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Das Feld hat Augen, der Wald hat Ohren

Ident. Nr.: KdZ 549

ObjID: obj:457472

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Hieronymus Bosch (ca. 1450 - 1516),
Zeichner*in
Material / Technique
Feder in Braun
Dimensions
Blattmaß: 20,2 x 12,7 cm
Wasserzeichenmaß: 16 x 10 mm (Fragment)
Acquisition
Alter Bestand, vor 1878 erworben

Object Description

Gemeinsam mit dem »Baummenschen« in Wien und dem »Eulennest« in Rotterdam zählt die Berliner Zeichnung zu den wenigen authentischen Zeichnungen von Hieronymus Bosch.
Das rätselhafte Thema hat sich bis heute einer ganz schlüssigen Auflösung entzogen. Die Ohren zwischen den Bäumen und die einzelnen Augen beziehen sich auf das Sprichwort »Das Feld hat Augen, der Wald hat Ohren. Ich will sehen, schweigen und hören«. Als Vergleich bietet sich ein niederländischer Holzschnitt von 1546 an. Das Sprichwort meint, daß man überall belauscht und gesehen werden kann und deshalb besser schweigen soll, um sich nicht zu verraten. Schwieriger ist die Einbindung der anderen Bildelemente. Die Eule im hohlen Baumstamm kann die Sünde, aber auch Weisheit und Melancholie symbolisieren. Und auf die Tierfabel von Reineke Fuchs geht die Szene am Fuß des Baumes zurück; hier sitzt ein Fuchs, der sich von dem hereinblickenden Hahn abwendet, aber voller Hinterlist verstohlen zu seinem Opfer schielt. So mag das Thema lauten: Die Eule sieht und hört, was unter und über ihr - wo kreischende Vögel das Geäst bevölkern - geschieht, schweigt aber dazu in kluger Voraussicht. Einen wichtigen Hinweis für die Interpretation könnte auch die wohl eigenhändige, auf ein Traktat des 13. Jahrhunderts zurückgehende Aufschrift liefern: »Derjenige ist armen Geistes, der stets nur bereits Erfundenes benutzt, selbst aber nichts hervorbringt.« In ähnlicher Form finden sich diese Worte noch bei Albrecht Dürer. Schöpferisch, Eigenes erfindend, soll der Künstler sein; so mag die Eule auch als Sinnbild der Melancholie zu verstehen sein, die man ihm früher zuordnete. Und es wurde gefragt, ob mit der Darstellung des Waldes bewußt auf den Namen des Zeichners angespielt werden sollte, heißt doch »Bosch« im Holländischen Wald. Liegt hier also eine Allegorie auf das Selbstverständnis und die nachdenkliche Klugheit des Künstlers vor? Hieronymus Bosch war als Maler von phantasievollen, figurenreichen Altarbildern schon zu Lebzeiten berühmt und bei Sammlern hochgeschätzt.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 171f., Kat. IV.5 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 18.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72