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Die Imker

Ident. Nr.: KdZ 713

ObjID: obj:461069

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Pieter Bruegel (der Ältere) (ca. 1525 - 1569),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: 2. Drittel 16. Jh.
Abweichende Datierung: 1555
Systematics/Type
Provenance
Karl Ferdinand Friedrich von Nagler (1770-1846),
8.2.1835
Dimensions
Blattmaß: 20,4 x 30,9 cm
Acquisition
1835 von Karl Ferdinand Friedrich von Nagler, Berlin, erworben

Object Description

Eine Aufschrift, vom Künstler selbst auf eine Zeichnung geschrieben, gibt die Gewißheit, daß der Sinn der Darstellung von ihm genau überlegt war. In diesem Fall ist ihr Inhalt (»die das Nest kennen, die kennen es, der es raubt, der hat es«) nicht leicht mit dem Sichtbaren in Einklang zu bringen, ja erst die Aufschrift macht alles
problematisch. Üblicherweise gehört sie zu Darstellungen des Sprichworts vom Vogelnest, wo tölpische Bauern einen Knaben beobachten, der frech ein Nest ausnimmt, das sie ebenfalls gekannt hatten, ohne aber ihr Wissen zu nutzen. Auf unsere Darstellung angewendet hieße das, die Imker bereiten mit professioneller Umständlichkeit das Einfangen eines Bienenschwarms vor, den ihnen ein flinker Junge kühn wegschnappt, wobei er, auf Schutzkleidung verzichtend, die schmerzhaften Stiche in Kauf nimmt. Wir sehen jedoch keinen Schwarm, auch keinen Sack, mit dem der Junge die Bienen fangen könnte, sein Tun im Baum bleibt unklar. Hätte Bruegel diese Aussage geben wollen, hätte er sie deutlich gemacht. Insofern hat eine neuerlich vorgeschlagene politische Deutung der Szene viel für sich: Bildersturm und darauf folgende Massenhinrichtungen durch Alba in Brüssel (seit August 1567; uns vertraut durch Goethes Egmont und Schillers Don Carlos) hatten ohne Zweifel auch Bruegel tief erschüttert. Karel van Mander, der niederländische Künstlerbiograph (1604) überliefert, daß Bruegel auf dem Totenbett politisch anstößige Arbeiten durch seine Frau vernichten ließ. War die Aussage verschlüsselt genug, durfte das Blatt erhalten bleiben.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 183f., Kat. IV.22 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 24.09.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Chinesinnen mit Fasanen. Aus dem "Kinderalbum"

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Die Chinesinnen ist eine der wenigen exakt datierten Gouache-Malereien aus dem legendären Kinderalbum Adolph Menzels. Der selbst nachfolgelos gebliebene Künstler hatte die über zwei Jahrzehnte hinweg entstandene Sammlung von ursprünglich 44 Blättern den Kindern seiner Schwester zugeeignet. Etliche Studien nach Fasanen und Chinesen in zwei Skizzenbüchern der Jahre 1867/68 sowie die exakte Datierung lassen vermuten, dass Menzel hier Eindrücke eines Besuchs auf der Weltausstellung während seiner zweiten Paris-Reise 1867 im Bilde verdichtet. Die Verschmelzung der beiden, aus Menschen und Tieren bestehenden Motivgruppen zu einer überaus lebendigen und heiteren Handlung kulminiert in den Farbanalogien der Kleider und Gefieder im Umfeld eines chromatisch ansonsten eher reduzierten Bildraums. Der Betrachter reist, voll gebannt von dem Zauber, gleich mehrfach mit den Augen des Künstlers: nach Paris, ins ferne Asien und ins so märchenhafte wie artifizielle Reich seiner Künste. Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 92Chinese Women is one of the few precisely dated gouache paintings from Adolph Menzel’s legendary Kinder-Album. The artist, who was childless, dedicated the collection of originally 44 sheets to the children of his sister. Several studies of pheasants and Chinese subjects in two sketch books from the years 1867/68 and the exact dating lead us to suspect that Menzel was recording impressions of his visit to the world exhibition during his second trip to Paris in 1867. The fusion of the two motifs, consisting of human beings and animals, to a quite lively and cheerful plot culminates in the analogous colors of the clothing and the feathers inside the visual field, otherwise reduced in its use of color. While examining this image, the beholder, spellbound by its magic, travels in several aspects with the eyes of the artist: to Paris, to distant Asia and to the fairy-tale, artificial realm of his arts. Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 92

Der Alchimist

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Vorzeichnung im Gegensinn für einen Kupferstich, den der Verleger Hieronymus Cock in Antwerpen herausgab. - In einer liederlichen Alchimistenküche sitzt links an einem Pult ein Mann in Gelehrtentracht, die auch zu Bruegels Zeit schon um ca. 100 Jahre veraltet war. Mit der rechten Hand zeigt er in sein aufgeschlagenes Buch, wo die Worte ALGHE MIST (alles Mist) zu lesen sind. Daß sich dies negative Urteil auf das Treiben vor ihm bezieht, beweist seine weisende linke Hand. Neben dem Pult ein bösartiger Narr, der mit dem Blasebalg mehrere leere Schmelztiegel umstößt. Neben ihm die Hausmutter, deren Beutel leer ist. Das letzte Goldstück wirft soeben ihr Mann in den Schmelztiegel - aber wir wissen: es ist alles umsonst. Der Goldmacher scheitert, die Kinder hungern und suchen vergeblich etwas Eßbares im Schrank. Im Fensterausschnitt sehen wir die Eltern mit allen drei Kindern (jede Person ist deutlich wiederzuerkennen) auf eine alte Frau zueilen, die sie als Vertreterin des christlichen Armenhauses barmherzig aufnimmt; das Haus ist mit Kreuzen versehen, im Stich wurde »l'ospital« daran geschrieben.In dieser sehr realen Szene nimmt sich der altertümliche Gelehrte fremd aus. Er wird am ehesten verständlich bei Kenntnis der Bildtradition: in dem beliebten Blockbuch des 15. Jahrhunderts vom »Antichrist« fehlt nie die Szene: der Antichrist lehrt Gold machen. Die Einflüsterungen des Bösen verführen die schwachen, goldgierigen Menschen. Sie fallen in Armut, und ihr Sturz wäre rettungslos, finge nicht die christliche Nächstenliebe sie auf.Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 182f., Kat. IV.21 (mit weiterer Literatur)