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Gläserner Deckel für einen großen Pokal

Ident. Nr.: 1935,62 b

ObjID: obj:4005562

Details (expert)

Involved
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Geographical references
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 15,5 x 15,1 cm
Durchmesser: 13,5 cm (Auflegerand)
Wandungsstärke: 0,4 cm

Object Description

Deckel mit flacher Schulter und hohem Knauf aus farblosem Glas, innen mit Abrissnarbe und Resten eines Etiketts, die Deckelwandung ist umlaufend mit einem mattgeschnittenen Dekor aus Blumenstauden und großen Bügelkronen verziert, dazwischen Blattwerk und Palmzweige. Der Knauf ist aus zwei Hohlbalustern zwischen Trommelscheiben komponiert, den unteren schmückt ein geblänkter Kugelfries, den oberen ein Kranz aus Palmzweigen. Der Knaufabschluss ist mit einer mattgeschnittenen Blüte dekoriert. Der zugehörige Pokal ist Kriegsverlust (Gesamthöhe 43 cm). Er war dekoriert mit den Brustbildern König Friedrichs I. (1657–1713), Königin Sophie Charlottes (1668–1705), des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1688–1740) und dessen Gemahlin Sophie Dorothea (1687–1757). Das Sujet datiert diesen Potsdamer Deckelpokal in die Zeit nach der Hochzeit des Kronprinzenpaares am 28. November 1706, nach den Tod der Königin aber noch vor den Tod des regierenden Königs Friedrich I. am 25. Februar 1713. [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 26.06.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR