 31-stufigen Kosmos des Buddhismus gibt es vier Kontinente. Jambudipa ist der Ort, wo Menschen wie wir leben und wo buddhistische Geschichten spielen. Hoch oben in den Bergen des Rosenapfelkontinents, weit von jeder menschlichen Zivilisation entfernt, liegt die mythische Welt des Himavanta. In seinen idyllischen und besonders reinen Naturwelten überschneiden sich göttliche und irdische Sphären. Der mythische Himavanta-Wald ist vom echten Himalaya inspiriert.
547 Vorleben des Buddha – Inspiration für gutes Verhalten
In diesem Teil der Handschrift sind Bilder vom Rosenapfelkontinent zu sehen, vor allem vom mythischen Himavanta-Wald. Doch blühen dort nicht nur viele schöne Pflanzen, weiden glückliche Tiere, tanzen göttliche Wesen. Hier spielen auch Szenen aus den zahlreichen Vorleben des Buddha. Denn bevor der Meister zur Erleuchtung gelangte, musste er erst viele Wiedergeburten durchleben. Diese Vorgeburtsgeschichten (Jatakas) führen den Gläubigen gutes und schlechtes Verhalten anschaulich vor.
In diesem Teil der Handschrift sind Bilder vom Rosenapfelkontinent zu sehen, vor allem vom mythischen Himavanta-Wald. Doch blühen dort nicht nur viele schöne Pflanzen, weiden glückliche Tiere, tanzen göttliche Wesen. Hier spielen auch Szenen aus den zahlreichen Vorleben des Buddha. Denn bevor der Meister zur Erleuchtung gelangte, musste er erst viele Wiedergeburten durchleben. Diese Vorgeburtsgeschichten (Jatakas) führen den Gläubigen gutes und schlechtes Verhalten anschaulich vor.
Lesung und Übersetzung Thai: Peera Panarut, veröffentlicht als: Panarut, Peera, trans. 2026. Reading of the Berlin Traiphum (II 650, Museum für Asiatische Kunst, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Berlin. https://doi.org/10.58159/20260927-000
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/
Literatur zu diesen Folios:
Stoye & Panarut 2025: S. 42–44, 52, 54; Abb. 12, 13
Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/
Literatur zu diesen Folios:
Stoye & Panarut 2025: S. 42–44, 52, 54; Abb. 12, 13
Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).
Last updated: 06.11.2026
Contact
Institution:
Museum für Asiatische Kunst
Email:
aku@smb.spk-berlin.de