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"Moderne Pallas Athene" (Modellnr. 9936)

Ident. Nr.: O-1981,4

ObjID: obj:4190805

Details (expert)

Creator/Entity
Entwurf: Hermann Hubatsch (1878–1940),
Bildhauer*in
Ausführung: Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) (gegründet 1763),
Hersteller*in
Date(s)
Entwurf: 1911
Ausführung: 1912
Geographical references
Entstehungsort: Berlin
Dimensions
Höhe: 36 cm

Object Description

Stehende weibliche Figur auf flacher, ovaler Bodenplatte. Die Bemalung ist in flächigen Unterglasurfarben gehalten. Die Dame ist in Schrittbewegung dargestellt. Über dem seladongrünen, weit ausgeschnittenen Untergewand, das in Pumphosen übergeht, trägt sie einen dunkelblauen, asymmetrischen Überwurf. Das linke, vorangestellte Bein lässt außer der Pumphose auch den modischen Schnallenschuh erkennen. Die Kopfbedeckung ist ebenfalls dunkelblau. Mit dem rechten, vor dem Körper angewinkelten Arm hält sie ein kleines weißes Schoßhündchen. Über der rechten Schulter hängt eine Tasche. Das 1911 entworfene Modell von Hermann Hubatsch (1878-1940) stellt eine augenzwinkernde Symbiose von antiker Mythologie und zeitgenössischer Mode dar. Die Schultertasche mit eulenartigen Augen erinnert von Ferne an die der klugen griechischen Göttin Pallas Athene zugeordnete Eule. Zugleich ist es ein modisches Accessoire. Ebenso spielt die helmartige Kopfbedeckung mit Federbusch auf Athene an, lässt aber auch die Hutmode der Zeit anklingen. Damals waren die Schöpfungen des Pariser Couturiers Paul Poiret hochaktuell. Dieser hatte es verstanden, reformerische Ansätze der Damenmode (Verzicht auf Korsett und Krinoline) mit einer eleganten Silhouette und mit extravaganten, "orientalisierenden" Details wie Pumphosen zu verbinden. Eine solche trägt eben auch die "Moderne Pallas Athene". Von Hubatsch, der als Bildhauer zahlreiche figürliche Modelle für die KPM geschaffen hat, stammen Modelle von Modedamen, von sportlich aktiven Frauen, aber ebenso Damen in retrospektiver Kleidung, zum Beispiel in Biedermeierkostümen. Auch stellte er Schauspielerinnen (Agnes Sorma) oder Kabarettsängerinnen dar. // Lit.: Bettina Zöller-Stock: Traumwelten. Porzellanfiguren zwischen Jugendstil und Art Déco aus der Porzellansammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums, Berlin 1998, S. 16, 55 // ClKa

Last updated: 31.08.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa